157 | Eine Spurensuche in mehreren Folgen. Heute: Niederlande.

Besuchen wir doch auch einmal unser Nachbarland, die Niederlande. In der Hauptstadt Amsterdam haben zwei bekannte Universitäten ihren Sitz, eine von ihnen drängte es bereits ins Zweite Leben.

Gelistet zwischen allerlei Fake-»Universitäten« erwarten den Suchenden die Kurzbeschreibung und der »Teleport« zur Freien Universität Amsterdam (VU) im Online-Spiel Second Life.

Vor einem verwaisten T-Shirt-Stand steht Muskelmännchen vergeblich wartend herum. Kein Personal ist da, also: Selbstbedienung?

Ach, ich liebe T-Shirts mit Aufdrucken von Hochschulen! Nun… ich. Aber Muskelmännchen ist nur ein Avatar!

Ein leeres Gelände mit einem nur gehauchten Glasbau und dem VU-Logo, das ist es dann auch schon. Was will diese Kargheit sagen? Steckt dahinter die Einsicht, dass die Besucher sich eh alles am besten einbilden können wie dereinst die Menschen, als sie noch echte Kinder waren und etwa beim Lesen eines Karl-May-Western in ihrer Phantasie gar reiten und schießen konnten…?

Kooperationspartner der VU ist im Ersten Leben die Hochschule Windesheim in Zwolle. »Digididact« nennt sich angeblich die Abteilung. Ach, diese Holländer immer mit ihrem Abkürzungen!

Mag Windesheim mehr bieten als sein universitärer Partner VU? Im Ersten Leben bieten sie lauthals ihr neues Honours College an – und im Zweiten Leben…?

Auf jeden Fall sitzt die SL-Variante von Windesheim wohl irgendwo in der Karibik. Offshore? Steuerparadies? :D

Unförmige Klötze stehen in der Spiel-Gegend herum. Wenig einladend ist das Ganze! Für Muskelmännchen ist das viel zu fade. Ein bizarres futuristisches Ambiente. Warum macht man so etwas?

Schade um Zeit und Geld, die hier vernichtet wurden, anstatt sie für die Studierenden zu investieren!

Ein letzter Blick zu den niederländischen Nachbarn:

Beim SL-Auftritt der Hochschule Rotterdam hängen zumindest im Suchfensterbild Avatare ab, die wie Studenten aussehen sollen. Andere sind offenbar mit Zebras gekreuzte Katzen oder sonstwelche Phantasiegebilde. Nun ja, wer’s braucht…

Wie sagte mein Kollege Ansgar letztens noch? Second Life ist wie der Karneval in Köln: Eine bestimmte Klientel braucht das Verkleiden und Unerkanntsein, um all das ausleben zu können, was im normalen Leben nun mal nicht möglich ist.

Zurück nach Rotterdams Auftritt im Zweiten (Er)Leben. Auf dem weitläufigen Campus trifft Muskelmännchen auch hier wieder auf niemanden. Gähnende Leere. Immerhin taumeln aber auch hier keine Schmetterlingsavatare oder sonstige Spielfiguren herum.

Muskelmännchen ist wieder einmal etwas ratlos. Eine gigantomanische Bühne mit allerlei Gedöhns zum Thema Web 2.0 türmt sich vor ihm auf. Offenbar geht es hier um eine große Bühne, doch wer macht die Show dazu?

Die besuchten virtuellen Präsenzen, die im Namen von realen niederländischen Hochschulen auftreten, präsentieren sich als monumentale und nicht gerade einladende Phantasiegebilde. Da bleibt meinem Avatar nur, sich klein zu fühlen und zu ahnen, dass mancherorts, zumindest in Second Life, leider nicht alles Große im Kleinen liegt…

(Alle Bilder vom 12.4.2007)


Zuvor besucht:

  • FH Darmstadt. Wer sie im Zweiten Leben antreffen will, landet bloß auf einer kleinen Insel und steht da rum wie ein begossener Pudel. Recht geschehen!
  • FHM Bielefeld. Sie tritt in Second Life mit einer modernen Villa in einem karibischen Urlaubsambiente auf. Ihr Auftritt wirkt schick, nicht verwirrt. Es geht dabei offensichtlich um ein virtuelles Begegnungs- und Beratungszentrum.



Second Life in den News

DSLteam.de – Virtuelle Türsteher bewachen Second Life
tecchannel – Flucht ins virtuelle Leben

This entry was posted on Donnerstag, Mai 17th, 2007 at 00:23 and is filed under Hochschulen, Internet, Medientechnik, Spielen, Kommerz, Second Life. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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