316 | Viele Hunderttausend Aufrufe werden zu diesem Video inzwischen gezählt. Kürzlich mailte mir ein Student: »Hast Du noch irgendwo den Link zu diesem Web-2.0-Video?!?«
Hier ist der Film. Und dazu die Beschreibung des Autors Michael Wesch:
This is a slightly revised and cleaned up version of the video that was featured on YouTube in February 2007.
I considered releasing it as an »eternal beta« in true Web 2.0 style, but decided to let it stand as is and start working on future projects. Many of my future videos will address the last 30 seconds of this video (the »rethink …« part).
Thank you all for the helpful comments on the earlier draft. It has been a great experience to connect with so many people interested in similar issues.
315 | Die beiden Gebäude der »CHN University Qatar« in Doha sind gar nicht so klein, wie ich vorher vermutete. Mehr als 400 Studenten bereiten sich derzeit auf einen Bachelorabschluss vor. Nun überlegen wir, wie es für sie weitergehen könnte – mit einem Masterstudium.
Wie eine Burg erscheint mir die Fassade der staatlich anerkannten Hochschule. In der feuchtheißen Luft des Oktobers wirkt sie besonders massiv.
Die Internationalität des Hauses zeigt sich draußen an den Fahnen, wie sie vor jeder CHN der Welt wehen, …
… und drinnen an den Studierenden aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, die wir in den Hörsälen, Seminarräumen und der »Study Landscape« antreffen können. Ganz hinten im Raum diskutieren zwei schwarz verschleierte Studentinnen, ein Student kommt offenbar aus herrschaftlichem Hause, andere treten mehr westlich auf – junge Menschen aus verschiedenen kulturellen Paradigmen mischen sich in den Studienkursen.
Diederik Krom, »President« der kleinen Hochschule, hat diese Tischanlagen im Computer-Labor selbst entworfen. So können die Studierenden mit ein wenig mehr Abstand zueinander arbeiten, man kann nicht gegenseitig jederzeit Einsicht nehmen, aber doch – wenn es um Zusammenarbeit geht – Einsicht gewähren.
Sjoerd Gehrels, der genauso wie ich zum ersten Mal in Qatar ist, nimmt unterdessen die Bibliothek unter die Lupe. Das System der Inventarisierung und Ausleihe ist noch nicht vollständig, die studierte Bibiothekarin hofft auf eine Lieferung der Software in wenigen Wochen.
Das Sortiment ist jedenfalls umfassend genug, sagt der Studiengangsleiter aus Leeuwarden. Er vollendet derzeit seine pädagogische Promotion an der Universität Sterling, England, und ist einer der erfahrensten CHN-Dozenten.
Auch einige weltbekannte Namen finden sich in der Bibliothek. »Wichtiger ist uns aber auf jeden Fall, dass wir wissenschaftliche und wissenschaftlich überprüfte Ansätze vermitteln, als dass wir uns mit ›Name-Dropping‹ beschäftigen,«, sagt Diederik Krom, der selbst bereits mehrere Universitätsabschlüsse erlangte. In dieser Hinsicht ist er wohl ebenso konservativ wie ich.
Wir setzen uns mit ihm (rechts im Bild) zu einer offenen Diskussion zusammen. »Was würde passieren, wenn du einen Kandidaten, den einer der Scheichs dir für das Masterstudium schickt, ablehnen musst, weil er nicht die Voraussetzungen erfüllt?« will ich wissen. »Dann kann ich den nicht wegschicken,« gibt Diederik zu, »aber ich kann ihn so lange – einschließlich Bachelorabschluss – studieren lassen, bis er ganz korrekt seinen Abschluss erreicht hat, selbst wenn das Ganze sechs Jahre lang dauert – denn man ist es hier gewohnt, sich Zeit zu lassen.«
Er fährt mit uns zum Lunch. Stolz berichtet er dabei, dass immerhin ein Viertel seiner Dozenten einen »Ph.D« (wissenschaftl. Doktortitel) erlangt habe.
Mit uns unterwegs ist Dr. Marina Gregoric, eine der Dozentinnen des Teams von Doha. Sie wird die Koordination des künftigen Masterprogramms der CHN University Qatar übernehmen und sich dabei regelmäßig mit Sjoerd Gehrels abstimmen.
Sie fotografiert uns – Sjoerd, Diederik und mich – nach dem gemeinsamen Lunch vor dem berühmten Pariser Café, das natürlich auch in Doha zu finden ist.
In der University erwartet uns kurz vor der Dämmerung ein einladendes Buffet. Diederik lädt Studenten, Dozenten und uns Gäste ein zu einem Info-Abend.
