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26. Apr. 2008 von Martin Gertler

Inzwi­schen kom­men immer mehr Machen­schaf­ten der US-Regierung ans Licht, mit denen sie in unge­ahn­tem Umfang Des­in­for­ma­tion betrieb.

DiePresse.com berichtet:

US-Regierung “kaufte” Mili­tär­ex­per­ten für die Medien

21.04.2008 | 15:30 | (DiePresse.com)

Die “New York Times” ent­hüllte dubiose PR-Strategien der Bush-Regierung: Ein Netz­werk von Mili­tär­ex­per­ten sorgte gezielt für Des­in­for­ma­tion in den Medien. Beein­flusst wur­den Berichte über Guan­ta­namo und den Irak-Krieg.

Tau­sende Male tra­ten Dut­zende von Mili­tär­ex­per­ten im US-Fernsehen, in Zei­tun­gen und im Radio auf, um über etwa den Krieg im Irak und das Gefan­ge­nen­la­ger Guan­tá­namo zu berich­ten. In der Regel waren die Män­ner pen­sio­nierte Top-Offiziere. Lange Jahre Dienst beim US-Militär habe sie befä­higt, die Lage in den Kri­sen­ge­bie­ten ein­schät­zen zu kön­nen, mach­ten sie der Öffent­lich­keit glau­ben. Was nie­mand wusste: Sie wur­den direkt vom Pen­ta­gon gelenkt. Das deckte die “New York Times” nun auf. Sie ver­klagte das Pen­ta­gon auf den Zugang zu mehr als 8000 Sei­ten mit E-Mails, Gesprächs­ab­schrif­ten und sons­ti­gen Akten. Das Mate­rial konnte nun aus­ge­wer­tet wer­den und das Ergeb­nis ist erschüt­ternd: Die US-Regierung hat Mili­tär­ex­per­ten ange­wie­sen, posi­tiv über den Irak­krieg oder das Gefan­ge­nen­la­ger Guan­ta­namo zu berich­ten. Und die Wei­sun­gen kamen von ganz oben.

Anfänge bereits vor 11. September

Nach Recher­chen der “New York Times” wur­den bereits im Jahr 2002 mehr als 75 Mili­tär­ex­per­ten dazu benutzt, ein Sys­tem zu geziel­ten Ver­brei­tung von Des­in­for­ma­tion auf­zu­bauen. Damals berei­te­ten die USA ihren Angriff auf den Irak vor. Die Män­ner beka­men pri­vi­le­gier­ten Zugang zu Infor­ma­tio­nen und zu füh­ren­den Mit­glie­dern der Streit­kräfte und der Regie­rung – im Aus­tausch dafür soll­ten sie in den Medien die Sicht der US-Regierung vertreten.

Die ehe­ma­lige PR-Beraterin Torie Clarke diri­gierte die Propaganda-Truppe im Minis­te­rium und baute sie zu “Exper­ten” auf. Die Stra­te­gie nannte sie “Infor­ma­ti­ons­do­mi­nanz”. Bereits vor dem 11. Sep­tem­ber 2001 feilte sie an der Idee von “Schlüssel-Einflüssen”. Die pen­sio­nier­ten Mili­tärs waren ideal dafür: Sie gal­ten als respekt­ein­flö­ßend, die meis­ten von ihnen wur­den im Krieg aus­ge­zeich­net und sie erreich­ten über ihren Ein­satz in den Medien ein Massenpublikum.

Direkte Tref­fen mit Rumsfeld

2002 tra­fen sie den dama­li­gen US-Verteidigungsminister Donald Rums­feld, ins­ge­samt begeg­ne­ten sie mit ihm min­des­tens 18 Mal per­sön­lich. Die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ex­per­ten des Pen­ta­gons betrach­te­ten die Mili­tär­ex­per­ten als wich­ti­ges Instru­ment, um die öffent­li­che Mei­nung zu beein­flus­sen – bei­spiels­weise als es galt, 2005 der wach­sen­den welt­wei­ten Kri­tik an Guan­ta­namo zu begegnen.

