Martin Gertler | 4. November 2007, 10:00 Uhr

320 | Wer derzeit die Website des Kommerzradios radio538.nl aufruft, erfährt, dass man dort gerade »onderzoek« organisiert, um die Website verbessern und ein klareres Bild der Nutzer zu erhalten. Nicht nur die Hochschulwelt hierzulande, sondern ganz Nederland ist damit beschäftigt, dem faszinierenden Begriff »onderzoek« zu erliegen. Welche Bedeutungen hat dieses Wort aber eigentlich?

Schaue ich bei der hervorragenden Website uitmuntend.de, dann ist diese Liste nur ein Teil der gezeigten Übersetzungsergebnisse:

het onderzoek                                               die Ermittlungen [p] [juristisch]
het onderzoek / ond.      die Untersuchung
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Studie | die Studien [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Prüfung | die Prüfungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Recherche | die Recherchen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      das Ermittlungsverfahren | die Ermittlungsverfahren [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Forschung | die Forschungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Erforschung | die Erforschungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Untersuchung | die Untersuchungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Nachforschung | Nachforschungen [p]
het echo-onderzoek | de echo-onderzoeken [p]      die Sonographie | die Sonographien [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Forschungsstudie | die Forschungsstudien [p]
het DNA-onderzoek | de DNA-onderzoeken [p]      die DNS-Untersuchung | die DNS-Untersuchungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Forschungsarbeit | die Forschungsarbeiten [p]
het actie-onderzoek | de acties-onderzoek [p]      die Aktionsforschung | die Aktionsforschungen [p]
het onderzoek | de onderzoeken [p]      die Vororgeuntersuchung | die Vororgeuntersuchungen [p]
het echo-onderzoek | de echo-onderzoeken [p]      die Ultraschall-Untersuchung / die Ultraschalluntersuchung | die Ultraschall-Untersuchungen [p] / die Ultraschalluntersuchungen [p]

onderzoek ist nicht gleich onderzoek

Wie unterscheidet sich onderzoek in einem Bachelorstudiengang von onderzoek in einem Masterprojekt oder gar von onderzoek als Wort für das Vorhaben eines Forschers, der an seiner akademischen Dissertation arbeitet, um nach mehreren Jahren promoviert werden zu können?

Das frisch renovierte Auditorium der CHN in Leeuwarden – so modern und multimedial es inzwischen erscheint, es ist und bleibt ein Ort der Differenzierung, des Zuhörens und des Dialogs.

In einem Bachelorstudium an einer berufspraktisch ausgerichteten Hochschule erfahren die Studierenden einiges über Forschung, indem sie sich mit Modellen und Abstraktionen beschäftigen, die selbst auf Forschung zurückgehen. Außerdem gehen sie erste Schritte, um zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn man wissenschaftliche Methoden anwendet. Aufgrund der Breite des Studiums wird aber in der Regel nicht wissenschaftlich und mehrstufig gearbeitet, außer bei Minors bzw. einem darauf ausgerichteten Honours-Zusatzprogramm. Diplom-/Bachelorarbeiten unterliegen meist nicht der Erwartung, sie seien wissenschaftlich fundiert, sondern sind eher eine Art Felderkundung von Anwendungsproblemen / -themen und wissenschaftlichen Antworten / Lösungsmöglichkeiten.

Masterstudenten an einer berufspraktisch ausgerichteten Hochschule setzen gezielt wissenschaftliche Methoden ein, um zu eigenen Ergebnissen in einem Untersuchungsgebiet zu gelangen, das stets konkret anwendungsbezogen ist. Dabei erheben sie in der Regel selbst Daten durch Umfragen oder Messungen und gelangen von dort aus zu ihren praxisorientierten Ergebnissen. Es ist für Fachhochschulen nicht leicht, Masterstudiengänge akkreditiert zu bekommen, denn mit dem Master sind ihre Absolventen gemäß Bologna (in Deutschland – nicht aber in allen EU-Ländern!) den Masterabsolventen von Universitäten gleichgestellt und können anschließend promovieren. Da aber nur mit einem Masterangebot die Hochschulen die Ziele von Bologna erfüllen, kann ihnen die Einrichtung von Masterangeboten nicht grundsätzlich untersagt werden.

