Martin Gertler | 26. Februar 2008, 00:00 Uhr

402 | Schon aus 50 Meilen Entfernung weisen Schilder den Weg zur neuen Stadt des alten Denkens, in der man eines der vielen neuen auf Vorrat gebauten Häuser kaufen kann, um dann unter seinesgleichen zu sein: »Ave Maria«.

Italienischer Baustil, wie man ihn liebt in der Umgebung von Naples/Florida – und das Zentrum bildet eine große Kathedrale.

Doch diese Kirche darf vorerst noch nicht Kirche heißen, sondern nur Oratorium, denn bislang fehlt der römisch-katholische Segen. Und ohne den geht nichts in dieser Stadt, die ein frommer reicher Mann namens Tom Monoghan von den Gewinnen aus seiner Pizza-Kette namens Domino’s Pizza buchstäblich aus dem Nichts stampfen ließ, fernab von jeglicher sündhafter Nachbarschaft. Die Gründung führte gleich zu Beginn zu enormen Spannungen.

Mein Sonntagsausflug galt dieser neuen frommen Uni-Stadt im Osten von Naples – gut eine Stunde Autofahrt pro Strecke muss man schon einkalkulieren, davon die Hälfte über endlos gerade Straßen durch Savannen und riesige landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Eine Universität entsteht in »Ave Maria«, und die Fahnen signalisieren, wer bei ihr entscheidende Rollen spielt und das Denken leitet: die U.S.A., der Bundesstaat Florida (rechts) und der Vatikan (links).

Im Buchladen kann man gegen Cash alle Studienbücher für die ersten Studiengänge erwerben, die bereits begonnen haben. Außerdem gibt es eine Menge Erbauliches, das den Standort des Ganzen durchaus deutlich macht: so wird zum Beispiel ein dickes Buch über »Mother Angelica« angeboten, der Gründerin von EWTN, verfasst und sogar handsigniert vom dankbaren Chefredakteur des amerikanischen Traditionalisten-Senders. Und ein priesterlicher Dozent der AMU hat gleich zwei dicke Bücher auf den Markt gebracht, in denen er bestreitet, dass Homosexualität biologisch bedingt sei, und in denen er von erfolgreichen Umbaumaßnahmen zu berichten weiß… Nun ja: außerhalb von Ehe und Fortflanzung genossene Sexualität ist nach traditioneller kirchlicher Lehre sündhaftes Handeln.

Immerhin steht in der Kathedrale – deren Gewölbe von einem unangenehmen Geflecht aus gebogenen T-Trägern aus Stahl getragen und optisch dominiert wird – der Altar mitten im Chorraum und damit nicht so, dass ein Priester dort mit Rücken zum Volk seine Zelebration vollziehen würde, wie es Traditionalisten noch immer bevorzugen.



Ein Student porträtiert seine Ave Maria University mit lockerer Hand(kamera).

Die ausladende Bibliothek steht bereits, ebenso die »Student Union«. Gleich neben den Unigebäuden und den üblichen Sportanlagen hat sich in neu angelegten Gewässern, gemäß dem »Wetland Restoration Plan« der AMU, bereits die typische Fauna Südfloridas ausgebreitet.

Das Konzept der Universität verspricht breite Studienangebote der »Humanities« und Platz für mehrere tausend Studenten.

Es waren an diesem Sonntag überwiegend Senioren in der kleinen neuen frommen Stadt in Florida zu Besuch. Viele von ihnen hatten diese erschreckenden Aufkleber am Autoheck: »Support Our Troops«.

Die konservative Klientel, die leider immer noch die Christenheit unserer Welt bestimmt und dabei Volksfrömmigkeit und ihre inkonsistente Moral als »Theologie« verkennt, hat sich offenbar weder jemals die Bergpredigt zu Herzen genommen noch die Zehn Gebote. In denen steht nicht zu lesen: »Du sollst leib- und lustfeindlich sein und darfst Dich nur zum Zeugen eines Kindes hingeben!«. Aber in denen steht eindeutig das Gebot: »Du sollst nicht töten!«. Ohne Wenn und Aber, und nicht beschränkt auf das noch ungeborene menschliche Leben.

Ave Maria ist ein interessantes Projekt – aber offenbar leider doch nur eine Domäne der konservativen reichen Bürgerlichkeit und nicht die radikale Keimzelle eines entschieden friedlichen, geschwisterlichen Lebens nach dem Evangelium.

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Martin Gertler | 24. Dezember 2007, 17:00 Uhr

383 | Der Thomanerchor interpretiert das weltweit bekannteste Weihnachtslied auf eine besonders passende Weise: nachdenklich, ruhig.

