Martin Gertler | 30. April 2008, 12:00 Uhr

435 | Typisches Aprilwetter mit kräftigem Wind, Schauern, Sonne - heute ist Feiertag in den Niederlanden!

An den meisten Wohnhäusern auf meiner Insel flattern die rot-weiß-blauen Fahnen, ergänzt um einen orangenen Flor.

Wie nüchtern hingegen der Bundespräsidententag in Deutschland - es gibt ihn erst gar nicht. Schade eigentlich…!

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Martin Gertler | 14. April 2008, 00:00 Uhr

427 | Manchmal, wenn mich der überzogene Bürokratie-Wahn in den Niederlanden wieder tüchtig nervt, komme ich zu dem Schluss, dass die Symptome des Festhaltens an menschenfernen Prozessen statt an gestaltenden Zusammenhängen eher an ein Entwicklungsland erinnern. Doch - weit gefehlt.

Da wäre etwa der »Belastingdienst«, der keineswegs einen möglichst angenehmen Dienst am Bürger versieht, sondern als Steuerbehörde nur noch daneben und hart durchgreift, wenn er etwa nach meinem Auto-Wechsel von Deutschland nach Holland seine Rechnungen an meinen früheren Wohnsitz nach Deutschland schickt (und die deutsche Post schickt natürlich trotz teurem Nachsendeauftrag keine Auslandsbriefe weiter, denn dafür kassierte sie ja nicht das volle Porto), obwohl ich auf der Ummeldung unmissverständlich die Adresse in Leeuwarden angegeben hatte. Na, und dann kamen nach vier vollen Monaten (endlich hatte der »Dienst« meine tatsächliche Adresse in seinen Datenbestand aufgenommen) Mahnungen, so dass ich 28 Euro Mahngebühren zu begleichen hatte - obwohl der Fehler ganz und gar nicht bei mir lag, sondern bei der Behörde.

Diese hatte auch eine 0900-Telefonnummer auf ihren Eintreibe-Schreiben angegeben. Aber als ich dort anrief, meldeten sich nur arrogante Damen eines Callcenters. »Nein, wir können nichts weitergeben, nur Ihnen etwas sagen!« hieß es dann. Sprich: ich habe selbst schriftlich Einspruch zu erheben, aber erst mal die Buße zu zahlen. Die Buße für die Schlamperei der Behörde…

»Entwicklungsland!«, habe ich dann gerufen. Wie kann so etwas in Europa noch möglich sein? Auf jedem Brief eines deutschen Finanzamts steht immer der Name des Sachbearbeiters samt seiner telefonischen Direktdurchwahl, und wenn etwas klemmte in den letzten Jahren, na dann rief ich halt direkt bei ihm an, und binnen zwei Minuten war alles geregelt.

Und wenn etwa zwischen Umsatz- und Einkommens- und Kraftfahrzeugsteuer etwas auszugleichen war, dann geschah das auch, ganz simpel.

Aber in den Niederlanden darf der Bürger seinen Finanzamtsbeamten nicht direkt anrufen. Ein Callcenter dient nur zum Abwiegeln, dort tippt man zwar genau die Beschwerden der Anrufer in den Computer, gibt sie aber nicht weiter an die Finanzleute selbst. Vermutlich geschieht das nur, damit Finance & Control die passenden Zahlentabellen über Anrufer und Arbeitsstunden vorgelegt werden können, auch wenn diese Arbeitsstunden völlig nutzlos sind für die Anrufer. Absurdistan!

»Entwicklungsland«, rief ich noch am Donnerstagabend. Verzeiht mir, Kollegen!

Seit meiner Rückkehr von einer intensiven zweitägigen Konferenz mit den Kollegen auf Vlieland weiß ich, dass dieser Ruf »Entwicklungsland« nicht zutreffen kann, denn als ich mein Haus betrat und in den Garten schaute, sah ich, dass mein geschätzter Ausblick auf die »Staande Mastroute« - wo ständig große Schiffe und Segelyachten fahren - ruckzuck vom neuen Nachbarn zugebaut worden war, mit einem Gartenhaus für seine beiden Hunde. Und auf den Platten daneben sollen sie noch ihren Auslauf bekommen, mitsamt hohem Zaun.

