Martin Gertler | 15. Oktober 2007, 00:53 Uhr

305 | Letze Rundfahrt! Mein Boot namens Bonsai muss nächste Tage raus, denn wenn das Wasser im Winter zu Eis gefriert… Doch, wird es das noch geben, jenes Eis, das alles Harte brechen könnte, hier bei uns in Zuiderburen, an den Hempenser Wielen und der Staande Mast Route?

Am 14. Oktober war es ein so herrlicher Sonntag – nicht einmal golden konnte man ihn nennen, das war schon Platin oder sogar mehr. Wunderbar!

Auf den Wielen: ruhige Sonntagsfahrer. Ein Skutje mit dem längst üblichen Schlauchboot im Schlepptau kreuzt meinen Weg. Wir winken einander kurz, wie immer von Boot zu Boot, freuen uns über den heiligen Tag, der uns so gottbehütet schippern lässt. Und schon kümmern sich die beiden schnell wieder um ihren Kurs.

Ich besuche Anne und Alfred Keyzer, die so traumhaft an der Route ihr Haus liegen haben, dass ich sie doch ein wenig beneiden darf. Beide sind sie Kollegen an der CHN, wir sprechen Deutsch miteinander.

»Willst du nicht eben anlegen und einen Kaffee mit uns trinken?«, fragt Anne. Nein, herzlichen Dank – gern demnächst zum Aufwärmen, wenn das Wetter unfreundlich ist und der Nieselregen kommt.

Diese CHN beschäftigt wirklich eine Menge sehr angenehmer Menschen – stelle ich sogar an diesem Sonntag fest.

Weiter geht’s zur Insel mit den Florida-Häusern…

Der Rollrasen liegt endlich und die Palmen haben ihren nordischen Standort offenbar ganz gut akzeptiert. Tolle Hütte, das!

Der Nachbar will sein Haus offenbar loswerden, wie ich tags zuvor in den Angeboten der Makler online feststellen konnte.

Das macht man hier so: immer mal wieder verkaufen und neu kaufen. Der Staat hilft dabei kräftig, daher gibt es kaum Mietwohnungen hierzulande: Wenn ich eine Hypothek aufnehmen würde, die eine Rate von 2.400 Euro ergäbe, hätte ich vom königlichen Staat der Niederlande allein durch Steuerminderung einen Zuschuss von 1.000 Euro! So etwas kannte man in der guten alten BRD nur bis irgendwann in den 60er Jahren…

Heute freue ich mich jetzt schon auf meine längst gebuchte Florida-Tour im Dezember. Dort wäre mir die Miete für so ein Bötchen sicher zu teuer; toll, dass Bonsai mir diese bunten Seiten des Lebens hier bereits zeigt!

Allerdings ist meine Mini-Yacht eben doch nur eine Nussschale. Und wenn dann am heiligen Sonntag die unheiligen Männekes-Machos auftauchen und mit ihren Speedbooten auf mich zurasen, dann wird mir eher schlecht…

Steil auf. Männchen machen halt…

Auf der Straße ist so etwas nur unangenehm laut, genau wie das absurde Abschieds-Gehupe eines jeden Besuchers. Man lärmt wohl gern herum, stört sich so gar nicht daran, dass man andere nicht stören sollte. (Sonntagsruhe kennen die überwiegend protestantischen Friesen übrigens nicht – an jedem Sonntag brummen hier gnadenlos die Motormäher über den Rasen, man sägt Gehwegplatten und hämmert Grenzpfähle des Grundstücks in die Erde. Am Sonntag ist es seltsamerweise stets lauter als am Samstag.)

Auf dem Wasser erzeugen solche Kindereien unerwartete und intensive Wellen, die weder der Böschung gut tun noch meinem kleinen Bonsai.

Solche Bilder sind hier leider nicht selten. Den ganzen Sonntag über, bis zur Dunkelheit, röhrten sie durch die Inseln…

Ich lege an und freue mich über das ungemein ruhige Kerlchen gleich hinter dem Bootssteg. Nachbars Katze weiß meine Grasinseln zu schätzen und vermutet dort mit unbeirrbarer Nachhaltigkeit fette Mäuse, verbringt daher dort täglich viele Stunden in Wachsamkeit und Jagdbereitschaft.

