236 | Trotz der Sommerferien erreichen mich erste Mails mit Fragen. Was hat sich geändert? Warum lebst Du nun in Holland? Was willst Du dort an der CHN? Warum das internationale Netzwerk?

Ich versuche, eine einigermaßen kurze Version dieser langen Geschichte zu formulieren…

Aufbruch – von Fachhochschule zur »New University«

An der CHN, University of Professional Education, NL - Leeuwarden, kümmere ich mich ab dem Wintersemester dieses Jahres nun hauptberuflich um den Ausbau der FH zur Uni.

Diesen Weg ging übrigens Großbritannien bereits im Jahr 1992, als dort alle FHs – »Polytechnics« – zu »New Universities« wurden. Je nach Aufgaben und Qualifikation der Lehrenden und Forschenden kam dann auch das Promotionsrecht auf die Fachbereiche zu.

Die Ausweitung einer Fachhochschule zur Hochschule mit universitärem Forschungs- und Promotionsrecht ist somit keine verrückte Idee, sondern kennt Vorbilder. Ein jüngstes Beispiel ist etwa die Entwicklung der Steinbeis-Hochschule (Berlin), die als FH startete und inzwischen in einigen ihrer Institute Promotionsrecht hat.

Es geht also – und auch wir werden unseren Weg gehen.

Wir sind dazu bereits aufgebrochen.

Wer aufbricht, bricht seine alten Strukturen auf, um ein Mehr, um Neues und Besseres zu schaffen…

»Academic Affairs«

Zu meinem Tagesgeschäft gehören

  1. die akademische Leitung des neuen wissenschaftlich orientierten Zusatzprogramms der Bachelor-Studiengänge namens »Honours«,
  2. die Leitung der »School of Graduate Studies« mit ihren bislang vier international renommierten Masterstudiengängen,
  3. der weitere Ausbau des Master-Angebots,
  4. die Koordination der inzwischen acht CHN-Lehrstühle samt ihren Forschungsgruppen (»Lectoraten«),
  5. der Aufbau und die Einführung von Promotionsstudiengängen, mit denen wir ab 2008 starten wollen.

Gern werde ich künftig auch an dieser Stelle über Details und Fortschritte in den genannten Bereichen berichten.

»Academic Transfer«

Dazu passend habe ich mir weitere akademische Tätigkeitsfelder abgesteckt, die meiner Kernaufgabe, die CHN zur »Universiteit Friesland« weiterzuentwickeln, auf verschiedene Weise zugute kommen:

  1. An der Rheinischen Fachhochschule Köln (RFH), University of Applied Sciences, arbeite ich mit reduziertem Umfang weiter als Professor für Medientheorie und -produktion, in der Lehre und der Betreuung von Diplomanden und Bachelor-Kandidaten. Kommunikations- und Medientheorie bilden meinen Schwerpunkt im kommenden Wintersemester; nachfolgend werde ich mich auf die Begleitung der Produktion von audio-visuellen Studienprojekten konzentrieren. In diesen Bereichen ist es für mich wie auch meinen Nachfolger in der Leitung des Studiengangs, Stefan Ludwigs, ein besonderes Anliegen, die Brücken zu den Wissenschaften im allgemeinen und besonders zur Kommunikationswissenschaft in dem naturgemäß stark angewandt orientierten Studiengang »Mediendesign« zu erhalten und zu stärken. Je mehr die Studenten imstande sind, Abstraktionen aus der Wissenschaft in ihren Konzeptionen zu nutzen, umso mehr beweisen sie sich als das, was sie werden wollen: »Architekten der medialen Kommunikation«.

