Martin Gertler | 6. Juni 2007, 07:41 Uhr

181 | Angeblich mehrere hundert, gar tausend Menschen wurden am 2. Juni im Umfeld von G8-Demonstrationen verletzt. Warum wurden diese Meldungen in die Welt gesetzt? Inzwischen zeigt sich, dass hier von »weit übertrieben« bis »erfunden« die Rede sein muss.

FOCUS enthüllte zwei Tage nach den Ereignissen:

»Die Zahl von 1000 verletzten Polizisten und Demonstranten in Rostock ist völlig aus der Luft gegriffen.

Dies bestätigten am Montag die Klinik Südstadt, die Universitätsklinik in Rostock und der Katastrophenhilfsstab in der Hansestadt. Keiner der rund 519 Patienten wurde schwer verletzt. In den Krankenhäusern wird auch kein Patienten mehr versorgt.

›Wir haben einen Großteil der Patienten nach der Diagnostik und Versorgung sofort wieder entlassen können‹, sagt der ärztliche Direktor des Klinikums Südstad, Professor Bernd Freitag FOCUS Online.

Auch in der Uni-Klinik in Rostock war die Situation normal. ›Schwere Fälle liefen bei uns nicht auf‹, so der ärztliche Direktor Professor Peter Schuff-Werner. ›Die Verletzungen waren nicht schwerwiegend.‹

Von den insgesamt registrierten 518 Patienten wurden zwischenzeitlich alle aus den Kliniken und Krankenhäusern entlassen.«

Für die Bezahlmedien war gleich klar gewesen, wer da randalierte: gewaltbereite Demonstranten. Teilnehmer erlebte manches anders: Steine flogen nicht nur gegen Polizisten, sondern auch gegen Demonstranten, Hubschrauber lärmten im Tiefflug, Wasserwerfer wurden ohne Not eingesetzt, Staatsbeamte knüppelten wahllos gegen Wehrlose.

Und nun diese Bilanz: keine schwerwiegenden Verletzungen, niemand mehr in Behandlung, aber erst einmal lässt man wirkungsvoll tausend zum Teil schwer Verletzte melden… Augenzeugen erzählen in den Kommentaren des Focus-Berichts von Verletzungen der Polizisten durch ihr eigenes Tränengas, durch Stürze beim Laufen über die Treppen des Rostocker Hafens und von Rettungswagen, die überwiegend gar nicht zum Einsatz gekommen seien.

Wer inszenierte in welchem Umfang Krawalle und Verletztenmeldungen an jenem Tag – und welche Interessen stecken dahinter?

Telepolis: Bericht eines Demonstranten aus Rostock

Bröckers: Eskalationsagenten?

Telepolis: Opferzahlen der Randale in Rostock weit übertrieben?

Focus: Zahl der Verletzten zweifelhaft

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