Sjoerd berichtet mit seiner Präsentation ausführlich über die CHN Leeuwarden und Qatar – und natürlich über die Masterprogramme, die wir in Friesland seit Jahren erfolgreich anbieten. Er gibt den Anwesenden die Idee des »Lifelong Learning« mit auf den Weg und erläutert die Vorzüge des Konzepts der CHN-Masterprogramme, die den Menschen und sein Zusammenarbeiten mit anderen Menschen zentral stellen – nicht den Profit.
Er verweist auf die Website unserer School of Graduate Studies und wir zeigen Ausschnitte aus den Videos, mit denen die CHN-Masterstudiengänge vorgestellt werden, allen voran den Leiter des Studiengangs Master of International Service Management, Klaes Eringa:
Danach erläutere ich unsere produktive, interaktive elektronische Lehr-/Lernumgebung und unterstreiche nochmals unseren Ansatz: »Wer wirklich gut mit anderen zusammen gemeinsame Ziele entwickelt und in ihr Erreichen investiert, der baut an einem nachhaltigen, beständigen Netzwerk und sichert damit die ökologischen, menschlichen und infolgedessen auch ökonomischen Ressourcen unserer Welt!«
Im Gespräch mit den Mitarbeitern und Studenten klingt die Begegnung aus.
Mir wird dabei bewusst, wie wichtig die Präsenz dieser CHN University Qatar im aufstrebenden Wüstenland ist…!
Die Akzeptanz anderer Kulturen, Denk- und Lebensweisen wird hier ein ganzes Studium lang Tag für Tag eingeübt. Das ist ein enorm wichtiger Beitrag zur Entwicklung der jungen Menschen, aber auch zur Entwicklung der Gesellschaft des Landes.
Wir rudern damit gegen den Strom in Politik und öffentlicher Meinung der letzten Jahre, der durch Ausgrenzung von Menschen anderer Religionen und Herkunft, durch Ablehnung anderer Lebens- und Beziehungsformen bestimmt ist.
Keine großen Zeichen werden an der CHN University Qatar gesetzt, keine Thesen verfasst, keine Grundsatzdiskussionen in den Sand gesetzt – stattdessen lebt hier eine konkrete Praxis, die friedensstiftend ist, weil sie Menschen zusammenführt und Tag für Tag miteinander lernen und arbeiten lässt, die einander ansonsten eher aus dem Weg gehen, vielleicht gar bekämpfen würden.
Ein westlicher Master in Arabien wird jedenfalls – das hat mir der kurze Besuch in Qatar gezeigt – dort ein wenig anders aussehen als bei uns, denn er wird andere Forschungsprojekte beinhalten, er wird seine in Doha, in der arabischen Welt relevanten Inhalte und Ziele bei jeder künftigen Masterthesis erfordern. Damit wollen wir uns sehr gern auch in Leeuwarden auseinandersetzen – und die Studenten in Qatar wiederum mit der Sicht- und Herangehensweise unserer jungen Forscher in Leeuwarden in Kontakt bringen.
Von diesem Austausch an Inhalten und Erfahrungen werden also auf Dauer alle profitieren können, die an den CHN-Masterprogrammen teilhaben.
314 | Doha hat so viel Einwohner wie Essen. Etwa eine dreiviertel Million Menschen leben im Sultanat Qatar. Das moslemische Land begrüßt uns mit Freundlichkeit und großer Hitze.
Diederik schaukelt uns mit seinem stählernen Kamel, einem Nissan Patrol Safari, durch die Stadt und zu einem Fischerhafen. Eine gute Gelegenheit, um gleich auch mehr zu erfahren über die Geschichte seiner Hochschule. In diesem aufstrebenden Ambiente sind ihre anwendungsbezogenen Angebote sehr gefragt.
Die Ambitionen auf Olympia 2016 führen zu einem enormen Bedarf an Hotels und Dienstleistungsunternehmen aller Art. Die CHN-Studiengänge kommen daher genau richtig, um dem Land zu helfen, sich professionell den kommenden Herausforderungen zu stellen.
Wir besuchen eine riesige Mall. Es ist Samstag – der Tag, den wir als Sonntag kennen – und natürlich sind hier die Geschäfte nicht geschlossen.
Ein wenig Venedig wurde hier nachgebaut, man kann Bötchen fahren, und ein künstlicher Himmel überspant diese Geschäftswelt. Alles wirkt fast so freundlich wie die echte Welt draußen, aber die Mall lädt ein zum Verweilen, da kräftig gekühlt durch die Klimaanlagen.