      Transferleistung zur CHN: Verzahnung der Praxisorientierung mit einer grundlegend orientierten Wissenschaft und Entwicklung von Möglichkeiten zur Verbindung zwischen angewandter und grundlegender Forschung im konkreten Studienfeld.
  2. Ein didaktisches Versuchsfeld bietet mir die kleine, völlig unabhängig agierende Rushmore University: Anhand ihrer Online-Variante der alten Oxford Tutorial Method kann ich mein Spektrum an Lehrmethoden erweitern, einigen internationalen Medienstudenten, die distance learning eigenständig arbeiten müssen, auf ihrem Weg beistehen und mit einer rein online angelegten Lehre eigene Erfahrungen sammeln. Mich interessiert dabei vor allem, wie das, was wir als ein Ziel des Bologna-Prozesses erkennen – die Orientierung auf ein nachweisbares »learning outcome« – mit dieser Methode erreicht werden kann. (Aufgrund ihrer Didaktik könnte diese kleine unabhängige Uni, die einige Neider fälschlicherweise als »diploma mill« verunglimpfen, nicht eine übliche – auf Standards wie fest angestelltes Personal und Lehrräume und Bibliotheken orientierte – Akkreditierung erlangen. Dennoch und vielleicht sogar gerade deswegen ist ihr viel Eigenständigkeit und Energie forderndes Studienangebot der Mühe wert; das dachte man sich auch bei der Unesco und lässt daher derzeit einige Mitarbeiter probeweise studieren, zur Vorbereitung einer institutionellen Akkreditierung.)
      Transferleistung zur CHN: Ermittlung des Lernfaktors bei einem zu 100 % online verlaufenden Studienangebot, um daraus Schlüsse für eine »distance learning«-Methodik im Hinblick auf die weitere Internationalisierung der CHN ziehen zu können.
  3. In meiner Heimatstadt Münster bleibe ich zudem der PTH University for Philosophy and Theology verbunden und engagiere mich dort für die Perspektivenerweiterung in den Bereichen der Liturgiewissenschaft und der Empirischen Theologie, mit Bezügen zur klassischen Kommunikationswissenschaft.
      Transferleistung zur CHN: Systematisierung einer klassischen interdiszipinären Vorgehensweise für forschungsrelevante Felder.

Blick nach vorn

Anders sind für mich selbst, gegenüber bisher, die Internationalität und die Diversifizierung, die meine Aufgaben und die Rolle als Professor deutlich verändern. Ich bin herausgefordert, neue Kooperations- und Studienformen zu entwickeln, um das Haus CHN zu einem Ort sowohl der praxisbezogenen als auch der wissenschaftsorientierten Forschung und Lehre zu erweitern und zu stärken.

All das gilt es durch eine ständige kontrollierte Grenzüberschreitung zu realisieren, die hoffentlich einen Beitrag dazu leisten wird, dass eines Tages in den Niederlanden und europaweit ein offeneres Hochschulsystem wächst, das sich nicht mehr auf drei Säulen (Uni, Kunst- und Fachhochschule) beschränken muss, sondern eine größere Vielfalt an Möglichkeiten kennt und den konkreten Angebote der jeweiligen Einrichtungen durch eine neue, transparente Klassifizierung Rechnung trägt.

Die Grundlagen dazu hatte der Verbindungsmann der niederländischen Hochschulen zur EU in Brüssel, Frans van Vught, bereits skizziert; in Leeuwarden wollen wir zu ihrer Umsetzung gern beitragen.

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166 | Es gibt einen neuen Ansatz, bei dem die Studierenden nicht länger unnötigen Ballast büffeln müssen, sondern ihre Energie und Zeit in Fächer und Themen investieren können, die ihnen tatsächlich bisher fehlten und die sie wirklich brauchen.

Die Besonderheiten der »Rushmore University« sind bemerkenswert. Dr. Michael Cox hatte sie 1996 gegründet. Dieses Vorhaben steht nun vor einer entscheidenden Weiterentwicklung.

Die ungewöhnliche Universität wendet bereits seit zehn Jahren ihre eigene Version der berühmten »Oxford Tutorial Method« an: dort trifft man wöchentlich seinen Tutor, der jedesmal schriftlich die Basis für die Diskussion der nächsten Woche definiert. Die Tutoren verfügen über besondere bibliographische Leistungen; von den Studenten wird erwartet, dass sie jeweils einen Aufsatz schreiben, in dem sie ihr Verständnis der zu behandelnden Themen nachweisen und eine praxisorientierte Kritik der Themen zu Papier bringen.

