Martin Gertler | 11. Mai 2008, 00:00 Uhr

439 | Pfingsten ist das Fest der Kommunikationswissenschaftler. Wie können Menschen einander überhaupt verstehen…? Das ist nicht nur eine Frage der Sprache, sondern auch der Offenheit, der Begabung, des Geistes.

Veni, Creator Spiritus

Rabanus Maurus soll diesen Hymnus im 9. Jahrhundert geschrieben haben.

Veni, Creator Spiritus,
mentes tuorum visita,
imple superna gratia,
quae tu creasti, pectora.

Qui diceris Paraclitus,
altissimi donum Dei,
fons vivus, ignis, caritas
et spiritalis unctio.

Tu, septiformis munere,
dig[i]tus paternae dexterae,
Tu rite promissum Patris,
sermone ditans guttura.

Accende lumen sensibus;
infund[e] amorem cordibus;
infirma nostri corporis
virtute firmans perpeti.

Hostem repellas longius,
pacemque dones protinus:
ductore sic te praevio
vitemus omne noxium.

Per Te sciamus da Patrem,
noscamus atque Filium;
Tequ[e] utriusque Spiritum
credamus omni tempore.

Deo Patri sit gloria
et Filio, qu[i] a mortuis
surrexit, ac Paraclito
in saeculorum saecula.

Veni, Sancte Spiritus

Veni, Sancte Spiritus,
Et emitte caelitus
Lucis tuae radium.

Veni, pater pauperum,
Veni, dator munerum,
Veni, lumen cordium.

Consolator optime,
Dulcis hospes animae,
Dulce refrigerium.

In labore requies,
In aestu temperies,
In fletu solacium.

O lux beatissima,
Reple cordis intima
Tuorum fidelium.

Sine tuo numine
Nihil est in homine,
Nihil est innoxium.

Lava quod est sordidum,
Riga quod est aridum,
Sana quod est saucium.

Flecte quod est rigidum,
Fove quod est frigidum,
Rege quod est devium.

Da tuis fidelibus
In te confidentibus
Sacrum septenarium.

Da virtutis meritum,
Da salutis exitum,
Da perenne gaudium.

Amen. (Alleluja.)

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Martin Gertler | 26. Februar 2008, 00:00 Uhr

402 | Schon aus 50 Meilen Entfernung weisen Schilder den Weg zur neuen Stadt des alten Denkens, in der man eines der vielen neuen auf Vorrat gebauten Häuser kaufen kann, um dann unter seinesgleichen zu sein: »Ave Maria«.

Italienischer Baustil, wie man ihn liebt in der Umgebung von Naples/Florida – und das Zentrum bildet eine große Kathedrale.

Doch diese Kirche darf vorerst noch nicht Kirche heißen, sondern nur Oratorium, denn bislang fehlt der römisch-katholische Segen. Und ohne den geht nichts in dieser Stadt, die ein frommer reicher Mann namens Tom Monoghan von den Gewinnen aus seiner Pizza-Kette namens Domino’s Pizza buchstäblich aus dem Nichts stampfen ließ, fernab von jeglicher sündhafter Nachbarschaft. Die Gründung führte gleich zu Beginn zu enormen Spannungen.

Mein Sonntagsausflug galt dieser neuen frommen Uni-Stadt im Osten von Naples – gut eine Stunde Autofahrt pro Strecke muss man schon einkalkulieren, davon die Hälfte über endlos gerade Straßen durch Savannen und riesige landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Eine Universität entsteht in »Ave Maria«, und die Fahnen signalisieren, wer bei ihr entscheidende Rollen spielt und das Denken leitet: die U.S.A., der Bundesstaat Florida (rechts) und der Vatikan (links).

Im Buchladen kann man gegen Cash alle Studienbücher für die ersten Studiengänge erwerben, die bereits begonnen haben. Außerdem gibt es eine Menge Erbauliches, das den Standort des Ganzen durchaus deutlich macht: so wird zum Beispiel ein dickes Buch über »Mother Angelica« angeboten, der Gründerin von EWTN, verfasst und sogar handsigniert vom dankbaren Chefredakteur des amerikanischen Traditionalisten-Senders. Und ein priesterlicher Dozent der AMU hat gleich zwei dicke Bücher auf den Markt gebracht, in denen er bestreitet, dass Homosexualität biologisch bedingt sei, und in denen er von erfolgreichen Umbaumaßnahmen zu berichten weiß… Nun ja: außerhalb von Ehe und Fortflanzung genossene Sexualität ist nach traditioneller kirchlicher Lehre sündhaftes Handeln.

Immerhin steht in der Kathedrale – deren Gewölbe von einem unangenehmen Geflecht aus gebogenen T-Trägern aus Stahl getragen und optisch dominiert wird – der Altar mitten im Chorraum und damit nicht so, dass ein Priester dort mit Rücken zum Volk seine Zelebration vollziehen würde, wie es Traditionalisten noch immer bevorzugen.



Ein Student porträtiert seine Ave Maria University mit lockerer Hand(kamera).

Die ausladende Bibliothek steht bereits, ebenso die »Student Union«. Gleich neben den Unigebäuden und den üblichen Sportanlagen hat sich in neu angelegten Gewässern, gemäß dem »Wetland Restoration Plan« der AMU, bereits die typische Fauna Südfloridas ausgebreitet.

