Martin Gertler | 27. Januar 2007, 20:34 Uhr

055 | Während viele Medien nach dem Sinn von virtuellen Online-Spielen und deren künstlicher »Welt« fragen, arbeiten die Studierenden des Bachelor-Studiengangs Mediendesign der Rheinischen Fachhochschule Köln in ihrem 3. Fachemester unbeirrt an realen Online-Projekten. Zum Semesterende präsentierten sie ihre durchweg gelungenen Werke.

Drei Beispiele:

1.
Das Handwerkliche des Designs faszinierte die Projektgruppe von Satu Spitz, Annika Jesionek und Aljoscha Sonderhoff. Sie erstellten eine komplette mehrsprachige Website für einen Möbeldesigner und Kunsthandwerker in Finnland. Dazu nutzten sie ein frei verfügbares »Content Management System«, das sie aber durch eigene Einbauten so ergänzten, dass zumindest die Typographie der Überschriften stets dem Gesamtdesign unterworfen ist. »Normalerweise bilden die Web-Browser auch die Überschriften mit den Systemschriften des jeweiligen PCs ab. Wir haben hingegen eine automatische Umsetzung der Headlines in die von uns gewählte, zum Möbeldesigner passende Schriftart möglich machen können«, berichtet Aljoscha Sonderhoff.

2.
Ein Kinderdorf in Brasilien wollen Stephanie Schotte, Christine Hartwig und Paulina Gorski mit ihrem Web-Projekt unterstützen. Das Dorf wurde vom Aktionskreis Pater Beda eingerichtet. »Über Internet können wir eine Nähe zu den Kindern, aber auch zu den Investitionen aus den Spenden herstellen«, so Stephanie Schotte über ihre Motivation. Die drei Studentinnen haben das Dorf mit allen Elementen abgebildet und zu jedem Element eigene Bilder und Beschreibungen abrufbar gemacht. In der gerade begonnenen vorlesungsfreien Zeit werden sie gemeinsam nach Brasilien reisen, um danach ihre Website so authentisch wie möglich online zu bringen.

3.
Eine richtig frische Website für ein uraltes Kino hatten sich Stephanie Strunk, Sabine Wißdorf und Martin Kloke vorgenommen. Die »Schauburg« in Hildesheim könnten sie damit für das 21. Jahrhundert ein wenig stärken, hofft die Gruppe. Da das Lichtspielhaus aber nur wenige Mitarbeiter hat, mussten die Designer auf ein narrensicheres »Content Management System« zurückgreifen, damit die Kinoleute auch im Internet jederzeit unkompliziert neue Filme ankündigen, terminieren und wieder absetzen können. »Wir haben das kostenpflichtige ›Weblication‹ gewählt, weil es so einfach zu bedienen und so schwer zu ›hacken‹ ist«, berichtet Sabine Wißdorf. Martin Kloke ergänzt: »Wir mussten es aber schon ein wenig ›aufbohren‹, damit die Vorschauseiten alle notwendigen Informationen anzeigen können.«

Mit Hilfe dieses Systems konnten die Mediendesigner auch eine spannende Rückschau in die Geschichte der »Schauburg« realisieren. Die komplette Webseite wirft den Besucher dann überraschend in der Darstellung um Jahrzehnte zurück und anhand einer Zeitleiste kann er sich über wichtige Ereignisse in der Geschichte des Hauses informieren.

Liebe Studies, meinen Glückwunsch zu Euren vorzeigbaren Werken!

»Wir beschäftigen uns in diesem gewichtigen Projekt-Fach grundsätzlich nur mit realen und anspruchsvollen Vorhaben. Modische Spielereien wie ›Second Life‹ hingegen, die mit unberechenbarer, proprietärer Software jeden User-Rechner mit zentralen kommerziellen Rechnern verbinden, wobei niemand sicher wissen kann, wer auf diese Weise zu den einzelnen User-PCs Zutritt erhält und sie ausspionieren kann, haben in unserem Hochschulstudiengang Mediendesign keinen Platz - aus Sicherheitsgründen, aber auch weil solche gegenüber der Kompliziertheit der Realität doch arg reduzierten Spielprogramme keine mittel- oder gar langfristige Relevanz haben können«, will ich als Dozent Online-Authoring und Studiengangsleiter Mediendesign ergänzend hinzufügen. »Wir sind als akkreditierter Studiengang in jeder Hinsicht, also auch in unseren Lehrinhalten und -methoden, auf nachhaltiges und berufsorientertes Vorgehen verpflichtet.«

Im nun endenden Wintersemester konnten auf diese Weise acht verschiedene Real-Projekte realisiert werden, die ausnahmslos in Kürze online gehen können.

Die Methode dieses Lehrfachs orientiert sich am »Problemgesteuerten Lernen«: Die Studierenden müssen in kleinen Gruppen konkrete Kommunikationsprobleme lösen. Dabei werden sie unterstützt durch strukturierte Einzelziele, durch »Moodle«, die interaktive Lernplattform des Studiengangs Mediendesign, und durch die kontinuierliche Begleitung des Dozenten.

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