In einem echten Entwicklungsland wäre das nicht passiert, denn dort achtet man noch die Belange seiner Nachbarn, man ist halt auf einander angewiesen. Im reichen Holland, wie natürlich auch in Deutschland, ist das kaum noch der Fall.

Eine Ellenbogengesellschaft erinnert nicht wirklich an ein Entwicklungsland, sondern steht für verwöhnte, entfremdete Umgebungen… Materialismus, selbstreferentiell orientiert.

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Martin Gertler | 3. April 2008, 00:00 Uhr

422 | Das niederländische Fachhochschulwesen mag noch einiges an Akademisierung vertragen, um sich im europäischen Wettbewerb auch als angewandte Wissenschaften an die Spitze setzen zu können. Was es aber in besonderem Maße auszeichnet, ist die konsequente Verbindung zu den Arbeitsfeldern der künftigen Absolventen.

Die Leiter der Kommissionen der Berufsfelder, für die die Stenden Hogeschool, University of Applied Sciences, ausbildet, sprachen miteinander über ihre Erwartungen an die Strategien und den Kurs der Hochschule.

Diese Kommissionen bilden Beiräte für die jeweiligen Studiengänge.

Auch das Qualitätsmanagement der Hochschule wurde einbezogen: darin sollen die Berufsfelder künftig ihre Erwartungen und Anforderungen einbringen können.

Nicht nur im Plenum, sondern auch in Einzelgesprächen gab es Anstöße zum Curriculum, den erwarteten Kompetenten, zu Visitationen, Akkreditierung, Inhalten, Modulen, Praktika usw.

Eine wertvolle Einrichtung, die typisch ist für die niederländische Fachhochschulwelt: hier wird wirklich berufsorientiert - »employable« - ausgebildet.

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407 | Unser Studiengang »Media & Entertainment Management« hatte vor kurzem wieder einmal einen Gast zu Besuch, der unseren Studenten Einsicht in aktuelle Entwicklungen der Medienbranche gab.

Für die stark praxisorientierten Studiengänge der niederländischen Fachhochschulen ist der Besuch eines promovierten Professors mit wissenschaftlicher Reputation aus dem Ausland keine Alltäglichkeit. Daher war der Hörsaal 248 an diesem Tag besonders gut besucht.

Prof. Dr. Mike Friedrichsen von der HdM Stuttgart gab eine Einführung in das wichtige Thema des Mehrwerts der geschäftlichen Kommunikation.

Business communication stellt immerhin einen großen Anteil des Umsatzes der Medienbranche dar. Und die anspruchsvolle Weise, wie Mike mit der Frage nach der Messbarkeit der Effektivität von betrieblicher Kommunikation umging, führte zu manchen anschließenden Überlegungen im kleineren Kreis hinsichtlich der Ausgestaltung eines geplanten Masterstudiengangs.

Ideenaustausch nach der Gastvorlesung von Mike (von links nach rechts): Prof. Dr. Jim Slevin (Stenden University Leeuwarden / Universiteit van Amsterdam / University Roskilde), Prof. Dr. Mike Friedrichsen (Stuttgart Media University), Patrick Bemelmans LL.M (Dean Media & Entertainment Management, Stenden University Leeuwarden), Prof. Dr. Martin Gertler (Director of Academic Affairs, Stenden University Leeuwarden / Rheinische Fachhochschule Köln)

Brückenschlag zwischen Uni und FH: Prof. Dr. Mike Friedrichsen und Patrick Bemelmans.

Danke, Mike, für Deinen Besuch bei uns, und danke, Patrick, für die gute Implementierung der Gastvorlesung in Dein aufstrebendes Bachelorprogramm!

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377 | Twee zeer inspirerende dagen beleefden de deelnemers van het 2-daagse congres op 18 en 19 december in de Jaarbeurs Utrecht. Er waren ook stellingen die voor op lange termijn verder bedacht en uitgewerkt zouden moeten worden.

Op de eerste dag stond de vraag naar de HBO-masters in Nederland centraal. Accreditatie van een HBO-master is niet even makkelijk, internationale joint masters sowieso niet, en de typering van een »HBO-master« heeft dan ook nogal wat vragen opgeroepen.

Want de Dublin descriptors, die na invoering van de Bachelor-Master-structuur in heel Europa inmiddels gebruikelijk zijn voor het typiseren van de opleidingen in het Hoger Onderwijs, zij kennen geen onderscheid tussen »HBO« en »WO«, tussen beroepsgerichte hogeschool en onderzoeksgerichte universiteit dus.

