Martin Gertler | 10. Februar 2008, 00:00 Uhr

397 | »Deutsche Post macht virtuellen Laden in Second Life zu« meldet gulli.com. Wie traurig doch… wem kommen da nun die Tränen?

Die Meldung vom 9.2.2008 im Ganzen:

Am kommenden Mittwoch wird die Deutsche Post ihren virtuellen Auftritt in Spiel ‘Second Life’ beenden. Dies wird die ‘Welt am Sonntag’ in ihrer kommenden Ausgabe bekannt geben. Als Begründung gab man die mangelnde Nutzung des posteigenen Serviceangebots an. Das Spiel werde nicht von der breiten Bevölkerung genutzt, die Bedienung sei oftmals zu kompliziert und die technischen Anforderungen an die Computer zu hoch.

Die Deutsche Post hatte ihr Angebot erst im Mai letzten Jahres gestartet. Zu einem Zeitpunkt, als dort noch Euphorie herrschte, konnte man auf “Post Island” Postkarten aus der virtuellen in die reale Welt schicken. Mittlerweile stellt sich vielen Unternehmen die Frage nach dem realen Nutzen. Mehrere andere deutsche Unternehmen waren in der Vergangenheit schon abgesprungen, so auch der Sportartikelhersteller Adidas im Sommer 2007. Um Second Life als Werbeplattform zu etablieren, ist die Zahl der aktiven Nutzer nach Meinung vieler Experten schlichtweg zu gering. Zwar gab es im Dezember in Deutschland 665.000 registrierte Nutzer, davon hat aber nur ein Bruchteil (42.000 Personen) ihre Avatare mehr als eine Stunde im Monat benutzt.

Andere Unternehmer stöhnen über verbrecherische Teilnehmer, die sich in Produktpiraterie üben. Deren Produkte werden nachgeahmt und im eigenen Online-Store zum halben Preis angeboten. Aufgrund der ungeklärten Rechtslage und dem Fehlen jeglicher Polizei oder Ordnungskräften werden dem Handeln der virtuellen Produktpiraten keine Grenzen gesetzt. Der Hype um Second Life scheint indes stark gebremst zu sein, das beweisen auch die stagnierenden und teilweise rückläufigen Nutzerzahlen. Auch im virtuellen Leben wachsen die Bäume eben nicht bis in den Himmel.

Und ich möchte ergänzend kommentieren:

Wer ein virtuelles Sandkastenspiel mit der Welt des Alltags gleichsetzt und auch für seinen Sandkasten die gleichen »Erfolge«, das Wachstum und die selbe Ordnung wie in seiner (inter)nationalen Wirtschaft sehen will, der unterscheidet offenbar nicht zwischen dem Ernst des Lebens und dem Spiel der Computerkids.

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Martin Gertler | 29. November 2007, 00:00 Uhr

353 | Allen Warnungen zum Trotz haben manche Hochschulen – siehe dazu die Serie in diesem Blog – die virtuelle Online-Spielplattform »Second Life« ohne Skrupel für eigene Zwecke benutzt. Ein niederländisches Forschungsprojekt zeigt nun, dass rund zehn Prozent der Nutzer inzwischen süchtig nach der Scheinwelt geworden sind.

Mindestens zwanzig Stunden pro Woche »Second Life«, Unruhe, Frustration und Irritationen ohne Interaktion mit dem Online-Sandkastenspiel – so die Kriterien der Untersuchung.

Doch noch viel mehr Befragte bezeichnen sich bereits selbst als »verslavt«, wie das holländische Wort so schön sagt, also als abhängig: ein Drittel!

Die Virtualität des Spiels wird für immer mehr Nutzer zur Realität. Kamen die Nutzer zunächst besonders aus den Bereichen IT-, Kreativ- und Kommunikationsberufen, steigt nun die Zahl derer, die in den Berufsgruppen der Pädagogen, Therapeuten und Ökonomen zu finden sind.

Immer weniger Pioniere und zudem eher weniger Gebildete sind es, die sich von dem Spiel noch fesseln lassen.

Derweil startete das niederländische Innenministerium eine Umfrage zu virtuellen Welten:

Können virtuelle Welten der Kommunikation dienen? Sind sie genügend sicher für Kinder? Können sie staatliche Aufgaben übernehmen?

Die Frage nach dem Suchtfaktor stellt jene staatliche Aktion allerdings offensichtlich nicht.

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Martin Gertler | 27. Oktober 2007, 00:02 Uhr

312 | Der Dienst »doit-online.com« vermeldet die erheiternde bzw. erschreckende Nachricht, dass die so genannte »Hochschule der Medien«, eine staatliche und daher allein von Steuergeldern finanzierte FH in Stuttgart, nunmehr im offensichtlich noch immer nicht nicht gänzlich ausgestorbenen Online-Sandkasten Second Life einen Abenteuerspielplatz, einen Urwald eingerichtet habe.

Die Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) eröffnet ihre Repräsentanz in Second Life. Doch statt Gebäuden mit Hörsälen, Seminarräumen und Übungslaboren präsentiert die HdM in der virtuellen Welt einen Urwald.