Am 24. Dezember 1818 führten der Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber und der Hilfspriester Joseph Mohr in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied »Stille Nacht, Heilige Nacht« erstmals auf.

Mohr hatte den Liedtext bereits 1816 in Mariapfarr im Lungau geschrieben. Gruber komponierte dann vor Weihnachten 1818 eine Melodie zu diesem Gedicht.

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Alles schläft; einsam wacht
    Nur das traute hoch heilige Paar.
    Holder Knabe im lockigen Haar,
    Schlaf in himmlischer Ruh!
    Schlaf in himmlischer Ruh!

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Hirten erst kundgemacht
    Durch der Engel Halleluja.
    Tönt es laut von Ferne und Nah:
    Christ, der Retter ist da!
    Christ, der Retter ist da!

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Gottes Sohn! O wie lacht
    Lieb aus deinem göttlichen Mund,
    Da uns schlägt die rettende Stund,
    Christ in deiner Geburt!
    Christ in deiner Geburt!

Alles Große liegt im Kleinen – siehe Titel dieses Blogs.
Allen ein friedvolles Weihnachtsfest!

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357 | Erfolgsautor Stephen Covey hat in den letzten Jahren mit seinen »7 Wegen zur Effektivität« viele Menschen erreicht. Seine Prinzipien für den persönlichen und beruflichen Erfolg gründen in verschiedenen Quellen.

Er ist ein wertekonservativer Mensch und vertritt einen im wahrsten Sinne des Wortes wertvollen Ansatz, dessen Verbindungen zu manchen Strömungen der seit langem bestehenden Religionen sicherlich untersuchenswert wären.

»Leben aufgrund von Prinzipien« hat eine lange Tradition. Als katholisch geprägter Mensch bin ich in einer solchen Tradition aufgewachsen und als ich 1973 Kapuziner wurde, habe ich eine besondere Ausprägung erfahren dürfen: die franziskanische Lebenshaltung – »Jedem ein Bruder sein«.

Sie kennt vielfach Schnittstellen, manche sogar mit Covey, habe ich inzwischen festgestellt.

Aber sie unterscheidet sich in einem wesentlichen Punkt, denn sie ist schlussendlich nicht auf gesellschaftliche Anerkennung und Erfolg und Gewinn aus, sondern bleibt allein auf die je eigene »brüderliche« Lebenshaltung ausgerichtet. Sie verspricht nicht Erfolge, sondern ein – nach entsprechender Reifung – authentisches (oder um es anders zu sagen: ewiges) Leben.

Auf welche Form man sich immer einlassen mag: es geht um den Weg. Buchwissen allein verändert nichts.

Ein Weg ist zudem nicht automatisch eine Erfolgsstory. Die allzeit Strahlenden verkörpern nicht den Weg, der ja stets auch Täler und Sackgassen bereithält, sondern lediglich die Ideen, manchmal auch nur Ideologien.

Wer sich ausrichtet auf eine charaktervolle und authentische Lebensführung, auf Transparenz und Transzendenz, erntet nicht wie von selbst den Beifall der anderen und den Erfolg der Bilanzen. Schon gar nicht lernt man dabei das Managen an sich.

Wohl aber können die Mitmenschen und die Umgebung mit neuen Werten erlebt werden – und dadurch sich besser und erfolgreicher entfalten können.

»Brüderlich leben« als ein Konzept für »Leadership«? Vielleicht ist es mindestens eine entscheidende Voraussetzung dazu – und dies ist an sich schon wertvoll.

Die Gottbezogenheit des franziskanischen Lebens anerkennt grundsätzlich eine Leadership, die größer ist als man selbst – und Ziele, die weiter reichen als man selbst.

»Ich darf in Fülle leben«

Das Einüben von Lebenshaltungen braucht Zeit und natürlich den richtigen Rahmen, um nicht abzuschweifen. Auch das lesen wir seit Jahrhunderten bereits in den Regeln und der Praxis der Orden.



Eindrücke vom franiskanischen Weg der neu beginnenden Kapuziner, der Novizen, vermittelt dieser Film. Und er sagt auch manches über ihre Ziele.

Brüderliches Leben wird erfahrbar als Teilhabe an einer universalen Leadership.

Kapuziner.TV bei YouTube

 

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304 | Unter diesem Motto starteten im Frühjahr 2006 die Kapuziner der Rheinisch-Westfälischen Ordensprovinz eine Video-Reihe, die seither online verfügbar ist. Kurz vor dem Relaunch ihrer Website haben sie ihren Videochannel Kapuziner.TV nun auch bei Youtube.com implementiert.