Wissenschaftliche Masterprogramme orientieren sich stärker auf vergleichende und vertiefende Studien zu Modellen und Theorien, beschäftigen sich dabei besonders mit der Methodenfindung, prüfen Vorgehensweisen auf ihre Tauglichkeit für Anwendungsfälle etc., hingegen weniger mit den konkreten Anwendungsfällen selbst. Sie dienen der Theoriebildung und Theorieprüfung, bereiten für die weitere Forschung (Promotion) vor.

Eine Doktorarbeit ist eine wissenschaftliche Untersuchung, sie ist in der Regel anwendungsbezogen, aber dabei von wissenschaftlicher Strenge in der Vorgehensweise und nicht auf schnelle Ergebnisse, sondern auf Genauigkeit und Mehrstufigkeit sowie Interdisziplinarität orientiert, zudem mit dem Anspruch versehen, einen erkennbaren Erkenntniszuwachs zu generieren, der nicht mit jenen »positiven Ergebnissen« verwechselt werden darf, auf die sich kommerzielle Untersuchungen oftmals konzentrieren müssen. Je nach Universität müssen zur Promotion entweder zusätzliche Seminare absolviert werden, um das Rigorosum zu bestehen, oder aber die Arbeit und die Vorgehensweise in der Defensio oder Disputatio öffentlich verteidigt werden.

In den Niederlanden besteht ein tieferer Graben zwischen den Systemen Universität und Fachhochschule (WO = Uni, HBO = FH) als in Deutschland. Nur die Bachelor- und Masterabschlüsse der Universitäten werden in den Niederlanden mit dem Zusatz »of Arts« / »of Science« versehen – das deutsche Hochschulrecht lässt darin beiden Systemen gleichermaßen freie Wahl der Benennung (es gibt keine zwei Klassen von Masterabschlüssen in Deutschland; die Zusätze werden eher als Zeichen für einen konsekutiven Master benutzt, im Unterschied zu nicht konsekutiven Weiterbildungs-Mastern). Auch wird den FH-Masterabsolventen an den Universitäten in den Niederlanden – anders als in Deutschland – der direkte Weg zur Promotion verwehrt. Die Technische Universität Delft macht mit diesem Schaubild klar, dass der Weg zur Promotion zum Dr. / Ph.D dort nur über einen Uni-Master (WO-Master) führt und dass ein FH-Master (HBO-Master) nicht den Weg dafür ebnet. Mein Tipp für FH-Studenten: Mastergrad der CHN erlangen – danach promovieren in Deutschland…!

Die einen und die anderen

Anwendungsbezogene und wissenschaftliche Untersuchungen – »onderzoek« – ergänzen und bedürfen also einander. Die Anwender werden dringend gebraucht, um Lösungen für die Fragen und Probleme der Praxis in Wirtschaft und Verwaltung zu finden; die Wissenschaftler müssen dafür sorgen, dass die Anwender mit immer besseren, immer schärferen Instrumenten arbeiten können.

»Onderzoek« leistet sicher auch der Zahnarzt, wenn er uns nach zwei, drei genauen Blicken und einer Vermessung von Zahn und Zahnfleisch einen Lösungsvorschlag unterbreitet. Oder die Werbeagentur, die Ausschau hält nach besseren Erfolgskriterien. Oder die Marketingabteilung, die nach Produkten und Strategien der Konkurrenten Ausschau hält. All das ist dann aber die nicht wissenschaftliche Weise von »onderzoek«.

Nicht jede »Dissertation« ist eine solche

Wie schwierig ist es doch, »onderzoek« / »Untersuchung« richtig einzuordnen! Selbst bei den Abschlussarbeiten von Studiengängen kommen zunehmend sprachliche Unschärfen auf. In England und leider auch an manchen Hochschulen der Niederlande schreiben Doktoranden, Bachelor- und Masterstudenten inzwischen gleichermaßen eine »dissertation«, obgleich dieses Wort laut LEO nur für wirklich wissenschaftliche Arbeiten gilt.

In Deutschland hat man sich gottlob auf »Doktorarbeit«, »Diplomarbeit«, »Bachelorthesis« und »Masterthesis« festgelegt, also eine Zusammensetzung aus der Abschlussklasse (Bachelor oder Master) und dem Begriff »Arbeit« / »thesis«, der für Abschlussarbeit steht.

