Schwächelnde Uni-Landschaft.

30. Sep. 2007 von Martin Gertler

Spitzen-Universitäten, Exzellenz-Initiativen und Zukunfts­pro­gramme aller Art sol­len den Stu­die­ren­den und vor allem den Uni­ver­si­tä­ten den Rück­weg in die Welt­spitze bah­nen, doch die Hoch­schul­rea­li­tät in Deutsch­land sieht anders aus: Von 1995 bis 2005 wur­den fast 1.500 Pro­fes­so­ren­stel­len abgebaut.

Die 16 Bun­des­län­der haben in die­sem Zeit­raum 1.451 uni­ver­si­täre Pro­fes­so­ren­stel­len gestri­chen. Beson­ders dras­tisch sind die Ein­schnitte bei den Sprach- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten, denen im »Jahr der Geis­tes­wis­sen­schaf­ten« gar die Strei­chung von 663 Stel­len prä­sen­tiert wird.

Ein Blick auf die detail­lierte Auf­schlüs­se­lung des Hoch­schul­ver­bands: die Sprach- und Kul­tur­wis­sen­schaf­ten lie­gen mit einem Ver­lust von 663 Pro­fes­su­ren in der Summe vorn, aber der pro­zen­tuale Rück­gang von 11,6 Pro­zent wird von den Inge­nieurs­wis­sen­schaf­ten (-13,3) und den Agrar-, Forst- und Ernäh­rungs­wis­sen­schaf­ten (-16,9) noch über­trof­fen. Auch bei den Mathe­ma­ti­kern und Natur­wis­sen­schaft­lern wur­den 264 Stel­len nicht wie­der besetzt. Aus­nah­men bil­den nur die Berei­che Rechts-, Wirtschafts- und Sozi­al­wis­sen­schaf­ten mit einem Plus von 176 (5,6 Pro­zent) Stel­len bezie­hungs­weise die Abtei­lung Kunst/Kunstwissenschaften mit einem Zuwachs von 47 (9,4 Pro­zent) Professuren.

In ein­zel­nen Fächern nimmt die Per­so­nal­po­li­tik der ver­gan­ge­nen Jahre exis­tenz­be­dro­hende Aus­maße an. So ver­lo­ren die katho­li­schen Theo­lo­gen 20,7 Pro­zent ihrer Pro­fes­so­ren­stel­len, die Alt­phi­lo­lo­gen 35 Pro­zent, die Ger­ma­nis­ten 12 Pro­zent und die Erzie­hungs­wis­sen­schaft­ler 34,8 Pro­zent. Bei den Phy­si­kern (-12,8), Che­mi­kern (-12,5), Geo­gra­phen (-13,7), Maschi­nen­bau­ern und Ver­fah­rens­tech­ni­kern (-17,5), Raum­pla­nern (-34,9) oder Ver­mes­sungs­tech­ni­kern (-41,3) sieht es ähnlich aus.

Das ist schon ziem­lich absurd, denn in den nächs­ten Jah­ren sol­len die Stu­die­ren­den­zah­len in Deutsch­land von der­zeit 2 auf rund 2,5 Mil­lio­nen stei­gen und schon heute ist die Betreu­ungs­re­la­tion mit 60 Stu­den­ten pro Lehr­stuhl schlecht. Die staat­li­chen Unis wer­den den Anfor­de­run­gen der kom­men­den Zeit also immer weni­ger gerecht wer­den können.

Diese Ent­wick­lung lässt den Ruf nach mehr pri­va­ten wis­sen­schaft­li­chen Hoch­schu­len laut wer­den. Viele pri­vate Fach­hoch­schu­len sind inzwi­schen ent­stan­den und fül­len das Ange­bot der berufs­ori­en­tier­ten Stu­di­en­mög­lich­kei­ten auf – ergän­zende wis­sen­schaft­li­che Hoch­schu­len in pri­va­ter Trä­ger­schaft sind jedoch noch sel­ten in Deutsch­land und zudem meist kleine Ein­rich­tun­gen mit nur weni­gen Studienplätzen.



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