Vor gut einem Jahr waren dort erste Beiträge platziert worden; sie wurden inzwischen bis zu 1.000 mal abgerufen.

Damit erweist sich diese noch etwas konfuse Plattform als guter Multiplikator, besonders für »Nischenprodukte«.



Kapuziner.TV bei YouTube
School of Graduate Studies bei YouTube

 
 

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Martin Gertler | 30. Mai 2007, 08:50 Uhr

172 | Fürs leibliche und seelische Wohl der »Brüder von der Straße«, die Obdachlosen in Frankfurts Innenstadt, engagieren sich der Kapuziner Br. Wendelin Gerigk und ein Team von Angestellten und Freiwilligen im »Franziskustreff« an der Liebfrauenkirche in Frankfurts Innenstadt.

Der Film aus der Reihe »Jedem ein Bruder sein - Kapuziner« gibt Einblick in die Arbeit des Projekts. Der Beitrag dauert 5 Minuten und 29 Sekunden.


Die komplette Reihe: Kapuziner.TV

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159 | Am Freitag, 18. Mai 2007, eröffnete das neue »Institut für Kirche, Management und Spiritualität« der PTH Münster seinen Betrieb mit einem Festakt im Kapuzinerkloster.

Als Schirmherr des neuen Instituts, das sich der wissenschaftlichen und beruflichen Weiterbildung u. a. mit einem eigenen Masterstudiengang widmet, stellte der frühere Bundesbankpräsident Prof. Dr. Hans Tietmeyer heraus, dass Prozesse der Reorganisation und Führung in der Wirtschaft oft an Sinnmangel leiden, wenn sie lediglich den Sinn darin erkennen lassen, mehr zu erwirtschaften als die Konkurrenz. Hier erwartet er inspirierende Impulse und neue Erkenntnisse für die Teilnehmer der Programme des Instituts.

Tietmeyer hatte in den 50er Jahren während seiner Schulzeit in Münster bereits beim berühmten Kapuzinerpater Eugen Henne Hebräisch gelernt, und dies gemeinsam mit seinem Mitschüler, dem heutigen Weihbischof Friedrich Ostermann. In Frankfurt hatte Tietmeyer erneut Kontakt zu den Kapuzinern gefunden und sich dort jahrelang sehr für die Armenarbeit der Brüder (»Franziskustreff«) engagiert.

In seinem Festvortrag unterstrich Prof. Dr. Walter Krieg, Emeritus der Universität St. Gallen, dass es neben den an seinem schweizerischen Institut gelehrten Prinzipien für Manager vor allem auf die Seele, ja gewissermaßen sogar auf eine eigene Spiritualität ankomme, die den Führenden leitet.

»Inspiriert und inspirierend führen: Management braucht den ganzen Menschen!«, so das Thema seines akademischen Vortrags, in dem er die Methoden beschrieb, die sein Institut anwendet.

Dabei griff er auch Ansätze der Vorredner auf und kritisierte die gängige Managementlehre für ihre starke Fixierung auf eine industrielle Produktionswirtschaft, obgleich die Dienstleistungswirtschaft längst eine dominierende Rolle eingenommen hat. Sein strukturierter Vortrag endete mit dem Appell, die spirituelle Dimension bei der Managementausbildung als entscheidend wahrzunehmen.

Aus Platzgründen konnte der Festakt nicht in der »kleinen, feinen Hochschule von Münster« (so die Prorektorin der Uni Münster, Prof. Dr. M. Ravenstein, in ihrem Grußwort) selbst stattfinden, einer prächtigen Villa am Hohenzollernring (Bild rechts).

Die Kapuziner wiederum genossen es, dieses Fest mitsamt einem schwäbischen Festmahl im Kloster ausrichten zu können, denn auf diese Weise begegneten all die Aktiven des neuen Instituts und die Gäste von vielen Universitäten im In- und Ausland auch einmal dem Träger des Ganzen: der Rheinisch-Westfälischen Kapuziner-Ordensprovinz. In der Nachfolge des Franz von Assisi leben sie als »Minderbrüder« in Einfachheit und Solidarität mit den Armen und der ganzen Schöpfung.

Den Kapuzinerbrüdern, den Mitarbeitern des Instituts und dem Initiator, meinem Freund und Kollegen Prof. P. Dr. Thomas Dienberg OFMCap., Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster (PTH), meinen herzlichen Glückwunsch zum Start und viele gute Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit!

Bericht der Westfälischen Nachrichten

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