155 | Prof. Dr. Ronald Plasterk ist Wissenschaftsminister der Niederlande, und das erst seit knapp 100 Tagen. Am heutigen 14. Mai machte er seinen Antrittsbesuch bei der CHN in Leeuwarden. Mehrere hundert Mitarbeiter und Studenten nutzten die Gelegenheit zu einer überraschend offenen Diskussion mit dem Wissenschaftler, der nun als Politiker für vier Jahre die Entwicklungen der Hochschulen des Landes steuern wird.
Zunächst begrüßte der Vorstandsvorsitzende der Hochschule, Robert Veenstra (Bild links), den Gast aus Den Haag und die vielen Teilnehmer der Veranstaltung im großen Auditorium.
Mit einer sehr verbindlichen und motivierenden Ansprache würdigte er die Bedeutung des ministeriellen Besuchs und hielt dem Gast vor Augen, wie sich die CHN mit ihren mehr als 7.000 Studenten und 600 Mitarbeitern für eine ständige Optimierung der Lehre und des Outcome bei den Studierenden engagiert.
Auch konnte er einen neuen Forschungslehrstuhl – Lectoraat – für die CHN ankündigen, den die Fryske Akademy einrichten wird. Prof. Dr. Reinier Salverda, Leiter dieser Forschungseinrichtung aus Leeuwarden, die an verschiedenen Universitäten Professuren unterhält und Mitglied der Königlich-Niederländischen Akademie der Wissenschaften ist, wird dazu in den nächsten Monaten gemeinsam mit mir den Aufgaben- und Forschungsplan für dieses Lectoraat entwickeln.
Bürgermeister Dr. Geert Dales (Bild rechts) pries mit launigen Worten den Hochschulstandort Leeuwarden. Immerhin sind hier an den 3 Fachhochschulen insgesamt ca. 20.000 Studenten eingeschrieben. Seine Ansprache wurde immer wieder von Applaus unterbrochen – ich konnte ihr leider nicht richtig folgen, denn Dr. Dales sprach natürlich auf Friesisch. Au weia! Nicht nur mein Englisch braucht Nachhilfe, nun werde ich auch noch Friesisch lernen müssen…
Auch Minister Plasterk hielt dann eine Ansprache auf Friesisch – und als ich nach zehn Minuten bereits sehr viel verstand, wusste ich: auch diese Sprache ist zu schaffen! Eigens für diese Begegnung hatte er die Sprache lernen müssen. Die örtliche Zeitung berichtet voller Hochachtung darüber (»Plasterk: ›Dat aksint nimme jim my grif net kwea ôf‹«), und auch die Leserkommentare würdigen das Engagement des Ministers.

Unter Ausschluss der Journalisten stellte sich Minister Plasterk (im Bild rechts) dann der Diskussion mit den Studenten und Dozenten der CHN, die ihn immer wieder festnagelten mit der Forderung, sich zu den Ambitionen der Fachhochschule CHN, eine wissenschaftliche Universität ins Leben zu rufen, zu positionieren.
Plasterk tat dies auf eine konstruktive Weise, indem er deutlich machte, dass Universitäten heutzutage nicht regional begründeten Bedürfnissen folgend entstehen sollten, weil Wissenschaft längst – und eben viel mehr noch als die Arbeit der berufsfeldorientierten Fachhochschulen – auf Internationalität angewiesen ist. Relevante Forschung ist internationale Forschung – daher gilt: Universitäten müssen international sein.
Mehrfach legten die Anwesenden nach. So bemängelte eine Studentin des begehrten Bachelorprogramms »Media & Entertainment Management«, dass es für diesen Studiengang und seine beiden Parallelangebote in den Niederlanden nicht einmal einen Master gebe, geschweige denn eine Möglichkeit, sich auf diesem Gebiet wissenschaftlich forschend in Form einer Dissertation zu qualifizieren. »Warum, Herr Minister, müssen wir denn dafür alle ins Ausland gehen?!?«
Auch ein Dozent des Bachelorstudiengangs »Hospitality Management« – die CHN unterhält die größte Hotelfachhochschule Europas mit mehr als 2.000 Studierenden und eigenem Lehrbetrieb, dem Hotel Wyswert **** – kritisierte, dass es bislang zwar neben dem Bachelorprogramm ein Masterstudium, aber eben keine Top-Qualifizierungsmöglichkeit durch ein Promotionsstudium an der CHN geben könne. »Wir müssen sehr bald auch eine wissenschaftliche Universität werden, das geht gar nicht mehr anders«, so der Tenor der Statements zum dominierenden Thema der Diskussion mit dem Minister.
Prof. Dr. Plasterk registrierte, das war an seinen Augen abzulesen, sehr genau die Ambitionen, die von Seiten der CHN-Studenten und -Dozenten auf ihn einstürmten.
Ich bin mir sicher, dass er diesen eindeutigen und vielfachen Ruf nicht überhört hat: Es wird höchste Zeit für eine international ausgerichtete und agierende Universität, die in Friesland die vorhandenen Schwerpunkte hochschulischer Lehre auf Universitätsniveau akademisch erweitert, ergänzt und vertieft.
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