149 | Im wirklichen Leben sind Terrorakte und öffentliche Perversionen tödlich und verboten, in Second Life ist es angeblich bloß ein virtuelles Spielen. Aber jenes geschieht dennoch nicht in einem straffreien Raum.
Die für ernsthafte Zeitgenossen eher alberne Puppenshow der ferngesteuerten Avatare verkommt zunehmend zum Treff der Gewaltbereiten und Hemmungslosen.
Der üblicherweise nicht grundsätzlich medienkritische »Kölner Stadtanzeiger« überraschte seine Leser gestern mit einer skurrilen Zusammenschau all dessen, was Mitspieler bei Second Life inzwischen präsentiert bekommen:
- Bombenanschläge bei Reebok, American Apparel und an einer Bushaltestelle
- Verlockende Angebote an Pädophile
- Produktpiraten und Vandalismus
- Kasinos mit illegalen Glücksspielen
- Eine Terrororganisation »Second Life Liberation Army (SLLA)«
- Erschießungen, die beliebig wiederholbar sind
- u.v.m.
»Das erste holt das zweite Leben ein« ist der Artikel überschrieben. Staatsanwälte in Europa und sogar das FBI ermitteln längst wegen immer mehr Untaten in der angeblichen Spielwelt, die offenbar zunehmend nicht blauäugig und heiter, sondern mit Sorge betrachtet werden muss.
Die Suche nach einer heileren (Traum)Welt endet wie bei anderen süchtig machenden Konsumgütern eben auch hier im Fiasko.
Umso unverständlicher ist es, wenn Hochschulen noch immer stumpf im werbenden Engagement für Second Life einen positiven Lern- und Mehrwert sehen wollen, anstatt sich – wenn überhaupt – bestenfalls kritisch und wissenschaftlich damit auseinanderzusetzen.
Beiträge zum Thema:
Kölner Stadtanzeiger
FOCUS
Berliner Morgenpost
Frankfurter Allgemeine Zeitung
DIE ZEIT
This entry was posted on Donnerstag, Mai 10th, 2007 at 00:50 and is filed under Hochschulen, Journalismus, Gewalt, Internet, Terror, Waffen, Spielen, Second Life. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
