Martin Gertler | 30. September 2007, 11:44 Uhr

295 | Spitzen-Universitäten, Exzellenz-Initiativen und Zukunftsprogramme aller Art sollen den Studierenden und vor allem den Universitäten den Rückweg in die Weltspitze bahnen, doch die Hochschulrealität in Deutschland sieht anders aus: Von 1995 bis 2005 wurden fast 1.500 Professorenstellen abgebaut.

Die 16 Bundesländer haben in diesem Zeitraum 1.451 universitäre Professorenstellen gestrichen. Besonders drastisch sind die Einschnitte bei den Sprach- und Kulturwissenschaften, denen im »Jahr der Geisteswissenschaften« gar die Streichung von 663 Stellen präsentiert wird.

Ein Blick auf die detaillierte Aufschlüsselung des Hochschulverbands: die Sprach- und Kulturwissenschaften liegen mit einem Verlust von 663 Professuren in der Summe vorn, aber der prozentuale Rückgang von 11,6 Prozent wird von den Ingenieurswissenschaften (-13,3) und den Agrar-, Forst- und Ernährungswissenschaften (-16,9) noch übertroffen. Auch bei den Mathematikern und Naturwissenschaftlern wurden 264 Stellen nicht wieder besetzt. Ausnahmen bilden nur die Bereiche Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit einem Plus von 176 (5,6 Prozent) Stellen beziehungsweise die Abteilung Kunst/Kunstwissenschaften mit einem Zuwachs von 47 (9,4 Prozent) Professuren.

In einzelnen Fächern nimmt die Personalpolitik der vergangenen Jahre existenzbedrohende Ausmaße an. So verloren die katholischen Theologen 20,7 Prozent ihrer Professorenstellen, die Altphilologen 35 Prozent, die Germanisten 12 Prozent und die Erziehungswissenschaftler 34,8 Prozent. Bei den Physikern (-12,8), Chemikern (-12,5), Geographen (-13,7), Maschinenbauern und Verfahrenstechnikern (-17,5), Raumplanern (-34,9) oder Vermessungstechnikern (-41,3) sieht es ähnlich aus.

Das ist schon ziemlich absurd, denn in den nächsten Jahren sollen die Studierendenzahlen in Deutschland von derzeit 2 auf rund 2,5 Millionen steigen und schon heute ist die Betreuungsrelation mit 60 Studenten pro Lehrstuhl schlecht. Die staatlichen Unis werden den Anforderungen der kommenden Zeit also immer weniger gerecht werden können.

Diese Entwicklung lässt den Ruf nach mehr privaten wissenschaftlichen Hochschulen laut werden. Viele private Fachhochschulen sind inzwischen entstanden und füllen das Angebot der berufsorientierten Studienmöglichkeiten auf – ergänzende wissenschaftliche Hochschulen in privater Trägerschaft sind jedoch noch selten in Deutschland und zudem meist kleine, elitäre Einrichtungen mit nur wenigen Studienplätzen.

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