Wie schön, dass die friesische Sonne und die wunderbare Luft von manchen doch auch ohne lärmendes Männchenmachen genossen werden können…! Am Abend wurde es dann wieder völlig ruhig auf dieser wunderbaren Insel – auch akustisch jede Menge Raum für die Wasserläufer und die Möwen und die Katzen. Und den leisen Wind. :-)

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Martin Gertler | 16. September 2007, 00:11 Uhr

286 | Seit Donnerstag fährt mein Auto mit den in auch auf deutschen Autobahnen und Campingplätzen bestens bekannten gelben Nummernschildern mit dem weißen »NL« unter dem blauem Europalogo. Und seit dem gestrigen Samstag gibt es zudem wieder ein Fahrrad in meinem Fuhrpark.

Dieses Fahrrad ist das bequemste, das ich je hatte. Es ist ungewöhnlich komplett – gefedert an Gabel und Sattel, mit Trommelbremsen und Nabendynamo und 8-Gang-Nabenschaltung…

Das Tolle: in diesem netten und wirklich freundlichen Land gibt es einen nationalen »Fietsplan«, der jedem die Anschaffung eines neuen Fahrrads (Fiets) steuerlich begünstigt ermöglicht:

Nicht ich, sondern mein Arbeitgeber, die Hochschule CHN, bestellte und bezahlt mein Fahrrad beim Händler, über den Nationalen Fietsplan. Mir wird der Rechnungsbetrag vom Brutto (ja, vom Brutto, nicht vom Netto!) über 24 Monate in gleichen Raten und zinsfrei abgezogen. So verringert sich mein Brutto, so verringert sich meine Lohnsteuer.

Und so habe ich am Samstag daher statt der üblichen Boots- eine Radtour gemacht, quer durch Zuiderburen in Ljouwert.

Kein schöner Land…! :-)

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Martin Gertler | 26. August 2007, 20:37 Uhr

264 | »Kein schöner Land in dieser Zeit…«

Die Reise beginnt – wie immer – mit einer Fahrt durch die Nachbarschaft. So kann Bonsai sich warmlaufen und ich schauen, ob ich die schwimmenden Floßhäuser (links) oder die Inselvillen (rechts) spannender finde.

Der Sonnenstand verrät es: Terrasse und Anleger sind an der Nordseite. Ansonsten doch ein nettes Häuschen, für rund 335.000 Euro…

Nun aber mal raus in die freie Natur. Kurz vor der Einfahrt nach Warga sonnt sich eine Elfe in ihrem Boot. Vermutlich studiert sie gerade ein Buch zum »Leisure Management«. In Friesland wird noch gepaukt, hier gibt es halt noch das echte First Life!

Beim Anlegen in freier Natur stört man schon mal die Ureinwohner bei ihrer Mittagsruhe. Bonsai und ich halten trotzdem hier an, denn drüben gibt es noch ganz anderes Federvieh zu sehen:

Ehepaar Storch macht offenbar einen Sonntagsspaziergang rund um das bäuerliche Anwesen, auf dem es sich für diesen Sommer eingenistet hat.

Bonsai – die kleinste Yacht von Ljouwert – brummelte auf dem Rückweg dann noch so etwas wie: Solche Ausflüge sollten wir öfter mal machen… Na klar!

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Martin Gertler | 5. August 2007, 21:33 Uhr

244 | Köln ist offenbar überall: auch in Leeuwarden nerven Prolls. Ein Neureicher am Ende meiner netten Insel wusste an diesem wunderbaren Sommersonntag mit stundenlangem Gerase mittels »Jetfoil« die Nachbarschaft zu verärgern. Und auch andere rasten mit angehängten Gummibooten und deren Insassen über die Hempenser Wielen. Doch am Sonntag hat die »Politie« offenbar frei – von 13 bis 22 Uhr konnte hier ungehindert gelärmt, gerast und gestresst werden. Dabei dürfen Boote hier nur 6 km/h schnell fahren.

Nun hatte ich seit Samstag netten Besuch aus Berlin, der dann aber abends von Transavia frühestens mit 4 Stunden Verspätung von Schiphol aus zurückgebracht werden könne, nämlich gegen Mitternacht, wie es heute abend hieß.

