212 | Noch einmal ein ruhiger Sonntag, noch einmal eine Runde ums Dorf auf dem herrlichen Rundweg, entlang am Wildpark. Pause beim Packen. Unterdessen macht sich ein Kölner Kollege bereits Sorgen wegen der bekanntlich gewalttätigen Menschen in meiner neuen Wahlheimat Leeuwarden.

Zwischen den Dörfern: Pferdewiesen und Gestüte. Immer wieder hört man das klapp-klapp der Hufe im Dorf. Entweder wollen die Menschen gern reiten oder die Tiere geritten werden oder beides, aber das weiß ich gar nicht so genau.

Der Weg ums Dorf führt durch Wälder und Felder. Kommern-Süd gehört zum Erholungsgebiet der Nordeifel.

Eine Kuhherde muss auch umziehen, allerdings nur von einer Wiese zur nächsten. Der Bauer ist im frisch gebügelten Sonntagshemd gekommen und zeigt den Tieren den Weg.

An meinem bisherigen schönen Haus ist dieses stachelige Dingsda gut gewachsen. Mich hatte es immer geärgert beim Rasenmähen…

Neben der Terrasse reifen die Früchte. In diesem Jahr sind sie früher, fällt mir auf - 2006 waren sie erst Anfang August so weit wie jetzt Anfang Juli. Hm. - Nein, es sind keine Kirschen…!

Nachher noch mal in Ruhe abhängen…

…und dann weiter packen.
So sieht es aus, wenn eine Bibliothek auf Reisen gehen soll.
In Friesland wird sie sich sicher genauso wohl fühlen wie ich!
Photos by my mobile phone
Die »Spatzenhirne« von Leeuwarden
Genaue Recherchen über meine künftige Lebensumgebung stellte unterdessen einer meiner nettesten Kollegen aus der Kölner Provinz im Rahmen seiner Forschungsaktivitäten an. »Zum Gedenken an den 14. November 2005« überschreibt er – passend am 1. Juli 2007? – seinen liebevoll besorgten Beitrag in seinem Blog:
- »Es gibt Orte auf dem Erdball, die über Jahrhunderte existieren und doch nur ihren Einwohnern, deren Verwandten und der Administration ihres Landes bekannt sind. Stadthagen ist so ein Ort – niemand wird sich nach der Lektüre dieses Absatzes an diesen Namen erinnern. Auch in den Niederlanden gibt es solche Orte. Einer davon ist Leeuwarden in der Provinz Friesland. Eine Webcam zeigt einen der belebtesten Plätze dieser Stadt im Nachmittagssonnenschein.
Manche dieser Orte haben jedoch ihre Warholsche Viertelstunde. Die von Leeuwarden ereignete sich am 14. November 2005. Einige Dutzend Mitarbeiter der Firma Endemol waren gerade dabei, in einer leeren Ausstellungshalle 4,3 Millionen Dominosteine aufzustellen. In einem Weltrekordversuch, von dem man sich noch Jahrzehnte später beim Bessengenever zu erzählen hoffte, sollten diese Steine dann wieder umgeworfen werden. Das hätte sicher auch die Einwohner von Stadthagen erfreut, die sich das im Freitagabendprogramm von RTL 2 live angesehen hätten.
Es kam anders. Ein Spatz hatte sich in die Halle verirrt und kauerte ängstlich in einer Ecke. Schon mehrfach hatte er versucht, ein offenes Fenster zur finden, um wieder ins Freie zu gelangen. Anstatt ihm dabei behilflich zu sein, organisierten die Dominospieler ein Jagdgewehr und schossen ihn tot. Geschützte Art? Vom Aussterben bedroht? Macht nichts – the show must go on. Bevor der Spatz seinen letzten Atemzug tat, hatte er immerhin 23.000 Dominosteine umgeworfen – Weltrekord für Spatzen!
Die kurzzeitige Berühmtheit Leeuwardens bezog sich leider nicht auf diesen Rekord, den die Spatzenhirne des städtischen Marketings auszubeuten versäumten, sondern statt dessen auf den bad news: der gemeinen Exekution des wehrlosen Vogels. Immerhin: die Nachricht darüber ging wie ein Lauffeuer über den Erdball. Und wurde tags darauf schon wieder vergessen.
[Beispiele für das weltweite Covering: San Diego (Kalifornien), Bonn, Australien, London, Los Angeles, Detroit, Glasgow]«
Quelle: vergeblich.de
Was für ein beeindruckender Sonntag!
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