Ferienlektüre.

28. Jul. 2008 von Martin Gertler

Bei mei­nem letz­ten Besuch in Utrecht, an der Uni­ver­sity for Huma­nistics, schenkte mir Lec­tor Dr. Gabriël Antho­nio das neu­este Buch sei­nes Dok­tor­va­ters, Prof. Dr. Harry Kun­ne­man. Es ist meine Ferien- und Rei­se­lek­türe gewor­den – eine span­nende phi­lo­so­phi­sche Aus­ein­an­der­set­zung zu huma­nis­ti­schen Fragen.

Der Klap­pen­text macht bereits neugierig:

Rüdes Ver­hal­ten, andere bei­seite schub­sen, bloß sich für eigene Inter­es­sen enga­gie­ren, Anders­den­kende gering­schät­zen, Uner­sätt­lich­keit und Selbst­ge­fäl­lig­keit: das sind einige Merk­male des »feis­ten Ichs«, das sich inzwi­schen hier­zu­lande in vie­len For­men mani­fes­tiert. Vari­an­ten sind: sich berei­chernde Mana­ger, eitle TV-Persönlichkeiten, ein­an­der ver­drän­gende Poli­ti­ker, kei­fende Kolum­nis­ten, gewalt­tä­tige Fußballfans.

Das »feiste Ich« ist frei, auto­nom und wohl­ha­bend – und zugleich höchst unzu­frie­den. Es agiert auf­fäl­lig und unge­niert oder auch auf sub­tile Weise. Das »feiste Ich« bil­det eine beun­ru­hi­gende Ver­grö­ße­rung des auto­no­men Indi­vi­du­ums, das sich von allen For­men mora­li­scher Auto­ri­tät befreit hat und dem es an nichts und nie­man­dem mehr liegt.

Aber für post­mo­derne Men­schen, die den Auf­marsch des »feis­ten Ichs« mit Schre­cken ver­fol­gen, wäre die Rück­kehr zu ver­bind­li­chen Nor­men und Wer­ten und den dazu­ge­hö­ri­gen ver­ti­ka­len Auto­ri­täts­li­nien eben­so­we­nig akzeptabel.

So ent­steht die Frage, wie man das »feiste Ich« hin­ter sich las­sen kann: Im Namen wel­cher Werte kön­nen die Auto­no­mie und Uner­sätt­lich­keit des »feis­ten Ichs« im All­tag ein­ge­schränkt wer­den, ohne jeman­dem Gewalt anzutun?

In die­sem Buch wird die Frage von einer kritisch-humanistischen Per­spek­tive aus beant­wor­tet, mit Hilfe von Begrif­fen wie tiefe Auto­no­mie, hori­zon­tale Tran­szen­denz, nor­ma­tive Pro­fes­sio­na­li­tät und gesell­schaft­lich ver­ant­wort­li­ches Organisieren.

Prof. Dr. Harry Kun­ne­man ist Pro­fes­sor für Soziale und Poli­ti­sche Theo­rien an der Uni­ver­sity for Huma­nistics, Utrecht.

Voor­bij het dikke-ik
Bouws­te­nen voor een kri­tisch huma­nisme
ISBN 978-90-6665-570-6
288 Sei­ten
2. Auf­lage, 2006
Ams­ter­dam: SWP

Die­ses wert­volle Buch sollte drin­gend auch ins Deut­sche über­setzt werden.



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