Die »Dissertation« steht im Wissenschaftsland Deutschland eindeutig nur für die Doktorarbeit. Aus dem angelsächsischen Raum kommen derweil die Verwischungen in die Sprache und damit auch in das Denken hinein.

Eindeutigkeit bevorzugen, Trennschärfe kultivieren!

Wie kann zukünftig noch unterschieden werden zwischen den Nuancen der Begriffe, wenn die derzeit Heranwachsenden durch extensiven Medienkonsum weniger in der feinen Unterscheidung der Geister als in der Nützlichkeit der Angebote trainiert werden?



Dieser Film »Did you know?« macht zunächst etwas ratlos bei der Suche nach einer brauchbaren Antwort. Junge Menschen sind offenbar international zunehmend trainiert auf schnelle, gebrauchsfertige Medienimpulse. Ihr 1.000-$-Computer kann angeblich bald mehr leisten als ihr Gehirn.

Sie werden übrigens, wie manche Kulturkritiker sagen, bewusst zu Medien-Konsumenten erzogen, um sie unkritischer zu machen, um sie besser beherrschen zu können.

Angesichts der massiven Zunahme an Komplexität erliegen sie, trainiert durch kurze schnelle Botschaften via Mail und SMS, womöglich einem prinzipiell untauglichen Gegenkurs und suchen nach Simplifizierung. Die immer komplexere Welt wird dadurch schließlich nicht wirklich einfacher. Sie erscheint allenfalls einfacher.

Schon gar nicht glaubhaft sind Behauptungen der Bewunderer der medienbedingten Veränderungen, dass sich derzeit »der Wortschatz erweitert«, und das auch noch exponentiell. Seit Jahren beobachte ich stattdessen eine dramatische Verkümmerung des Wortschatzes junger Leute. Dass sich durch ihre ständig neuen Wortschöpfungen, meist Anglizismen, der so genannte allgemeine Wortschatz erweitert, mag statistisch registrierbar sein, aber das kommt ja gerade nicht dem Individuum zugute, das sich auf ständig neue Modewörter einlassen zu müssen glaubt und dabei bisherige Begriffe verloren gehen lässt.

Wie also wollen wir solche jungen Leute auf Aufgaben vorbereiten, die man heute noch gar nicht kennen kann, die aber in Windeseile auf sie zukommen – wenn nicht durch konsequente Gründlichkeit, Wissenschaftlichkeit, Abstraktion? Nicht weniger Konkretisieren, sondern mehr Abstrahieren…! Dafür werden unsere Studenten auch künftig – und zwar zunehmend – lesen, nachdenken und differenzieren müssen. Und sie brauchen dazu umso mehr akademische, promovierte Dozenten. »Did you know?«

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236 | Trotz der Sommerferien erreichen mich erste Mails mit Fragen. Was hat sich geändert? Warum lebst Du nun in Holland? Was willst Du dort an der CHN? Warum das internationale Netzwerk?

Ich versuche, eine einigermaßen kurze Version dieser langen Geschichte zu formulieren…

Aufbruch – von Fachhochschule zur »New University«

An der CHN, University of Professional Education, NL - Leeuwarden, kümmere ich mich ab dem Wintersemester dieses Jahres nun hauptberuflich um den Ausbau der FH zur Uni.

Diesen Weg ging übrigens Großbritannien bereits im Jahr 1992, als dort alle FHs – »Polytechnics« – zu »New Universities« wurden. Je nach Aufgaben und Qualifikation der Lehrenden und Forschenden kam dann auch das Promotionsrecht auf die Fachbereiche zu.

Die Ausweitung einer Fachhochschule zur Hochschule mit universitärem Forschungs- und Promotionsrecht ist somit keine verrückte Idee, sondern kennt Vorbilder. Ein jüngstes Beispiel ist etwa die Entwicklung der Steinbeis-Hochschule (Berlin), die als FH startete und inzwischen in einigen ihrer Institute Promotionsrecht hat.

Es geht also – und auch wir werden unseren Weg gehen.

Wir sind dazu bereits aufgebrochen.

