Feierlicher Abschied für Joan Hemels.

02. Apr. 2009 von Martin Gertler

Kom­mu­ni­ka­tion sei noch für viele zu oft bloß so etwas wie die Sahne zum Kaf­fee, ärgert sich Prof. Dr. Joan Hemels – dabei könne sie zum Gleich­ge­wicht in Orga­ni­sa­tio­nen ent­schei­dend bei­tra­gen. Seine Abschieds­vor­le­sung am 20. März in der über­füll­ten Aula der Uni­ver­si­tät von Ams­ter­dam (UvA) machte deut­lich, wel­chen Stel­len­wert Prof. Dr. Joan Hemels, seit 1976 für mich ein aka­de­mi­scher Men­tor und treuer Freund, in der inter­na­tio­na­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft hat.

Im Grunde lehrte Joan Hemels an der UvA bereits, als das Fach Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaft dort noch nicht ein­mal offi­zi­ell bestand. Seit den 80er Jah­ren hatte er den Lehr­auf­trag für die Geschichte der Presse, Pro­pa­ganda und Öffent­li­chen Meinung.

Seine Ernen­nung zum Pro­fes­sor ärgerte die Femi­nis­tin­nen der PIK, die damals in sein Büro ein­dran­gen und ihn mit grü­ner Farbe bewar­fen – das dach­ten sie zumin­dest, denn mit ihrer Farbe tra­fen sie nicht ihn, son­dern sei­nen Kol­le­gen für Film­kunde und AV-Kommunikation. Joan Hemels war gerade für ein Semes­ter ver­schwun­den, wie so oft, denn er liebte es, woan­ders zu leh­ren – ent­we­der in deutsch­spra­chi­gen Län­dern oder im benach­bar­ten Bel­gien. So war er gerade als Gast­pro­fes­sor in Eich­stätt, als diese Atta­cke stattfand.

Nie­der­län­di­sche Jour­na­lis­ten wur­den aus gehei­men Wie­ner Etats bezahlt.

Bei sei­ner Abschieds­vor­le­sung ent­hüllte Joan Hemels bis­lang unbe­kannte Ereig­nisse aus der Zeit des Ers­ten Welt­kriegs. Dem­nach haben sich nie­der­län­di­sche Jour­na­lis­ten von der österreichisch-ungarischen Mon­ar­chie beste­chen las­sen und blie­ben nicht neu­tral bzw. unab­hän­gig. Seit mehr als 20 Jah­ren hatte er die­sen Sach­ver­halt in aller Ruhe und im Gehei­men recher­chiert und konnte nun »Ross und Rei­ter« nennen.

Auch wenn es um alte Geschich­ten gehe, so der schei­dende Pro­fes­sor, sei den­noch das Thema aktu­ell. »Embed­ded jour­na­lism« oder auch die Plat­zie­run­gen von Lügen­ge­schich­ten durch Agen­tu­ren etwa beim ers­ten Irak-Krieg seien die moder­nen For­men des­sen, was sich damals bereits abzeichnete.

Herz­li­chen Dank, Joan, für Dei­nen uner­müd­li­chen Ein­satz, aus der Medi­en­ge­schichte, ins­be­son­dere der Presse, zur Erkennt­nis von Ent­wick­lun­gen im Jour­na­lis­mus und den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­wis­sen­schaf­ten bei­zu­tra­gen! Du machst das stets klas­sisch, auf her­me­neu­ti­sche Weise, und nicht wie heute üblich sta­tis­tisch – aber trotz­dem in jeder Hin­sicht nach­voll­zieh­bar und glaubwürdig.

Beste Joan, het ga je goed!



Keine ähnli­chen Bei­träge zu die­sem Thema.

Aktuelles