Als erste von sechs Grup­pen flo­gen einige Exper­ten am 24. Juni 2005 nach Guan­ta­namo. Wäh­rend des Hin-, des Rück­flu­ges und des Auf­ent­hal­ten wur­den ihnen die wich­tigs­ten “Ergeb­nisse” ihres Aus­flugs nahe­ge­bracht: Etwa wie sehr die Gefan­ge­nen­la­ger ver­bes­sert wur­den, wel­che Beschimp­fun­gen die Wäch­ter von Sei­ten der Gefan­ge­nen aus­hal­ten müss­ten und wel­che groß­zü­gi­gen Rechte den Insas­sen gewährt wür­den. Genau diese Bot­schaft brach­ten sie dann in den Medien rüber.

Auch “New York Times” beschäf­tigte Experten

Die Mili­tär­ex­per­ten tra­ten in allen wich­ti­gen US-Radio- und Fern­seh­sen­dern auf. Auch die “New York Times” selbst ging den Exper­ten auf den Leim: Min­des­tens neun der Ex-Offiziere haben für die Zei­tung Mei­nungs­ar­ti­kel geschrie­ben. Geld von der US-Regierung kam direkt kei­nes, das erle­dig­ten die Medien. Etwa 500 bis 100 Dol­lar sol­len pro Auf­tritt in die Taschen der Mili­tär­ex­per­ten geflos­sen sein.

Je mehr sie in den Medien waren, umso mehr Infor­ma­tion beka­men sie aus dem Pen­ta­gon. Das führte dazu, dass die ver­meint­li­chen Exper­ten aus Angst, ihre Pri­vi­le­gien zu ver­lie­ren, auch Infor­ma­tio­nen wei­ter­ga­ben, die sie als falsch ver­däch­tig­ten, schreibt die “New York Times”. Der Infor­ma­ti­ons­fluss funk­tio­nierte auch in die umge­kehrte Rich­tung: Die Mili­tär­ex­per­ten gaben Wis­sen aus den Medien an das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rium weiter.

Wer kri­tisch wird, muss gehen

Aber der Kreis­lauf von Medi­en­auf­trit­ten und Mili­tär­in­for­ma­tion blieb nur so lange auf­recht, bis ein Experte unbe­quem wurde. 2005 star­ben im Irak 14 Mari­nes an einem Tag. Als sich einer der pen­sio­nier­ten Mili­tär­an­ge­hö­ri­gen kri­tisch dar­über äußerte, wurde er vom Pen­ta­gon “gefeuert”.

Zudem seien die Mili­tär­ex­per­ten in das Inter­es­sen­ge­flecht des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums ein­ge­bun­den – in der Regel wegen ihrer Ver­träge mit der Rüs­tungs­in­dus­trie und ande­rer Dienst­leis­ter der Streit­kräfte. Über die Tätig­keit der Ex-Offiziere als Bera­ter, Lob­by­is­ten oder lei­tende Mit­ar­bei­ter in Unter­neh­men der Rüs­tungs­bran­che seien die Fern­seh­zu­schauer nicht infor­miert worden.

“Woll­ten US-Bürger informieren”

Der Ex-Oberst und Mit­ar­bei­ter des Fern­seh­sen­ders NBC, Ken­neth All­ard, ver­tei­digte die PR-Strategie der Regie­rung: “Das war eine abge­stimmte, aktive Poli­tik.” Pentagon- Spre­cher Bryan Whit­man sagte der “New York Times”, die Bemü­hun­gen seien ein “ernst­haf­ter Ver­such, die ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger zu infor­mie­ren” gewe­sen. Es sei absurd zu glau­ben, diese renom­mier­ten Ex- Offi­ziere lie­ßen sich als “Mario­net­ten” des Pen­ta­gons missbrauchen.

(Ag./Red.)

Die Ver­füh­rung zur Dul­dung der Überfälle.



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