Wer aufbricht, bricht seine alten Strukturen auf, um ein Mehr, um Neues und Besseres zu schaffen…

»Academic Affairs«

Zu meinem Tagesgeschäft gehören

  1. die akademische Leitung des neuen wissenschaftlich orientierten Zusatzprogramms der Bachelor-Studiengänge namens »Honours«,
  2. die Leitung der »School of Graduate Studies« mit ihren bislang vier international renommierten Masterstudiengängen,
  3. der weitere Ausbau des Master-Angebots,
  4. die Koordination der inzwischen acht CHN-Lehrstühle samt ihren Forschungsgruppen (»Lectoraten«),
  5. der Aufbau und die Einführung von Promotionsstudiengängen, mit denen wir ab 2008 starten wollen.

Gern werde ich künftig auch an dieser Stelle über Details und Fortschritte in den genannten Bereichen berichten.

»Academic Transfer«

Dazu passend habe ich mir weitere akademische Tätigkeitsfelder abgesteckt, die meiner Kernaufgabe, die CHN zur »Universiteit Friesland« weiterzuentwickeln, auf verschiedene Weise zugute kommen:

  1. An der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH), University of Applied Sciences, arbeite ich mit reduziertem Umfang weiter als Professor für Medientheorie und -produktion, in der Lehre und der Betreuung von Diplomanden und Bachelor-Kandidaten. Kommunikations- und Medientheorie bilden meinen Schwerpunkt im kommenden Wintersemester; nachfolgend werde ich mich auf die Begleitung der Produktion von audio-visuellen Studienprojekten konzentrieren. In diesen Bereichen ist es für mich wie auch meinen Nachfolger in der Leitung des Studiengangs, Stefan Ludwigs, ein besonderes Anliegen, die Brücken zu den Wissenschaften im allgemeinen und besonders zur Kommunikationswissenschaft in dem naturgemäß stark angewandt orientierten Studiengang »Mediendesign« zu erhalten und zu stärken. Je mehr die Studenten imstande sind, Abstraktionen aus der Wissenschaft in ihren Konzeptionen zu nutzen, umso mehr beweisen sie sich als das, was sie werden wollen: »Architekten der medialen Kommunikation«.

      Transferleistung zur CHN: Verzahnung der Praxisorientierung mit einer grundlegend orientierten Wissenschaft und Entwicklung von Möglichkeiten zur Verbindung zwischen angewandter und grundlegender Forschung im konkreten Studienfeld.
  2. Ein didaktisches Versuchsfeld bietet mir die kleine, völlig unabhängig agierende Rushmore University: Anhand ihrer Online-Variante der alten Oxford Tutorial Method kann ich mein Spektrum an Lehrmethoden erweitern, einigen internationalen Medienstudenten, die distance learning eigenständig arbeiten müssen, auf ihrem Weg beistehen und mit einer rein online angelegten Lehre eigene Erfahrungen sammeln. Mich interessiert dabei vor allem, wie das, was wir als ein Ziel des Bologna-Prozesses erkennen – die Orientierung auf ein nachweisbares »learning outcome« – mit dieser Methode erreicht werden kann. (Aufgrund ihrer Didaktik könnte diese kleine unabhängige Uni, die einige Neider fälschlicherweise als »diploma mill« verunglimpfen, nicht eine übliche – auf Standards wie fest angestelltes Personal und Lehrräume und Bibliotheken orientierte – Akkreditierung erlangen. Dennoch und vielleicht sogar gerade deswegen ist ihr viel Eigenständigkeit und Energie forderndes Studienangebot der Mühe wert; das dachte man sich auch bei der Unesco und lässt daher derzeit einige Mitarbeiter probeweise studieren, zur Vorbereitung einer institutionellen Akkreditierung.)
      Transferleistung zur CHN: Ermittlung des Lernfaktors bei einem zu 100 % online verlaufenden Studienangebot, um daraus Schlüsse für eine »distance learning«-Methodik im Hinblick auf die weitere Internationalisierung der CHN ziehen zu können.
  3. In meiner Heimatstadt Münster bleibe ich zudem der PTH University for Philosophy and Theology verbunden und engagiere mich dort für die Perspektivenerweiterung in den Bereichen der Liturgiewissenschaft und der Empirischen Theologie, mit Bezügen zur klassischen Kommunikationswissenschaft.
      Transferleistung zur CHN: Systematisierung einer klassischen interdiszipinären Vorgehensweise für forschungsrelevante Felder.