Nicht nur exotische Pflanzen und Tiere verleihen der Hochschule den Charme einer Spielweise. (Das sollte sicherlich »Spielwiese« heißen?!?) Im Dschungel tauchen vor allem mediale Elemente wie Projektionsflächen, Laptops oder Fernseher auf. Hier finden Besucher Informationen und Weblinks zu den Studiengängen und Veranstaltungen der HdM. HoRadS, das Hochschulradio Stuttgart, hat mit der “Hördose” ein virtuelles Studio erhalten und sendet dort 24 Stunden am Tag.

Das Bauland wurde der Hochschule der Medien kostenlos von der MFG Baden-Württemberg für die Realisierung des Hochschulauftritts zur Verfügung gestellt. Besucher finden die HdM in Second Life auf dem Gelände der MFG Baden-Württemberg, Insel II, Suchbegriff “Baden-Wuerttemberg2″ oder direkt über die SLURL zum Eingangsbereich.

Muskelmännchen passt da sicher hinein in diese wilde »Welt«, kann aber keine Hochschule entdecken, sondern nur Schrott, etwa eine Flugzeugruine oder so etwas ähnliches. Gäbe es ihn wirklich und nicht nur als Kunstfigur, würde er motzen: »Das stinkt aber nach Müll und Leichen hier!«

Und die im normalen Leben, im First Life, abrufbare Website der Medienhochschule verspricht den Überlebenden dieses Kinderspiels auch noch einen Drink an der Bar.

Huhuuu… Gruselig das!

Ach, Ihr lieben Schwaben von der HdM. Habt Ihr denn gar nix Besseres mehr zu tun mit den reichlichen Steuergeldern, die Euch nähren?!?


Zuvor besucht:

  • Universities. Im Online-Sandkasten haben sie mit ursprünglichen Hochschulen meist nichts mehr gemein. Es geht ums Spielen und um Geld.
  • RFH Köln. Da bekanntlich die im Glaspalast präsentierte Bildungseinrichtung im Ersten Leben keine Erste-Hilfe-Kurse anbietet, kein Kindergarten ist, keine Waffen ausstellt und auch nicht mit schwarz-rot-goldenen Fahnen schwenkt, bleibt unverständlich, warum hier ihr Logo prangt.
  • Hochschulen in den Niederlanden. In dieser Spielsoftware prunken sie mit monumentalen und nicht einladenden Phantasiegebilden. Es gibt keinen Grund, sie anzusteuern.
  • FH Darmstadt. Wer sie im Zweiten Leben antreffen will, landet bloß auf einer kleinen Insel und steht da rum wie ein begossener Pudel. Recht geschehen!
  • FHM Bielefeld. Sie tritt in Second Life mit einer modernen Villa in einem karibischen Urlaubsambiente auf. Ihr Auftritt wirkt schick, nicht verwirrt. Es geht dabei offensichtlich um ein virtuelles Begegnungs- und Beratungszentrum.

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Martin Gertler | 1. August 2007, 00:02 Uhr

238 | Einer der wenigen Nutzer jenes weit verbreiteten Betriebssystems namens »Windows«, die ich noch kenne, sandte mir diesen Screenshot. Oha! Da machste was mit…

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228 | Warum jetzt erst? Das fragt sich der erstaunte Beobachter des Endes jenes seltsamen Hype um das Online-Spiel Second Life. Reihenweise, meldet die Presse weltweit, beenden Firmen ihre Aktivitäten im virtuellen Sandkastenspiel, in dem sich offenbar immer weniger Nutzer noch tummeln mögen. Resignation macht sich breit, liest man.

Wie die »Los Angeles Times« (Samstagsausgabe) berichtet, findet sich kein einziger Eintrag auf dem Event-Planer bei Sun Microsystems, die Grasflächen auf Dell Island sind verlassen.

Keine Verkäufer oder Kunden finden sich mehr auf dem Geek Squad Island, das der Unterhaltungselektronikmarkt Best Buy errichtet hat. Auch American Apparel, ein Textileinzelhändler aus Los Angeles, hat seinen Shop geschlossen.

InfoWeek: Firmen schliessen Second-Life-Filialen
Der Standard: Firmensterben in Second Life
de.internet.com: Firmen schließen ihre virtuellen Niederlassungen in Second Life – Wenig aktive Avatare
The Inquirer: Luft raus? Exodus aus Second Life
Electronic Commerce Info Center: Firmen verlassen Second Life wieder

Also, Mediendesigner und Medienwirte: vergesst solche Flausen. Sie werden immer wieder kommen und gehen. Fürs künftige Berufsleben sind sie unnütz und verschleudern Energie und Zeit.

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Martin Gertler | 28. Juni 2007, 18:02 Uhr

208 | Eindringliche Fragen an die Lehrer unserer Schulen und Hochschulen stellt diese T4-Präsentation.

Download!
Also availabe by jsdt4 at TeacherTube.com.

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