Martin Gertler | 3. März 2008, 00:00 Uhr

406 | »Warum fährst du immer noch wieder gern nach Florida?«, werde ich oft gefragt.

Nicht deswegen:

Sondern deswegen:















So viel für dieses Mal. Die »Krokusferien« sind vorbei!

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404 | Unsere erste Begegung war im Februar 2005 in Fort Myers. Prof. Dr. Maria Roca ist Department Chair am Colleg of Arts & Sciences der Florida Gulf Coast University (FGCU). Diesmal sprachen wir ausgiebig über unsere Sicht des Studiums und natürlich auch über mögliche gemeinsame Aktionen für die Zukunft.

Maria ist liberal katholisch engagiert, liebt Gandhi und Frieden und Zuhören, und sie war eine der ersten Professoren der FGCU bei der Gründung im Jahr 1997.

Die University ist also erst 10 Jahre alt und zählt doch schon rund 10.000 Studenten.

Sogar das erste Ph.D-Programm wird gerade vorbereitet. Eine University in den Vereinigten Staaten ist nicht einem schlichten binären System zugeordnet, wie wir das in Europa kennen (also FH vs. Uni). Wenn eine Einrichtung dort University geworden ist, weil die die notwendigen Akkreditierungen erlangt hat, kann sie weiter wachsen. Man findet jede University schlussendlich wieder in der Carnegie Classification und kann sich so über das Leistungsangebot informieren.

Maria macht sich Notizen auf einem Papier, das auf unseren Broschüren der Master-Studiengänge und des Honours program liegt. Sie findet unser Angebot interessant – hat aber mit dem Wort »Service Management« Probleme, weil im Amerikanischen damit »non-profit Community Services« gemeint sind, nicht aber die Dienstleistungswirtschaft.

Wir sitzen bei Starbucks Coffee – auch diese Kette hat eine Niederlassung auf dem Campus.

In ihrem Arbeitszimmer hat nur sie selbst noch Platz. Es ähnelt meinem Büro daheim… ;-)

Die Studenten genießen den Campus, der so groß ist wie eine kleine Stadt in Europa. Meist leben sie auch auf dem Gelände.

Im vergangenen Jahr hat die FGCU ein weiteres Bibliotheksgebäude angebaut. »Wir nutzen auch Distance Learning, aber müssen die heutige junge Generation auch noch an das Lesen essentieller Bücher heranführen, denn das sind sie nicht gewohnt, es gehört aber zum Studieren dazu«, sagt Maria.

Der Sport spielt eine enorm große Rolle im Alltag einer amerikanischen Uni. Ich staune über die große Arena, über die Schwimmbahne und Football-Felder.

Die FGCU ist engagiert für die Umwelt, ein wichtiges Thema in Southwest Florida, wo immer mehr alles zugebaut wird, denn der Zustrom an Menschen lässt nicht nach.

Natürlich haben wir auch über unsere eigenen Initiativen von Stenden gesprochen, z. B. über das Lektorat von Hans Revier, der sich mit dem Wattgebiet und dem Verhältnis von Naturschutz und Tourismus dort beschäftigt.

Solche Themen sind auch in Fort Myers wichtig, außerdem Hospitality: die FGCU baut gerade, von der Hotelindustrie gesponsort, einen neuen großen Zweig dazu auf, inklusive eigenem Hotel.

Ein öffentlicher TV-Sender residiert auf dem Campus; das ist üblich in den Vereinigten Staaten.

So habe ich mit Maria, head of communication studies, über eine Menge spannender Themen sprechen können: über Bachelor-, Honours- und Master-Studienangebote, und über eine internationale Zusammenarbeit. Die FGCU kooperiert in bestimmten Bereichen bereits mit anderen ausländischen Hochschulen, z. B. Würzburg.

Maria Roca ist Associate Professor of Communication an der Florida Gulf Coast University, seit 1997. Vorher war sie Dozentin an der Purdue, NYU, St. John’s University, der State University of New York at Oneonta, und der State University of New York at Purchase.

Sie wurde als erste Professor of the Year an der Florida Gulf Coast University für das Studienjahr 1997-1998, und sie bekam den Faculty Excellence in Service award für das Studienjahr 2001-2002.

Ihre Forschungsinteressen gelten listening, gender issues, und civic engagement. Sie ist promoviert an der New York University, über Media Ecology. Ihren Master erlangte sie ebenfalls an der NYU in Performing Arts Management, ihren Bachelor of Arts degree an der Purdue University in Interpersonal and Public Communication.

