Der Herr der Logos und Schriften.

04. Apr. 2007 von Martin Gertler

Mehr als zwei­hun­dert Besu­cher waren gekom­men, als der berühmte Desi­gner und Typo­graph Kurt Wei­de­mann im Rah­men der »Köl­ner Akzente« des Stu­di­en­gangs Medi­en­de­sign Ein­bli­cke in seine Arbeit gab.

Der mitt­ler­weile 84jährige Desi­gner ging regel­recht mul­ti­me­dial vor: Zu Dias und auch zu nahezu his­to­ri­schen Film­auf­nah­men wusste er eine Menge über die Pro­zesse der Gestal­tung von Schrif­ten und Logos zu berichten.

Marie-Susann Kühr und Kurt Wei­de­mann im Gespräch

Nie mehr als eine Viertelstunde!

Erken­nen und dann gleich los­le­gen – das ist seine Rezep­tur für das Ent­wer­fen von Firmen- und Pro­dukt­lo­gos. »Wenn Sie mehr als eine Vier­tel­stunde für ein Logo brau­chen, las­sen Sie’s!« pro­vo­zierte der Alt­meis­ter die jun­gen Studenten.

Dabei berich­tete er auch eine Menge Details vom Ent­wurfs­pro­zess bei­spiels­weise des Logos der Deut­schen Bahn, das er sei­ner­zeit neu designte. Die Pres­se­mel­dun­gen über die Ent­wurfs­kos­ten seien falsch gewe­sen, kri­ti­sierte Wei­de­mann. »Nur einen Bruch­teil« habe er bekom­men, dafür habe er aber ja auch nicht nur das Logo, son­dern oben­drein zahl­lose Bro­schü­ren mit den unter­schied­lichs­ten Anwen­dungs­vor­ga­ben geliefert.

»Noch mal eine Schrift gestal­ten? Nur im Knast!«

Bekannt wurde Prof. Wei­de­mann auch als Typo­graph, als Schrift­ge­stal­ter. Aus­führ­lich zeigte er, wel­che Her­aus­for­de­rung eine Schrift­ge­stal­tung bedeu­tet, denn es müs­sen ja stets unter­schied­li­che Schrift­schnitte im sel­ben Design mög­lich sein und im wahrs­ten Sinne des Wor­tes funk­tio­nie­ren. »Sowas tue ich mir nicht noch ein­mal an«, resü­mierte Weidemann.

Ein ech­tes Vorbild

Diese erste Ring­vor­le­sung des Stu­di­en­gangs Medi­en­de­sign kam bei den Stu­die­ren­den gut an.

»Er hat mir Mut gemacht, noch mehr auf meine Intu­ti­tion beim Gestal­ten zu set­zen, und die Geduld auf­zu­brin­gen, die Umset­zung zu per­fek­tio­nie­ren«, sagte eine Stu­den­tin hin­ter­her beim Kölsch.

»Und ich habe nun end­lich ein Vor­bild!«, meinte einer aus den höhe­ren Semes­tern. »Bis­lang glaubte ich noch, unser Medi­en­de­sign sei eine etwas ›neu­mo­di­sche‹ Ange­le­gen­heit – im Gegen­teil, es ist offen­bar im aller­bes­ten Sinne ein ›alter Hut‹!«



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