107 | Das CHE Centrum für Hochschulentwicklung hat zusammen mit dem Arbeitskreis Personalmarketing die »Employability«, die Förderung der Beschäftigungsfähigkeit in fast 400 deutschen Bachelorstudiengängen in den Blick genommen. Nicht die Ergebnisse sind die Überraschung, sondern dieses »Ranking« als solches. Denn Bachelorstudiengänge müss(t)en ja per se dieses Kriterium erfüllen, sonst dürf(t)en sie gar nicht akkreditiert sein…
Tatsächlich vermisst man allerdings im CHE-Dokument zu »Ergebnisse und Methodik« das schlichte aber notwendige Wort »Akkreditierung«, und bei näherem Hinsehen entdeckt man auch schnell reihenweise allenfalls »umgetaufte«, noch gar nicht akkreditierte Studiengänge in der Liste.
Damit verhüllt CHE gleich zwei Grundprobleme in Deutschland: Zum einen existieren immer noch, oft seit vielen Jahren, »Bachelor«-Studiengänge, die (noch) gar nicht akkreditiert sind. Damit wurden sie zumeist auch gar nicht nach den Standards entwickelt, um die es geht – und einer von ihnen heißt nun mal »Employability«. Bachelor ist nicht gleich Bachelor in Deutschland – das sollte CHE wissen und es nicht unterschlagen, sondern ankreiden. Zum zweiten würde eine Herangehensweise, die zwischen akkreditiert ja / nein unterscheidet, erst wirklich spannend, denn »Employability« gilt ja als Kriterium bei der Akkreditierung, und nun könnte CHE den Akkreditierungsagenturen auf den Zahn fühlen, indem man sie befragt, woran sie denn die »Employability« bei der Akkreditierung messen.
Jenes zweite Problem offenbart dann möglicherweise eines der schwarzen Löcher unseres deutschen Hochschuluniversums. Denn »Employability« muss der Antragsteller lediglich glaubhaft behaupten, aber durch nichts belegen in diesem Lande. Am besten würzt man bei der Antragstellung seine »Berufsfeldorientierung« durch eine Liste von Firmen, mit denen der Studiengang kooperiert – das reicht immer und auf alle Fälle.
In den benachbarten Niederlanden weht der Wind strenger. Wer dort einen Bachelorabschluss anbieten will, muss erst einmal durch eine überprüfbare (!) Untersuchung im Berufsfeld den Bedarf des Marktes nachweisen – und darüber hinaus, wodurch der Studiengang denn auf genau jenes Berufsfeld ausgerichtet sei.
PS: Dass CHE die schon seit 2 Jahren akkreditierten Bachelorstudiengänge an meiner RFH nicht in den Blick genommen hat, muss wohl daran liegen, dass wir sie in Köln immer gut versteckt halten. »Mein« zuvor (!) bereits akkreditiertes Studienprogramm zum Bachelor of Arts in Media Design läuft ja auch erst im 4. Semester…
Druckvorschau
Per Email versenden