Institutionele onderscheiding slechts landelijk

Inderdaad is dit onderscheid – gehandhaaft en aan te geven bij een accreditatie door de NVAO – mijn inziens onjuist, want vele universitaire opleidingen mogen en moeten zelfs helemaal beroepsgericht en toegepast aan de slag gaan – en omgekeerd doet een hogere beroepsopleiding aan een hogeschool zonder een orientatie aan wetenschappelijke modellen en theorieën en zonder opleidingsdoelen naar abstractievermogen tekort aan een plaatsing binnen het internationale besef van »Universities«.

Er waren ook sprekers van universiteiten op de agenda. Op de tweede dag hoorden wij van prof. dr. van Aken, hoogleraar organisatiekunde aan de TU Eindhoven, dat er geen verschil zou bestaan tussen onderzoeksmethoden aan universiteiten en hogescholen.

Onderzoek gebruikt de zelfde methodieken

Sommige lectoren reageerden verbaasd erover – wat mij wederom verbaasd want uiteraard bestaan er geen »bijzondere« methoden aan hogescholen. De aard van omgaan met de methoden zal nogal best kunnen verschillen, maar er zijn zeker geen HBO-specifieke methodes en men moet er ook niet naar streven om ze te verzinnen.

Het wereldbeeld van de collega professor ingenieur, waarna er onderscheiden zou moeten worden tussen »verklarende wetenschappen« en »ontwerpwetenschappen«, was nogal bijzonder. De eersten zouden volgens hem de wereld an sich moeten en kunnen beschrijven… Nou, dat is in het tijdperk van het constructivisme (die altijd de waarnemer van realiteit als constructeur van een werkelijksheidsbesef meeneemt omdat hij zijn beperkte en gerichte visie heeft) zeker een leuke idee van toen.

Een heel interessante opzet presenteerde Cor Nieuwenhuijse, die een stel studenten meenam op het podium en bij wijze van spreken interdisciplinair studeren in projecten tussen WO, HBO en MBO schetsde.

Studenten uit verschillende systemen werken samen

Zijn onderwijselementen zijn helemaal uitgaande van vraagstukken uit het werkveld en op die manier kunnen – net als in een bedrijf ook – »specialisten« (studenten) uit verschillende onderwijssystemen met elkaar werken.

Zijn model is wel eens de moeite waard om ook voor onze hogeschool in Leeuwarden mogelijkheden van diens aard te overwegen.

Aan de andere kant zou ik wel niet de hele bachelorstudies op die manier gestalte willen geven, namelijk dat het concrete werkveld waar studenten mee kunnen draaien de inhouden en de gang van zaken bepaald. Dat zou aan een konsekwente opleiding naar meer abstraktievermogen en het toepassen en toetsen van »theoretische« modellen op de praktijk vrijwel niet meer voldoen.

Als vertegenwoordiger van de werkgevers waardeerde Rudi Nieuwenhoven, directeur Sociale Zaken bij de VNO-NCW, de rol van de hogescholen en lectoren.

»HBO doet zijn best voor het werkveld«

Hij bleek een voorstander van het HBO-systeem te zijn en onderstreep met wat praktische verwijzen hoe werkveldgericht er onderzoek gedaan word en dus de kennisproduktie, volgens hem anders dan bij Universiteiten, rechtstreeks in de economie terecht komt.

Dit riep nogal scherpe kritiek op van prof. dr. van Hout van de Universiteit van Amsterdam (rechts in het beeld) – niet vanwegen het lof van de vertegenwoordiger van de werkgevers voor het HBO, maar omdat zijns inziens het binaire stelsel in Nederland van HBO en WO gauw overwonnen zou moeten worden.

In de pauzen had ik gelegenheid om met lectoren en ook met hem eens goed te discusseren.

»Het binaire stelsel moet weg«

»Er is toch feitelijk geen onderscheid in onderzoek, en die instutionele onderscheidingen zijn juist door de lectoraten achterhaald,«, aldus de hooggeleerde collega van Hout.

Hij bleek een enorme waardering voor het HBO te hebben, maar in de zin van naast elkaar te staan, niet boven en onder elkaar. »Dit onderscheid moet verdwijnen in ons land, dat is elders al lang gebeurd.«

Lectoren en promotie-trajecten

Even wat voorzichtiger wil hij de hogescholen en de lectoren betreffend hun inzet voor promovendi aan de slag zien.