Das Konzept der Universität verspricht breite Studienangebote der »Humanities« und Platz für mehrere tausend Studenten.

Es waren an diesem Sonntag überwiegend Senioren in der kleinen neuen frommen Stadt in Florida zu Besuch. Viele von ihnen hatten diese erschreckenden Aufkleber am Autoheck: »Support Our Troops«.

Die konservative Klientel, die leider immer noch die Christenheit unserer Welt bestimmt und dabei Volksfrömmigkeit und ihre inkonsistente Moral als »Theologie« verkennt, hat sich offenbar weder jemals die Bergpredigt zu Herzen genommen noch die Zehn Gebote. In denen steht nicht zu lesen: »Du sollst leib- und lustfeindlich sein und darfst Dich nur zum Zeugen eines Kindes hingeben!«. Aber in denen steht eindeutig das Gebot: »Du sollst nicht töten!«. Ohne Wenn und Aber, und nicht beschränkt auf das noch ungeborene menschliche Leben.

Ave Maria ist ein interessantes Projekt – aber offenbar leider doch nur eine Domäne der konservativen reichen Bürgerlichkeit und nicht die radikale Keimzelle eines entschieden friedlichen, geschwisterlichen Lebens nach dem Evangelium.

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Martin Gertler | 24. Dezember 2007, 17:00 Uhr

383 | Der Thomanerchor interpretiert das weltweit bekannteste Weihnachtslied auf eine besonders passende Weise: nachdenklich, ruhig.

Am 24. Dezember 1818 führten der Arnsdorfer Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber und der Hilfspriester Joseph Mohr in der Kirche St. Nikolaus in Oberndorf bei Salzburg das Weihnachtslied »Stille Nacht, Heilige Nacht« erstmals auf.

Mohr hatte den Liedtext bereits 1816 in Mariapfarr im Lungau geschrieben. Gruber komponierte dann vor Weihnachten 1818 eine Melodie zu diesem Gedicht.

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Alles schläft; einsam wacht
    Nur das traute hoch heilige Paar.
    Holder Knabe im lockigen Haar,
    Schlaf in himmlischer Ruh!
    Schlaf in himmlischer Ruh!

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Hirten erst kundgemacht
    Durch der Engel Halleluja.
    Tönt es laut von Ferne und Nah:
    Christ, der Retter ist da!
    Christ, der Retter ist da!

    Stille Nacht! Heilige Nacht!
    Gottes Sohn! O wie lacht
    Lieb aus deinem göttlichen Mund,
    Da uns schlägt die rettende Stund,
    Christ in deiner Geburt!
    Christ in deiner Geburt!

Alles Große liegt im Kleinen – siehe Titel dieses Blogs.
Allen ein friedvolles Weihnachtsfest!

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382 | Weihnachten!

BWV 140, Johann Sebastian Bach. Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis, BWV 140

Leitung: Ton Koopman

    Gloria sei dir gesungen,
    mit Menschen- und englischen Zungen,
    mit Harfen und mit Cymbeln schön.
    Von zwölf Perlen sind die Pforten
    an deiner Stadt; wir sind Consorten
    der Engel hoch um deinen Thron.
    Kein Aug hat je gespürt,
    kein Ohr hat mehr gehört solche Freude;
    des sind wir froh:
    Io, io!
    ewig in dulci jubilo.
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Martin Gertler | 23. Dezember 2007, 16:00 Uhr

381 | Der Countdown zu Weihnachten!

BWV 140, Johann Sebastian Bach. Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis, BWV 140

André Isoir an der Orgel in Weingarten.

In den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts habe ich selbst oft diesen Teil der Kantate auf der viermanualigen Orgel der Erpho-Kirche in meiner Heimatstadt Münster gespielt.

Version für Chor und Orchester

unter der Leitung von Ton Koopman

    Sion hört die Wächter singen.
    Das Herz tut ihr vor Freuden springen,
    Sie wachet und steht eilend auf.
    Ihr Freund kommt vom Himmel prächtig,
    von Gnaden stark, von Wahrheit mächtig.
    Ihr Licht wird hell, ihr Stern geht auf.
    Nun komm, du werte Kron,
    O Jesu, Gottes Sohn.
    Hosianna!
    Wir folgen all zum Freudensaal,
    und halten mit das Abendmahl.
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380 | Der Countdown zu Weihnachten!

BWV 140, Johann Sebastian Bach. Kantate zum 27. Sonntag nach Trinitatis, BWV 140, 1. Satz.

Jahr der Entstehung: Leipzig 1731.

Text: siehe Evangelium nach Matthäus 25, 1-13

Dirigent: Karl Richter



    Wachet auf, ruft uns die Stimme
    der Wächter sehr hoch auf der Zinne.
    Wach auf, du Stadt Jerusalem!
    Mitternacht heißt diese Stunde;
    sie rufen uns mit hellem Munde:
    Wo seid ihr klugen Jungfrauen?
    Wacht auf, der Bräutgam kommt!
    Steht auf, die Lampen nehmt!
    Alleluia!
    Macht euch bereit zu der Hochzeit—
    ihr müsset ihm entgegen gehn!
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