052 | Wir hatten uns so gefreut, damals, 1986, als wir unsere (längst nicht mehr existierende) Produktionsfirma »tele public« als GmbH in Münster gegründet hatten und dann dieses tolle neue Medium »Fax« den guten alten Fernschreiber (Telex) ablöste. Doch nun… nix geht mehr!
Alle Welt telefoniert inzwischen mit »Flat-Rates« für lau via Internet. Doch jenes mag zwar Sprache übertragen, höchst ungern jedoch das Gepiepse und Geknurre der guten alten Faxmaschinen aus den 80er Jahren des letzten Jahrtausends.
So erhielt ich am 13. Januar 2007 ein Fax von einer Düsseldorfer Nummer, deren Inhaber mir nicht bekannt ist (0211 – 58xxx), und das sah nun so aus:

Sehr eindrucksvoll, dieser Gruß mit einer Technik aus der Vergangenheit! Nicht lesbar und ohne Klartext-Absender. Kein Rezipient kann wissen, von wem so etwas gekommen sein könnte…
Frage: Warum eigentlich nutzen Menschen heute noch so leidenschaftlich dieses so fehlerhafte Medium??? Wir haben seit weit über 10 Jahren das Internet mit dem hervorragenden E-Mail-Dienst. Wer immer mir da etwas mitteilen wollte: warum nutzt er nicht E-Mail bzw. einfach das Mailformular unter »Kontakt« auf meinen Websites und in diesem Blog…?
This entry was posted on Dienstag, Januar 16th, 2007 at 23:49 and is filed under Internet, Medientechnik, Fax. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Hohler Schrei eines Revolutionärs?
Da fällt mir doch ein, ich hatte doch irgendwo… Ach ja, da ist es: „Deutschland auf der Couch – Eine Gesellschaft zwischen Stillstand und Leidenschaft“. Eines meiner Lieblingsbücher der vergangenen Saison und scheinbar immer noch hochaktuell und ein passendes Zitat wert:
„Das visionäre Vakuum wird mit den wieder heraufbeschworenen Bildern, mit der Stimmung und dem Geist der bereits durchgestalteten geschichtlichen Vergangenheit ausgefüllt. Man blickt mit verklärter Melancholie auf die seligen Zeiten zurück, in denen die Welt noch in Ordnung war, in denen man sonntags noch im trauten Familienkreise vor dem Fernseher saß und Schwarzwaldklinik sah. Man kauft wieder Produkte oder konsumiert Bücher, Kinofilme oder Fernsehsender, die an das idealisierte Gestern erinnern.
Im Zuge des Retrotrends feiern plötzlich Produkte, Genres oder Menschen [und Medien???] ihre nostalgische Auferstehung und Restauration. Auf dem Küchentisch findet man wieder das Saftkonzentrat TriTop oder das bunte Päckchen Ahoi-Brause mit dem Fahne schwingenden Matrosen [und auf dem Beistelltisch in der Diele wieder das Faxgerät???]. Die neue Generation der Handyklingeltöne schrillt wieder wie die alten Wählscheibentelefone. Auf dem Sender RTL werden die sechziger, siebziger, achtziger und neunziger Jahre in abendlichen Shows recycelt.
Es scheint so, als hätte Deutschland aus Angst vor einer überfordernden Gegenwart und ungewissen Zukunft den Rückwärtsgang eingelegt und sich in die Vergangenheit geflüchtet. Psychologisch betrachtet dient der Retrotrend allerdings gar nicht der beruhigenden Rückbesinnung auf eine übersichtliche und bequeme Wohlstandswelt. Der Retrotrend ist vielmehr der beinahe verzweifelte Versuch, so etwas wie eine Aufbruchstimmung zu erzeugen, um das dumpfe Gefühl der Lahmheit und Stimmungslosigkeit zu überwinden. Der Rückgriff auf diese Welt verdeutlicht uns, wer wir sind und was wir könnten und entfacht neuen Mut und neue Leidenschaft und mobilisiert zum Neustart.“
Also vielleicht doch nur der (zugegebenermaßen etwas wortkarge) Aufruf zum Aufbruch in die Welt von morgen???