Studenten heute.

21. Okt. 2007 von Martin Gertler

Am Sams­tag­abend hatte ich vier arbeits­rei­che Tage an der Rhei­ni­schen Fach­hoch­schule in Köln hin­ter mir. Medi­en­tech­nik und -pro­duk­tion im berufs­be­glei­ten­den Stu­di­en­gang Medi­en­wirt­schaft, eine tolle Gast­vor­le­sung von einer star­ken Agen­tur­frau aus Ber­lin, zwei Tage lang Medi­en­theo­rie mit den Erst­se­mes­tern des Bache­lor­stu­di­en­gangs Medi­en­de­sign. 24 Lehrstunden.

Bei den Dis­kus­sio­nen mit den Stu­die­ren­den merke ich, dass die Erst­se­mes­ter sich von Jahr zu Jahr mehr ver­än­dern. Den Unter­schied zwi­schen inter­per­so­na­ler und mas­sen­me­dia­ler Kom­mu­ni­ka­tion und ihre Wirk­wei­sen benen­nen? Da sagen sie: das geht doch längst in ein­an­der über, das ist nicht mehr trenn­scharf zu behandeln.

Die Debat­ten sind anders als noch vor ein, zwei Jah­ren. Junge Leute heute haben noch weni­ger Bücher gele­sen als ihre Vor­gän­ger und ken­nen kaum Auto­ren. Nicht ein­mal Karl May gehörte zu ihrer Kind­heit. Sie wis­sen nicht, wel­che Pro­zesse im Ther­mo­stat am Heiz­kör­per ablau­fen oder wie der Ton und das Video­bild aufs Band und auf die Fest­platte kom­men. Sie wis­sen nicht, wer Paul Watz­la­wick war oder dass Karl-Dieter Möl­ler, ARD, für seine lang­jäh­rige Bericht­er­stat­tung über das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt bekannt ist und dafür auch einen Grimme-Preis bekam. Aber sie ken­nen sich aus im Ran­king der Stars und Stern­chen der RTL-Programme. Und sie erle­ben zuneh­mend eine »Über­macht der Medien«, weil immer mehr Wer­be­bot­schaf­ten auf sie ein­stür­men, weil ihre Bank nur noch online mit ihnen umge­hen will und weil Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­bie­ter und Web­hos­ter zwar per­so­na­li­sierte elek­tro­ni­sche Kom­mu­ni­ka­tion anbie­ten, diese sich aber als hoh­les Com­pu­ter­werk entpuppt…

Unsere Lehr­ver­an­stal­tun­gen fin­den tat­säch­lich heute noch in jenen klas­si­schen »Hör­sä­len« statt, deren Funk­ti­ons­weise immer uner­gie­bi­ger gewor­den zu sein scheint. Unsere »con­tact hours« ver­än­dern sich aber längst, durch die kon­se­quente Anwen­dung der out­put-ori­en­tier­ten Bachelor-Didaktik. Unsere Aus­gangs­punkte und Ziele erfor­dern indes wohl auch eine Überarbeitung.



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