Blick nach vorn

Anders sind für mich selbst, gegenüber bisher, die Internationalität und die Diversifizierung, die meine Aufgaben und die Rolle als Professor deutlich verändern. Ich bin herausgefordert, neue Kooperations- und Studienformen zu entwickeln, um das Haus CHN zu einem Ort sowohl der praxisbezogenen als auch der wissenschaftsorientierten Forschung und Lehre zu erweitern und zu stärken.

All das gilt es durch eine ständige kontrollierte Grenzüberschreitung zu realisieren, die hoffentlich einen Beitrag dazu leisten wird, dass eines Tages in den Niederlanden und europaweit ein offeneres Hochschulsystem wächst, das sich nicht mehr auf drei Säulen (Uni, Kunst- und Fachhochschule) beschränken muss, sondern eine größere Vielfalt an Möglichkeiten kennt und den konkreten Angebote der jeweiligen Einrichtungen durch eine neue, transparente Klassifizierung Rechnung trägt.

Die Grundlagen dazu hatte der Verbindungsmann der niederländischen Hochschulen zur EU in Brüssel, Frans van Vught, bereits skizziert; in Leeuwarden wollen wir zu ihrer Umsetzung gern beitragen.

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166 | Es gibt einen neuen Ansatz, bei dem die Studierenden nicht länger unnötigen Ballast büffeln müssen, sondern ihre Energie und Zeit in Fächer und Themen investieren können, die ihnen tatsächlich bisher fehlten und die sie wirklich brauchen.

Die Besonderheiten der »Rushmore University« sind bemerkenswert. Dr. Michael Cox hatte sie 1996 gegründet. Dieses Vorhaben steht nun vor einer entscheidenden Weiterentwicklung.

Die ungewöhnliche Universität wendet bereits seit zehn Jahren ihre eigene Version der berühmten »Oxford Tutorial Method« an: dort trifft man wöchentlich seinen Tutor, der jedesmal schriftlich die Basis für die Diskussion der nächsten Woche definiert. Die Tutoren verfügen über besondere bibliographische Leistungen; von den Studenten wird erwartet, dass sie jeweils einen Aufsatz schreiben, in dem sie ihr Verständnis der zu behandelnden Themen nachweisen und eine praxisorientierte Kritik der Themen zu Papier bringen.

Die Professoren von »Rushmore« arbeiten ähnlich. Sie stellen aktuell orientierte Aufgaben und begleiten online und ganz individuell die Studenten bis zur Fertigstellung ihrer schriftlichen Ausarbeitung, um danach eine gründliche Prüfung und Bewertung vornehmen zu können.

Nicht nur die Betreuung, sondern auch das Curriculum selbst verläuft weitgehend individualisiert. Nach einigen Grundmodulen werden speziell auf die Weiterbildungsbedürfnisse des einzelnen Studenten ausgerichtete Studienarbeiten auferlegt, geprüft und evaluiert. Das komplette Studium erfolgt online, also über Mailkontakte und Datei-Austausch. Jeder Student muss über all die Jahre seines Studiums ein Online-Tagebuch führen, das sowohl für die Professoren als auch öffentlich einsehbar ist.

Die »Rushmore University« bereitet jetzt überraschend ihre behördliche Anerkennung vor. Damit verlässt die Universität den bisherigen Status der gewollten absoluten Unabhängigkeit, um auf diese Weise ihren Absolventen eine breitere Akzeptanz ihrer Abschlüsse und Titel zu sichern.

»Wir werden aber keinesfalls unsere individuell ausgerichtete Didaktik aufgeben, das haben wir im Vorfeld bereits sicherstellen können«, versicherte der Dean of Graduate Studies, Prof. Alan Guinn, auf Nachfrage.

Werden virtuelle Umgebungen, gar »Räume« zum Einsatz kommen, wie Second Life? Dazu Prof. Guinn: «Künftig werden Spielumgebungen solcher Art, zumindest für eine bestimmte Klientel, vielleicht sogar für ein effektives Lernen notwendig sein. Wir müssen uns möglicherweise darauf einstellen.«

Gute Aussichten auf offizielle Zulassung

Die erwartete internationale Anerkennung bedeutet eine gute Nachricht für alle, die im deutschsprachigen Raum bereits einen Abschluss dieser ungewöhnlichen Universität erlangten, ihn aber bislang nicht führen konnten. Denn Rushmore arbeitet ausschließlich via Distance Learning, über Internet, mit den Studierenden und konnte aufgrund dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise keine Akkreditierung und staatliche Zulassung erlangen, denn diese fußen bislang stets auf der Begutachtung von Ressourcen (Räumen, fest angestelltem Personal, Bibliothek). Die womöglich kostbarere Rundum-Verfügbarkeit von Bibliotheken und Professorensprechzeiten via Internet ist in solchen Pflichtenheften nicht vorgesehen.

