Martin Gertler | 6. Juli 2008, 00:00 Uhr

464 | Der Wissenschaftsrat kritisiert in einem umfangreichen Statement die Qualität der Lehre an deutschen Hochschulen. Offenbar meint er die universitären Hochschulen - denn an den Fachhochschulen wird bei einem Deputat von 18 oder 19 Wochenstunden meist mehr Lehre von Professoren geleistet als überhaupt verantwortbar…

AFP meldet:

Hamburg (AFP) — Der Wissenschaftsrat stellt der Lehre an den deutschen Hochschulen ein schlechtes Zeugnis aus. Für dringende Verbesserungen seien 1,104 Milliarden Euro pro Jahr erforderlich, berichtet der “Spiegel” unter Berufung auf eine Stellungnahme des wichtigsten Beratungsgremiums der deutschen Wissenschaftspolitik. Die Experten von Bund, Ländern und Wissenschaftsorganisationen kritisieren darin unter anderem die Qualifikation der Professoren: Die Hochschullehrer seien “weitgehend Autodidakten” und bedürften einer “professionell durchgeführten Aus- und Weiterbildung”.

Wie das Magazin weiter berichtet, sollen mit der Milliardensumme nach den Vorstellungen des Wissenschaftsrats unter anderem mehr Professorenstellen geschaffen werden, insbesondere in den Sprach- und Kulturwissenschaften sowie in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Für diese Fächer fordere der Wissenschaftsrat einen Zuwachs um 33 Prozent, in anderen Fächern um zehn Prozent.

In seiner Stellungnahme bekräftige der Wissenschaftsrat zugleich seine Forderung nach Lehr-Professoren, die zwölf Stunden pro Woche statt der üblichen acht oder neun Stunden unterrichten müssen. Nach Einschätzung des Wissenschaftsrats werde der Lehre an den Universitäten viel zu wenig Beachtung geschenkt. “Selbst eine offensichtliche Vernachlässigung der Lehre und der Studentenbetreuung wird allenfalls in Ausnahmefällen sanktioniert”, heißt es laut “Spiegel” in dem über hundert Seiten dicken Dokument.

Noch immer hänge die Karriere eines Wissenschaftlers fast ausschließlich von seinen Forschungsleistungen ab: “Erfolgreiche Forschung verhilft zu neuen Geldern, Mitarbeitern und besserer Ausstattung, größeres Engagement in der Lehre hingegen führt häufig zu höherer Arbeitslast durch mehr Studierende und mehr Prüfungen.”

Kommentar

Tatsächlich werden Professoren nur für die Forschung (durch jahrelange Promotion und Habilitation), nicht aber für die Lehre (außer durch z. B. zweitägige Kurzseminare) ausgebildet. Als Hochschullehrer sind wir Professoren - in Deutschland - Autodidakten. An Schulen wäre das kein denkbarer Standard.

Warum sollten die Hochschulen dieses unübersehbare Defizit nicht eigenständig beheben können und sich damit besser von den anderen Anbietern unterscheiden?!?

Im kommenden Jahr 2009 wird - so zeichnet sich inzwischen ab - ein neues, bundesweit nutzbares Weiterbildungsangebot an den Start gehen, das besonders ambitionierten Hochschullehrern hilfreich sein könnte… Mehr darüber beizeiten hier!

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