Junge Leute flanieren in ihrer Landestracht. Die jungen Mädchen lassen gern mal unter den schwarzen Schleiergewändern eine Jeans sehen, die Kerle tragen ihre langen Kleider in hellen Farbtönen.
Diederik und ich laufen, ebenso wie Sjoerd, dazwischen sehr profan herum. Aber das mache hier nichts aus, erzählt uns Diederik: In Qatar könne eigentlich jeder so leben, wie er will. Nun ja…
Wir genehmigen uns in dieser Kunstwelt der Mall noch einen Cappuccino und reden dabei ausführlich über Module und Zulassungsverfahren und Prüfungsordnungen. Inzwischen kommt es immer mehr darauf an, sich auf international vergleichbare und überall anerkennbare Regelungen einzustellen – darin sind wir uns einig.
Am Abend muss Diederik zu einem offiziellen Empfang von Scheich Feisal. Wir setzen uns derweil mit seinen beiden Mitarbeitern Mick und Otmane zusammen. Das ist eine gute Gelegenheit, mehr über die Erwartungen und Möglichkeiten für die Hochschule in Qatar zu erfahren.
Beim Frühstück am nächsten Morgen strahlt Sjoerd, wie so oft. Nach dem Dinner hatte er sich gleich zurückgezogen, um schon ab 4 Uhr morgens das Erarbeitete in einen Planungsvorschlag umzusetzen.
Ich hatte es vorgezogen, bis 7 Uhr Ortszeit (also 5 Uhr heimischer Zeit) »auszuschlafen«, denn nun begann ein mit Präsentationen und Interviews gespickter Arbeitstag.
Ich muss mich danach, gegen Mitternacht, in den viel zu engen Flieger zwängen, um mich – inkl. erneutem Zwischenstopp in Saudi-Arabien – schlaflos achteinhalb Stunden lang nach Schiphol verfrachten zu lassen und am nächsten Morgen von dort noch zwei Stunden lang nach Leeuwarden zu fahren. Grrr.
An dieser Reise wird mir einmal mehr klar, wie uneffektiv, ja unökonomisch das geschäftliche Reisen in der »Economy« ist: Volle zwei Tage Arbeitszeit vergehen damit, genau nichts arbeiten zu können, weil einfach kein Platz ist fürs Macbook und das erforderliche Überarbeiten der Etats für 2008, ein weiterer Arbeitstag entfällt wegen der notwendigen Regenerierung.
Danach entsteht für hier aber der letzte Beitrag über diese Reise: ein Tag in der CHN University Qatar…
313 | Kurztrip nach Qatar, eines der Länder der Vereinigten Arabischen Emirate. Sjoerd Gehrels und ich wollen dort zusammen mit Diedrik Krom über akademische Expansionsmöglichkeiten der CHN University Qatar nachdenken und zu konkreten Plänen für 2008 kommen.
Der Airbus der KLM trägt den Namen »Potsdamer Platz – Berlin«. Ein gutes Omen, denke ich bei mir. Die Maschine ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Das Reisen in der »Holzklasse«, mit Zwischenstopp in Saudi-Arabien, ist allerdings eine Zumutung. Der Airbus hat unter jedem 2. Sitz eine seltsame metallene Box, so dass man 8 Stunden genau definierte Beinstellungen einhalten muss – Menschen meiner Bauart sind offenbar unerwünscht in diesen Transportmaschinen.
Spannend wird die Reise zumindest für eine Viertelstunde, als wir bei bester Sicht abends auf eine erleuchtete Stadt schauen können: Wir fliegen direkt über Bagdad hinweg. Später sehen wir im Süden des Iraks rote Flammen lodern. Ungute Gefühle kommen auf, und wir denken nach über den unter durchsichtigen Lügen inszenierten, illegalen Überfall der westlichen Übermacht, der – wie erwartet – zu anhaltendem Unfrieden führt. Wer Hass sät, wird Hass ernten!
Elf Stunden nach dem Einchecken in Schiphol hat jeder endlich sein Hotelzimmer in Doha bezogen. Die Bar in der Lobby hatte bereits geschlossen, so plündern wir halt die Minibar. Sjoerd genießt eine Abendzigarre und wir bereiten uns noch zwei Stunden lang in vorläufig ruhiger Umgebung auf den nächsten Tag vor. Kaum zieht sich jeder von uns zurück und hat die Augen gerade mal zugetan, beginnt das Nachtleben im Hause… Schlafen geht hier nur in Etappen und nur mit Ohrenschutz.