Die in Bälde zu erwartende international gültige Anerkennung wird dieses Problem lösen und der ständig ungeprüft nachgeplapperte Vorwurf, es handele sich bei der Rushmore Universität um eine »diploma mill«, wird damit vom Tisch sein.

In Zukunft wird es im Rheinland möglicherweise auch eine Kontaktstelle für Interessierte und Studenten speziell aus den deutschsprachigen Ländern geben.

PLUS: Das einzigartige Studienkonzept mit individuell zugeschnittenen Studienverläufen kann dazu dienen, ein Maximum an Lernerfolg zu erreichen.

MINUS: Derzeit sind die Abschlüsse von Rushmore noch nicht in allen Ländern Europas führbar. (Die angestrebte Anerkennung wird dieses Manko aber beseitigen.)

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155 | Prof. Dr. Ronald Plasterk ist Wissenschaftsminister der Niederlande, und das erst seit knapp 100 Tagen. Am heutigen 14. Mai machte er seinen Antrittsbesuch bei der CHN in Leeuwarden. Mehrere hundert Mitarbeiter und Studenten nutzten die Gelegenheit zu einer überraschend offenen Diskussion mit dem Wissenschaftler, der nun als Politiker für vier Jahre die Entwicklungen der Hochschulen des Landes steuern wird.

Zunächst begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Hochschule, Robert Veenstra (Bild links), den Gast aus Den Haag und die vielen Teilnehmer der Veranstaltung im großen Auditorium.

Mit einer sehr verbindlichen und motivierenden Ansprache würdigte er die Bedeutung des ministeriellen Besuchs und hielt dem Gast vor Augen, wie sich die CHN mit ihren mehr als 7.000 Studenten und 600 Mitarbeitern für eine ständige Optimierung der Lehre und des Outcome bei den Studierenden engagiert.

Auch konnte er einen neuen Forschungslehrstuhl – Lectoraat – für die CHN ankündigen, den die Fryske Akademy einrichten wird. Prof. Dr. Reinier Salverda, Leiter dieser Forschungseinrichtung aus Leeuwarden, die an verschiedenen Universitäten Professuren unterhält und Mitglied der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften ist, wird dazu in den nächsten Monaten gemeinsam mit mir den Aufgaben- und Forschungsplan für dieses Lectoraat entwickeln.

Bürgermeister Dr. Geert Dales (Bild rechts) pries mit launigen Worten den Hochschulstandort Leeuwarden. Immerhin sind hier an den 3 Fachhochschulen insgesamt ca. 20.000 Studenten eingeschrieben. Seine Ansprache wurde immer wieder von Applaus unterbrochen – ich konnte ihr leider nicht richtig folgen, denn Dr. Dales sprach natürlich auf Friesisch. Au weia! Nicht nur mein Englisch braucht Nachhilfe, nun werde ich auch noch Friesisch lernen müssen…

Auch Minister Plasterk hielt dann eine Ansprache auf Friesisch – und als ich nach zehn Minuten bereits sehr viel verstand, wusste ich: auch diese Sprache ist zu schaffen! Eigens für diese Begegnung hatte er die Sprache lernen müssen. Die örtliche Zeitung berichtet voller Hochachtung darüber (»Plasterk: ›Dat aksint nimme jim my grif net kwea ôf‹«), und auch die Leserkommentare würdigen das Engagement des Ministers.

Unter Ausschluss der Journalisten stellte sich Minister Plasterk (im Bild rechts) dann der Diskussion mit den Studenten und Dozenten der CHN, die ihn immer wieder festnagelten mit der Forderung, sich zu den Ambitionen der Fachhochschule CHN, eine wissenschaftliche Universität ins Leben zu rufen, zu positionieren.

Plasterk tat dies auf eine konstruktive Weise, indem er deutlich machte, dass Universitäten heutzutage nicht regional begründeten Bedürfnissen folgend entstehen sollten, weil Wissenschaft längst – und eben viel mehr noch als die Arbeit der berufsfeldorientierten Fachhochschulen – auf Internationalität angewiesen ist. Relevante Forschung ist internationale Forschung – daher gilt: Universitäten müssen international sein.