Kurz vor dem Abflug aus Fort Myers werde ich am Samstag, wie öfters in den letzten Jahren, noch ein paar Schritte am großen See hinter diesen Studentenwohnungen der FGCU machen.

Eine gute Gelegenheit, um noch einen Gedanken weiterzuspinnen, den Maria und ich hatten:

Wir möchten gern zu einem regelmäßigen Studentenaustausch kommen, denn in den Vereinigten Staaten überwiegt eine Prägung zu weltweitem Machtstreben und zu einem Selbstverständnis des Einzelnen, dass es sein Ziel werden müsse, ein guter Konsument zu sein. Und europäische Jugendliche haben wiederum andere Vorstellungen davon, was Lebensqualität bedeuten könnte.

Wenn wir einen internationale und interkulturellen Austausch erreichen, können wir den jungen Menschen an beiden Seiten besser das Verständnis mitgeben, dass es nur eine einzige Welt für alle Menschen gibt und man daher die Umwelt und die Lebensbedingungen allüberall erhalten und schützen muss, um diese unsere Erde auch noch für künftige Generationen bewohnbar zu erhalten.

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Martin Gertler | 26. Februar 2008, 00:00 Uhr

402 | Schon aus 50 Meilen Entfernung weisen Schilder den Weg zur neuen Stadt des alten Denkens, in der man eines der vielen neuen auf Vorrat gebauten Häuser kaufen kann, um dann unter seinesgleichen zu sein: »Ave Maria«.

Italienischer Baustil, wie man ihn liebt in der Umgebung von Naples/Florida – und das Zentrum bildet eine große Kathedrale.

Doch diese Kirche darf vorerst noch nicht Kirche heißen, sondern nur Oratorium, denn bislang fehlt der römisch-katholische Segen. Und ohne den geht nichts in dieser Stadt, die ein frommer reicher Mann namens Tom Monoghan von den Gewinnen aus seiner Pizza-Kette namens Domino’s Pizza buchstäblich aus dem Nichts stampfen ließ, fernab von jeglicher sündhafter Nachbarschaft. Die Gründung führte gleich zu Beginn zu enormen Spannungen.

Mein Sonntagsausflug galt dieser neuen frommen Uni-Stadt im Osten von Naples – gut eine Stunde Autofahrt pro Strecke muss man schon einkalkulieren, davon die Hälfte über endlos gerade Straßen durch Savannen und riesige landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Eine Universität entsteht in »Ave Maria«, und die Fahnen signalisieren, wer bei ihr entscheidende Rollen spielt und das Denken leitet: die U.S.A., der Bundesstaat Florida (rechts) und der Vatikan (links).

Im Buchladen kann man gegen Cash alle Studienbücher für die ersten Studiengänge erwerben, die bereits begonnen haben. Außerdem gibt es eine Menge Erbauliches, das den Standort des Ganzen durchaus deutlich macht: so wird zum Beispiel ein dickes Buch über »Mother Angelica« angeboten, der Gründerin von EWTN, verfasst und sogar handsigniert vom dankbaren Chefredakteur des amerikanischen Traditionalisten-Senders. Und ein priesterlicher Dozent der AMU hat gleich zwei dicke Bücher auf den Markt gebracht, in denen er bestreitet, dass Homosexualität biologisch bedingt sei, und in denen er von erfolgreichen Umbaumaßnahmen zu berichten weiß… Nun ja: außerhalb von Ehe und Fortflanzung genossene Sexualität ist nach traditioneller kirchlicher Lehre sündhaftes Handeln.

Immerhin steht in der Kathedrale – deren Gewölbe von einem unangenehmen Geflecht aus gebogenen T-Trägern aus Stahl getragen und optisch dominiert wird – der Altar mitten im Chorraum und damit nicht so, dass ein Priester dort mit Rücken zum Volk seine Zelebration vollziehen würde, wie es Traditionalisten noch immer bevorzugen.



Ein Student porträtiert seine Ave Maria University mit lockerer Hand(kamera).

Die ausladende Bibliothek steht bereits, ebenso die »Student Union«. Gleich neben den Unigebäuden und den üblichen Sportanlagen hat sich in neu angelegten Gewässern, gemäß dem »Wetland Restoration Plan« der AMU, bereits die typische Fauna Südfloridas ausgebreitet.

Das Konzept der Universität verspricht breite Studienangebote der »Humanities« und Platz für mehrere tausend Studenten.