Unser Hotel, gekoppelt an die Zentrale von Scheich Feisal. Einige Dutzend Unternehmen steuert er von hier aus. Die Fassade zeigt die Ambitionen des Scheichtums: man bereitet sich mit aller Energie auf die Olympiade 2016 in Doha vor.
Aus meinem Zimmer habe ich direkten Blick auf die Residenz des Landesherrn. Und da man vom 11. Stock des Hotels aus ein wenig zu sehr von oben auf den Palast schauen kann, drohe nun der Abriss des erst 5 Jahre alten Hotels, erzählt uns ein Chauffeur.
Wir erwarten nun gespannt Diederik, um mit ihm eine erste Tour durch die Stadt zu machen und erste Pläne für den Ausbau »seiner« University zu schmieden…
312 | Der Dienst »doit-online.com« vermeldet die erheiternde bzw. erschreckende Nachricht, dass die so genannte »Hochschule der Medien«, eine staatliche und daher allein von Steuergeldern finanzierte FH in Stuttgart, nunmehr im offensichtlich noch immer nicht nicht gänzlich ausgestorbenen Online-Sandkasten Second Life einen Abenteuerspielplatz, einen Urwald eingerichtet habe.
Die Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) eröffnet ihre Repräsentanz in Second Life. Doch statt Gebäuden mit Hörsälen, Seminarräumen und Übungslaboren präsentiert die HdM in der virtuellen Welt einen Urwald.
Nicht nur exotische Pflanzen und Tiere verleihen der Hochschule den Charme einer Spielweise. (Das sollte sicherlich »Spielwiese« heißen?!?) Im Dschungel tauchen vor allem mediale Elemente wie Projektionsflächen, Laptops oder Fernseher auf. Hier finden Besucher Informationen und Weblinks zu den Studiengängen und Veranstaltungen der HdM. HoRadS, das Hochschulradio Stuttgart, hat mit der “Hördose” ein virtuelles Studio erhalten und sendet dort 24 Stunden am Tag.
Das Bauland wurde der Hochschule der Medien kostenlos von der MFG Baden-Württemberg für die Realisierung des Hochschulauftritts zur Verfügung gestellt. Besucher finden die HdM in Second Life auf dem Gelände der MFG Baden-Württemberg, Insel II, Suchbegriff “Baden-Wuerttemberg2″ oder direkt über die SLURL zum Eingangsbereich.
Muskelmännchen passt da sicher hinein in diese wilde »Welt«, kann aber keine Hochschule entdecken, sondern nur Schrott, etwa eine Flugzeugruine oder so etwas ähnliches. Gäbe es ihn wirklich und nicht nur als Kunstfigur, würde er motzen: »Das stinkt aber nach Müll und Leichen hier!«
Und die im normalen Leben, im First Life, abrufbare Website der Medienhochschule verspricht den Überlebenden dieses Kinderspiels auch noch einen Drink an der Bar.
Huhuuu… Gruselig das!
Ach, Ihr lieben Schwaben von der HdM. Habt Ihr denn gar nix Besseres mehr zu tun mit den reichlichen Steuergeldern, die Euch nähren?!?
Zuvor besucht:
Universities. Im Online-Sandkasten haben sie mit ursprünglichen Hochschulen meist nichts mehr gemein. Es geht ums Spielen und um Geld.
RFH Köln. Da bekanntlich die im Glaspalast präsentierte Bildungseinrichtung im Ersten Leben keine Erste-Hilfe-Kurse anbietet, kein Kindergarten ist, keine Waffen ausstellt und auch nicht mit schwarz-rot-goldenen Fahnen schwenkt, bleibt unverständlich, warum hier ihr Logo prangt.
Hochschulen in den Niederlanden. In dieser Spielsoftware prunken sie mit monumentalen und nicht einladenden Phantasiegebilden. Es gibt keinen Grund, sie anzusteuern.
FH Darmstadt. Wer sie im Zweiten Leben antreffen will, landet bloß auf einer kleinen Insel und steht da rum wie ein begossener Pudel. Recht geschehen!
FHM Bielefeld. Sie tritt in Second Life mit einer modernen Villa in einem karibischen Urlaubsambiente auf. Ihr Auftritt wirkt schick, nicht verwirrt. Es geht dabei offensichtlich um ein virtuelles Begegnungs- und Beratungszentrum.
311 | What if Napster stocked textbooks? Engineering professor Richard Baraniuk talks about his vision for Connexions, an open-source system that lets teachers share digital texts and course materials, modify them and give them to their students – all free, thanks to Creative Commons licensing.
These 20 minutes are dedicated to my colleague Hermann, who is calling for some years that every lesson digitally should be shared, worldwide, for free.