Mehrfach legten die Anwesenden nach. So bemängelte eine Studentin des begehrten Bachelorprogramms »Media & Entertainment Management«, dass es für diesen Studiengang und seine beiden Parallelangebote in den Niederlanden nicht einmal einen Master gebe, geschweige denn eine Möglichkeit, sich auf diesem Gebiet wissenschaftlich forschend in Form einer Dissertation zu qualifizieren. »Warum, Herr Minister, müssen wir denn dafür alle ins Ausland gehen?!?«

Auch ein Dozent des Bachelorstudiengangs »Hospitality Management« – die CHN unterhält die größte Hotelfachhochschule Europas mit mehr als 2.000 Studierenden und eigenem Lehrbetrieb, dem Hotel Wyswert **** – kritisierte, dass es bislang zwar neben dem Bachelorprogramm ein Masterstudium, aber eben keine Top-Qualifizierungsmöglichkeit durch ein Promotionsstudium an der CHN geben könne. »Wir müssen sehr bald auch eine wissenschaftliche Universität werden, das geht gar nicht mehr anders«, so der Tenor der Statements zum dominierenden Thema der Diskussion mit dem Minister.

Prof. Dr. Plasterk registrierte, das war an seinen Augen abzulesen, sehr genau die Ambitionen, die von Seiten der CHN-Studenten und -Dozenten auf ihn einstürmten.

Ich bin mir sicher, dass er diesen eindeutigen und vielfachen Ruf nicht überhört hat: Es wird höchste Zeit für eine international ausgerichtete und agierende Universität, die in Friesland die vorhandenen Schwerpunkte hochschulischer Lehre auf Universitätsniveau akademisch erweitert, ergänzt und vertieft.

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Martin Gertler | 25. April 2007, 00:01 Uhr

135 | Der Videobericht über meine Promotion an der Universität Nijmegen führte zu Fragen nach der Publikation der Dissertation.

Das Buch »Unterwegs zu einer Fernsehgemeinde – Erfahrung von Kirche durch Gottesdienstübertragungen« ist in zwei Auflagen erschienen, aber inzwischen vergriffen.

Der Verlag, das Katholische Institut für Medieninformation (KIM), Köln, hat sein Programm vor einigen Jahren aufgegeben.

Nach Klick auf das Bild könnten aber noch Restanten erhältlich sein.

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131 | De disputatio ofwel defensio van mijn proefschrift aan de Universiteit Nijmegen zal ik nooit vergeten. Het was de laatste stap na 12 jaar onderzoek en – zo is het gebruikelijk in Nederland – hij is pas na het verschijnen van hét boek mogelijk: na de publikatie van het proefschrift.

Onderzoek doen, wetenschappelijke methodes gebruiken, tot gefundeerde conclusies kunnen komen (ook al had je zelf heel iets anders verwacht): een promotie-traject gehaald te hebben, dat zou volgens mij wel een van de diepst rakende belevenissen in een leven zijn.

Voor mij was het ook daarom bijzonder omdat ik het naast mijn werk als baas van mijn eigen mediabedrijf moest en mocht tot stand brengen. En niet te vergeten de verwachtingen in Nijmegen: naast een op zich volledig theologisch boek moest en mocht ik een sociaalwetenschappelijk onderzoek realiseren, dus twee onder een kap brengen.

Het doktoraat is de hoogste academische graad, dat geldt door heel de wereld. Deze academische top te bereiken is voor vele geambitioneerde mensen een belangrijk doel – en het is voor mij een eer dat ik nu als kwartiermaker van Universiteit Friesland aan de CHN deze weg voor hopelijk heel veel mensen mag openen.

Drie kwartier duurt de film over mijn promotie – heb je de tijd, kun je er in delen. En misschien vraag je jezelf dan wel even: zou dat niet toch ook een echte stap in mijn leven kunnen zijn…?!…

Graag tot ziens aan de Universiteit Friesland, die ik juist daarvoor wil gaan oprichten! :-)

En wij zullen het zeker op zo’n mooie manier doen als ik het toen in Nijmegen mocht beleven.

Met dank aan Lothar en Andreas die deze film hebben mogelijk gemaakt.

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