Zij moeten zeker niet eisen dat lectoren hoe-dan-ook als co-promotor mee mogen en dan ook nog geld willen vragen van de universiteiten. »Als promotor ben ik enkele jaren met een promovendus bezig en het zijn onnoemlijk veel uren, dus de publieke gelden daarvoor dekken nauwelijks wat wij als professoren per promovendus investeren«, aldus prof. van Hout (»Ik ben trouwens gepromoveerd op het promoveren.«).

Hij pleitte ook voor het vasthouden aan de academische vrijheid. Lectoren hebben docenten aan hun hogescholen in hun kenniskring, daarin gaan zij een bepaalde weg, en daarin zijn de lectoren de baas – in zo’n situatie moet men een onderzoekstraject naar een doctorate zeker niet ook nog aan het zelfde bestek plakken.

»Begin maar met masteropleidingen«

En verder stelt hij dat de hogescholen zich eerst even zouden moeten richten op het academiseren van hun docenten die nog niet op master-niveau zijn – en niet deze stap moeten overslaan door zich vooral op eigen promovendi te richten, zoals met name Fontys en Inholland dit doen. »Leg maar eerst eens de basis!«, riep hij de lectoren en managers van de hogescholen toe.

Gewoon geïmplementeerd

De aanwezige lectoren bleken nogal goed binnen hun hogescholen hun plaats gezocht en gevonden te hebben. Vele van hun sturen bachelor-opleidingen aan en alle zeiden dat zij uiteraard ook in het reguliere onderwijs lessen geven – zeker op hun eigen manier en vanuit hun eigen professies.

Sommige lectoraten werken separaat, maar in ieder geval met een gewaarborgde kennisoverdracht naar de studenten toe; andere volgen het idee van een »New Faculty« waarin zich opleidingen, lectoraten en leerbedrijven verzamelen.

Deze 2-daagse heeft heel wat interessante onderwerpen opgeroepen en ook in nieuwe perspektieven geplaatst. Wij zullen er iets van maken!

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Martin Gertler | 6. Dezember 2007, 00:00 Uhr

359 | Das Gemeinnützige Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh CHE hat sein ExcellenceRanking nun europaweit durchgeführt. Demnach gehört die Universität Utrecht zu den besten Unis in Europa, noch vor Oxford und gemeinsam mit Cambridge, der ETH Zürich und dem Imperial College London. Die Universitäten von Amsterdam, Groningen und Leiden sind im Mittelfeld der dreistufigen Skala zu finden.

In einer Vorauswahl anhand von vier Indikatoren (Zahl der Publikationen, Zitationen im Verhältnis zum Weltstandard, Anzahl der meistzitierten Forscher und Beteiligungen am Marie-Curie-Programm der Europäischen Union) wurden rund 500 Fachbereiche an europaweit etwa 250 Hochschulen in 20 Ländern identifiziert, die zumindest bei einem der Kriterien mit herausragenden Leistungen aufwarten konnten und dafür eine »Bronze-«, »Silber-« oder »Goldmedaille« erhielten. Die Fakultäten, die drei Silbermedaillen oder besser erringen konnten, gehören der Excellence-Gruppe an. Sie wurden hinsichtlich der Lern- und Arbeitsbedingungen ihrer Master- und Promotionsstudierenden tiefer gehend analysiert.

Während pro Fach etwa 120 Hochschulen mindestens eine Silber-Medaille vorweisen können und somit zur Top-Gruppe gehören, konnten sich daraus jeweils nur etwa 25 für die Excellence-Gruppe qualifizieren. Nur wenige Hochschulen belegen in allen vier Fächern Spitzenpositionen: Die ETH Zürich, die Universität Utrecht, das Imperial College London und die Universität Cambridge. In Deutschland sind folgende 13 Hochschulen in mindestens einem Fach in der Excellence-Gruppe vertreten: TU München, RWTH Aachen, LMU München, TU Berlin, TH Karlsruhe sowie die Universitäten Bonn, Heidelberg, Mainz, Tübingen, Bielefeld, Erlangen-Nürnberg, Stuttgart und Würzburg. Die TU München konnte gemeinsam mit den Universitäten in Leiden, Kopenhagen und Oxford in drei von vier Fächern glänzen.

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