Es waren an diesem Sonntag überwiegend Senioren in der kleinen neuen frommen Stadt in Florida zu Besuch. Viele von ihnen hatten diese erschreckenden Aufkleber am Autoheck: »Support Our Troops«.

Die konservative Klientel, die leider immer noch die Christenheit unserer Welt bestimmt und dabei Volksfrömmigkeit und ihre inkonsistente Moral als »Theologie« verkennt, hat sich offenbar weder jemals die Bergpredigt zu Herzen genommen noch die Zehn Gebote. In denen steht nicht zu lesen: »Du sollst leib- und lustfeindlich sein und darfst Dich nur zum Zeugen eines Kindes hingeben!«. Aber in denen steht eindeutig das Gebot: »Du sollst nicht töten!«. Ohne Wenn und Aber, und nicht beschränkt auf das noch ungeborene menschliche Leben.

Ave Maria ist ein interessantes Projekt – aber offenbar leider doch nur eine Domäne der konservativen reichen Bürgerlichkeit und nicht die radikale Keimzelle eines entschieden friedlichen, geschwisterlichen Lebens nach dem Evangelium.

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Martin Gertler | 25. Februar 2008, 00:00 Uhr

401 | Bislang dachte ich, dass die Eidechsen in Florida angestammte Tiere seien. Doch beim morgendlichen Kaffee auf der Terrasse meines Hotels in Naples (Florida), in dem ich mich für die Zeit der »Krokus-Ferien« meiner Stenden-Hochschule einquartiert habe, sah die Welt plötzlich etwas anders aus.

Etwas aufgeregt zappelte die kleine Eidechse, fünf Meter von mir entfernt. Offenbar bewegten sie Frühlingsgefühle und es ging nun um eine erfolgreiche Balz.

Und da klappte immer mal wieder ein lichtdurchlässiges orangenes Schild auf bei meiner »Eidechse«, die vermutlich ein Bahama-Anolis war – die inzwischen häufigste Echse in Florida.

Das Klima im südlichen Florida erlaubt es auch tropischen Tieren, es sich hier anzusiedeln. Und so kriechen inzwischen asiatische Tigerpythons durch die Everglades, paddeln afrikanische Nilwarane durch die Pools der Vorstadtbewohner, springen mittelamerikanische Basilisken an den Kanälen herum, dümpeln südamerikanische Kaimane am Miami Airport in den Tümpeln und klettern Geckos aus allen Kontinenten nächtens an den Fassaden auf und ab.

Ganz genau kennt man die Zahl der fest etablierten – d. h. sich über mehrere Generationen fortpflanzenden – eingeschleppten Arten nicht, es sind aber wohl mindestens 45.

Warum eigentlich nicht? Schließlich dürfen auch Menschen aus aller Welt hier leben – und meinerseits gern überall auf unserem runden Erdball!

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Martin Gertler | 6. Januar 2008, 22:31 Uhr

386 | Es war längst notwendig, mal wieder auszusteigen aus dem Tagesbetrieb. Denn im Sommer gab es für mich keine Pause – wegen meines Umzugs nach Friesland!

Nun aber…: Florida! Immer wieder gern.

Miami Beach?

Nein, die Piste der braungebrannten Stars & Sternchen interessiert mich nicht.

Das Öko-System ist viel spannender…

Everglades for ever!!!

Er passte gut auf, dass ich nicht jeden Tag wieder an die Arbeit dachte und ging… :-)

Martin am Strand von Naples, meiner Lieblingsstadt in Florida.

»Unser« Restaurant in Key West – das der beiden Martins.

In der Stille der Natur lauert der Alligator…

…direkt am Wegesrand in den Everglades.

Der supersparsame Toyota Prius war mir ein Experiment im Urlaub wert. Welch ein tolles Auto…! So ruhig, so technisch Spitze, nur 4,5 Liter pro 100 km…

Mein nächstes Auto, das steht schon fest. Auch wenn man dem Japaner erst mal noch einen brauchbareren Sitz einbauen lassen muss…

Und dann hielt mich diese freche Palme auf. Daraus wurde doch noch ein dienstlich relevantes Event…

Davon erzähle ich dann aber besser erst morgen! ;-)

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Martin Gertler | 6. Januar 2007, 09:22 Uhr

045 | Eine Forschungsreise nach Florida ist eine sinnvolle Beschäftigung für die Jahreswechselzeiten. So mancher Verdacht erhärtet sich dabei…

Der Schneemann am Strand von Fort Myers Beach ist natürlich nicht aus Schnee, sondern aus Strandsand.

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