Die Professoren von »Rushmore« arbeiten ähnlich. Sie stellen aktuell orientierte Aufgaben und begleiten online und ganz individuell die Studenten bis zur Fertigstellung ihrer schriftlichen Ausarbeitung, um danach eine gründliche Prüfung und Bewertung vornehmen zu können.

Nicht nur die Betreuung, sondern auch das Curriculum selbst verläuft weitgehend individualisiert. Nach einigen Grundmodulen werden speziell auf die Weiterbildungsbedürfnisse des einzelnen Studenten ausgerichtete Studienarbeiten auferlegt, geprüft und evaluiert. Das komplette Studium erfolgt online, also über Mailkontakte und Datei-Austausch. Jeder Student muss über all die Jahre seines Studiums ein Online-Tagebuch führen, das sowohl für die Professoren als auch öffentlich einsehbar ist.

Die »Rushmore University« bereitet jetzt überraschend ihre behördliche Anerkennung vor. Damit verlässt die Universität den bisherigen Status der gewollten absoluten Unabhängigkeit, um auf diese Weise ihren Absolventen eine breitere Akzeptanz ihrer Abschlüsse und Titel zu sichern.

»Wir werden aber keinesfalls unsere individuell ausgerichtete Didaktik aufgeben, das haben wir im Vorfeld bereits sicherstellen können«, versicherte der Dean of Graduate Studies, Prof. Alan Guinn, auf Nachfrage.

Werden virtuelle Umgebungen, gar »Räume« zum Einsatz kommen, wie Second Life? Dazu Prof. Guinn: «Künftig werden Spielumgebungen solcher Art, zumindest für eine bestimmte Klientel, vielleicht sogar für ein effektives Lernen notwendig sein. Wir müssen uns möglicherweise darauf einstellen.«

Gute Aussichten auf offizielle Zulassung

Die erwartete internationale Anerkennung bedeutet eine gute Nachricht für alle, die im deutschsprachigen Raum bereits einen Abschluss dieser ungewöhnlichen Universität erlangten, ihn aber bislang nicht führen konnten. Denn Rushmore arbeitet ausschließlich via Distance Learning, über Internet, mit den Studierenden und konnte aufgrund dieser ungewöhnlichen Vorgehensweise keine Akkreditierung und staatliche Zulassung erlangen, denn diese fußen bislang stets auf der Begutachtung von Ressourcen (Räumen, fest angestelltem Personal, Bibliothek). Die womöglich kostbarere Rundum-Verfügbarkeit von Bibliotheken und Professorensprechzeiten via Internet ist in solchen Pflichtenheften nicht vorgesehen.

Die in Bälde zu erwartende international gültige Anerkennung wird dieses Problem lösen und der ständig ungeprüft nachgeplapperte Vorwurf, es handele sich bei der Rushmore Universität um eine »diploma mill«, wird damit vom Tisch sein.

In Zukunft wird es im Rheinland möglicherweise auch eine Kontaktstelle für Interessierte und Studenten speziell aus den deutschsprachigen Ländern geben.

PLUS: Das einzigartige Studienkonzept mit individuell zugeschnittenen Studienverläufen kann dazu dienen, ein Maximum an Lernerfolg zu erreichen.

MINUS: Derzeit sind die Abschlüsse von Rushmore noch nicht in allen Ländern Europas führbar. (Die angestrebte Anerkennung wird dieses Manko aber beseitigen.)

Mehr Infos

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Martin Gertler | 24. November 2006, 20:20 Uhr

002 | He started his own university just 10 years ago: Dr. Michael Cox. Now he died on november 13th, 2006.

In 1996, Mike challenged the educational establishment, whereat he belonged to until that time and I’m belonging to right now, by creating totally flexible, no-nonsense, real-world, online MBA, MPM, MLA, Ph.D., DBA and other Doctoral and Master’s degree programs that offer academic freedom: the power to totally control how, where, when and what someone will learn.

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