Die museumsreife Abschlussarbeit.

01. Aug. 2010 von Martin Gertler

Sogar eine ei­gene Pres­se­kon­fe­renz wid­mete das Kölner Mu­seum Ludwig dem welt­weit ersten in­ter­ak­tiven Mu­se­ums­führer »po­ptalk«. Dieses Online-Dialogsystem hatte der Me­di­en­de­sign­stu­dent René Siem - einer meiner Ab­sol­venten - in seiner Ba­che­l­ort­hesis ent­wi­ckelt und nun zu­sammen mit seinem Stu­di­en­kol­legen Henrik Greger für die Aus­stel­lung Roy Lich­ten­stein zur Ein­satz­reife bringen können.

Fototermin im Museum Ludwig mit den beiden RFH-Absolventen Henrik Greger (li., Atelier für Mediengestaltung) und René Siem (re., freiberuflicher Mediendesigner)

Fo­to­termin im Mu­seum Ludwig mit den beiden RFH-Absolventen Henrik Greger (li., Ate­lier für Me­di­en­ge­stal­tung) und René Siem (re., frei­be­ruf­li­cher Mediendesigner)

Für das Mu­seum Ludwig ist es ein in­ter­es­santer Ver­such – für René könnte sein System »po­ptalk« zum Sprung­brett werden. Denn die neue In­ter­ak­ti­ons­mög­lich­keit mit Kunst­ex­perten er­öffnet den Mu­se­ums­be­su­chern eine ver­tiefte Aus­ein­an­der­set­zung mit den Werken der Ausstellung.

Nicht nur der Au­dio­guide ist nun on­line nutzbar – vor Ort über Smart­phones (iPhone etc.) sowie da­heim über den nor­malen Web­browser. Die ent­schei­dende Neue­rung ist der Aus­tausch der Be­su­cher mit Ex­perten: Je­mand schreibt seine Ein­drücke oder Fragen hinein – kurz darauf gibt es kom­pe­tente Ant­worten und Hin­weise vom Mu­seum. Die Dia­loge tragen zu einer Wis­sens­da­ten­bank bei, die mit jeder Nut­zung des Sys­tems weiter anwächst.

Die Fach­zeit­schrift PAGE setzte die »WebApp« in ihrer Online-Ausgabe so­gleich auf die Ti­tel­seite. Die Re­dak­tion stellte in ihrem Bei­trag heraus, dass das System alle neuen Ein­träge immer gleich auch bei Face­book und Twitter – den füh­renden So­cial Media – pu­bli­ziert und dass die Nutzer stets um­ge­hend nach­lesen können, was an­dere Be­su­cher und die Mu­se­ums­mit­ar­beiter zu den ein­zelnen Themen ge­schrieben haben.

In­for­ma­tionen und fach­li­cher Aus­tausch der Be­su­cher und Mu­se­ums­mit­ar­beiter er­gänzen ein­ander. Die Zahl der Links nimmt dabei ständig zu, denn au­to­ma­tisch werden die Be­griffe und Er­läu­te­rungen in den In­for­ma­ti­ons­texten sowie die Fragen und Ant­worten mit­ein­ander verknüpft.

Die Lo­kal­me­dien - ksta.de und koeln.de - griffen das Pro­jekt auf, da es für die Kölner Mu­se­ums­land­schaft ein in­ter­es­santes Ex­pe­ri­ment dar­stellt. Die ge­druckte Aus­gabe des »Focus« wid­mete »po­ptalk« gleich eine ganze Seite.

»Das ›poptalk‹-Konzept sorgt für eine an­hal­tende, zeit- und orts­un­ab­hän­gige Bin­dung der Mu­se­ums­be­su­cher mit un­serer Aus­stel­lung«, freute sich Anne Buch­holtz vom Mu­seum Ludwig. Ihrer Ein­la­dung zur Pres­se­kon­fe­renz waren Jour­na­lis­tinnen und Jour­na­listen aus allen Teilen Deutsch­lands und sogar aus Ös­ter­reich gefolgt.

Welt­weit erstmalig.

Na­tür­lich gibt es be­reits zahl­reiche Nut­zungs­formen in­ter­ak­tiver und auch mo­biler Me­dien für die Mu­se­ums­kom­mu­ni­ka­tion, eben­falls zu Aus­stel­lungen und zu ein­zelnen Werken. Be­stand­teil seiner Ba­che­l­ort­hesis war für René Siem daher gleich zu Be­ginn die ver­tiefte Re­cherche zu sol­chen An­ge­boten und eine Ana­lyse ihrer Funk­tionen und Ziele.

»Es zeigte sich, dass die vor­han­denen ›Apps‹ ent­weder Kunst­werke vi­sua­li­sierten, mit­unter sogar mit Ani­ma­ti­ons­mög­lich­keiten ver­sehen, oder über sie be­rich­teten – oder auch beides an­boten. Aber da kamen nie Men­schen mit­ein­ander ins Ge­spräch; eine in­halt­liche, fach­liche Kom­mu­ni­ka­tion der Nutzer mit den Ex­perten der Mu­seen und un­ter­ein­ander gab es bis­lang noch nicht – je­doch war genau das mein Ziel«, fasste René die Er­geb­nisse seines Bench­mar­kings zusammen.

Um dann ein System wie »po­ptalk« ent­wi­ckeln zu können, mussten erst noch Stu­dien zu Ziel­gruppen, zu den Me­thoden der Mu­se­ums­päd­agogik und zu den Mög­lich­keiten und Grenzen der In­ter­ak­tion mit Smart­phones folgen. »Solch ein neu­ar­tiges Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kon­zept er­for­derte eine be­son­ders gründ­liche Er­for­schung aller Pa­ra­meter und den stän­digen Ab­gleich mit den Me­thoden an­derer, in diesem Falle halt auch mit der Mu­se­ums­päd­agogik«, er­gänzte ich als der wis­sen­schaft­liche Be­treuer seiner Bachelorarbeit.

Sie haben die in­halt­li­chen Funk­tionen ge­meinsam de­fi­niert: René Siem und Jana Kimmel-Schlott. Das Mu­seum Ludwig hatte die Kunst­wis­sen­schaft­lerin ei­gens für das Ex­per­ten­forum Roy Lich­ten­stein und damit zu­gleich für die »poptalk«-Betreuung engagiert.

Auf die Frage der Jour­na­listen, was denn nach Ende der Aus­stel­lungs­zeit aus dem Pro­jekt würde, waren sich beide einig: »Dann wird erst einmal wis­sen­schaft­lich aus­ge­wertet!« Und der Me­di­en­de­si­gner er­gänzte: »Na­tür­lich mit dem Ziel, ›po­ptalk‹ künftig noch breiter und als dau­er­haftes An­gebot zu installieren...«

Wei­tere Informationen:

An­wen­dung »po­ptalk« on­line
Stu­di­en­gang Mediendesign



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