Wir hatten bereits angesichts der rasenden Spinner weitere Bootsfahrten aufgeben müssen… also war es doch ein seeehr gemischter Sonntag, selbst wenn er beim Abschied von Leeuwarden sagte: »So schön hast du noch nie gewohnt…!«

Währenddessen legte am Abend der Spinner vom Haus am Ende der Insel, der mit dem Jetfoil, noch einige -zig Golfbälle auf und ballerte sie in die Hempenser Wielen, wie schon an den Tagen zuvor…

Öko-Sau!

Grrrr.

Sollen die Inselbewohner nächstens auch ihren Müll einfach ins Wasser ballern?!

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Martin Gertler | 1. August 2007, 19:56 Uhr

239 | Heute lockte – nach wochenlangem April- und Herbstwetter – endlich ein ruhiger warmer Nachmittag. Mein kleines, 4,10 m kurzes Kajütboot Bonsai wollte sich gern mal mit mir in der Nachbarschaft umsehen, also befreite ich es von seiner grauen Persenning und fuhr los…

Die andere Seite meiner Insel Braksân. Dicht an dicht stehen dort 325.000 Euro teure Eigenheime. So etwas kann man, glaube ich, nur als Herdenmensch ertragen.

Die Kinder genießen den breiten Kanal vor den Häusern. Der Spielplatz ist das Wasser.

Gegenüber hat man offenbar auch Kinder. Zudem war deutlich mehr Geld fürs Haus übrig. Keine Architektur der Serie, wenngleich sicher auch von der Stange…

Woran erinnert mich das nur? An meine vielen Reisen nach Fort Myers und Naples und Miami Beach! Das typische Florida-Haus mit den typischen Florida-Palmen steht nun nur noch ein paar Steinwürfe von meinem Haus entfernt. Urlaubsgefühle…

Am Ende der Reihe präsentiert sich stolz eine modernere Architektur, jedoch ebenfalls mit Palmen garniert im noch unfertigen Garten.

Kästen, Türmchen, Schiffchen – nun sind Bonsai und ich fünf Minuten getuckert und dabei zwei Inseln weiter gefahren.

Kurz danach: schwimmende Villen, frisch angeliefert und offenbar noch unbewohnt. Die 3 Häuser rechts schaukeln auf Flößen – eine Art Maxi-Wasserbett also. Ob so etwas den kinderlieben Friesen vielleicht etwas zu gefährlich ist…?

Es geht weiter an Zuiderburen entlang. Urlaubszeit und endlich wieder etwas warm – das lockt die Freizeitkapitäne.

Dem dicken Pott weiche ich respektvoll aus. Ganz in der Nähe hatte ein ähnlich großes Schiff letzte Tage ein komplettes Haus am Wasser aufgespießt.

Dem heimatlichen Hafen entgegegen… Ablegen und Anlegen sind immer noch etwas aufregende Manöver für mich.

Bonsai findet das eher lustig und wird mir, wie immer, natürlich gar nicht dabei helfen.

Ich drehe noch einmal den 4-PS-Viertakter voll auf und lasse Bonsai für einen kurzen Moment sozusagen hochnäsig auftreten.

Das war’s!

Heute nacht darf Bonsai erstmals ohne Bettdecke, sprich Persenning, im Mondlicht schaukeln, in der Hoffnung, dass morgen wieder ein sonniger Tag sein wird…

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Martin Gertler | 9. Juli 2007, 00:20 Uhr

220 | Mein Wassergarten am Sonntagabend…

Ein Skutje geht offenbar auf große Fahrt.

So startet die Nachbarfamilie in den Sommerurlaub. Bonsai schaut ihr neidisch nach.

Die von schräg gegenüber fahren auf die Wielen hinaus: Töchterchen darf das Segeln lernen. (Diese kleinen Boote kippen ständig um; das Mädchen lernte an diesem Abend zunächst nur, wie man das Boot wieder in die Senkrechte bekommt…)

Ratlose Blicke widmen die neuen Nachbarn von geradeaus gegenüber auf ihrem neuen Boot dem Motor. Nachmittags ließen sie es sich an den Anleger schleppen – der Motor mag nicht mehr. (Woher kenne ich diese Geschichte bloß?…)

Nachbars Katze, die mich auf meinem Steg besucht, weiß die Antwort: Das ist hier nun mal so! Schnurrt kurz und zieht weiter.

Photos by my mobile phone

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