305 | Letze Rundfahrt! Mein Boot namens Bonsai muss nächste Tage raus, denn wenn das Wasser im Winter zu Eis gefriert… Doch, wird es das noch geben, jenes Eis, das alles Harte brechen könnte, hier bei uns in Zuiderburen, an den Hempenser Wielen und der Staande Mast Route?
Am 14. Oktober war es ein so herrlicher Sonntag – nicht einmal golden konnte man ihn nennen, das war schon Platin oder sogar mehr. Wunderbar!

Auf den Wielen: ruhige Sonntagsfahrer. Ein Skutje mit dem längst üblichen Schlauchboot im Schlepptau kreuzt meinen Weg. Wir winken einander kurz, wie immer von Boot zu Boot, freuen uns über den heiligen Tag, der uns so gottbehütet schippern lässt. Und schon kümmern sich die beiden schnell wieder um ihren Kurs.
Ich besuche Anne und Alfred Keyzer, die so traumhaft an der Route ihr Haus liegen haben, dass ich sie doch ein wenig beneiden darf. Beide sind sie Kollegen an der CHN, wir sprechen Deutsch miteinander.
»Willst du nicht eben anlegen und einen Kaffee mit uns trinken?«, fragt Anne. Nein, herzlichen Dank – gern demnächst zum Aufwärmen, wenn das Wetter unfreundlich ist und der Nieselregen kommt.
Diese CHN beschäftigt wirklich eine Menge sehr angenehmer Menschen – stelle ich sogar an diesem Sonntag fest.
Weiter geht’s zur Insel mit den Florida-Häusern…

Der Rollrasen liegt endlich und die Palmen haben ihren nordischen Standort offenbar ganz gut akzeptiert. Tolle Hütte, das!

Der Nachbar will sein Haus offenbar loswerden, wie ich tags zuvor in den Angeboten der Makler online feststellen konnte.
Das macht man hier so: immer mal wieder verkaufen und neu kaufen. Der Staat hilft dabei kräftig, daher gibt es kaum Mietwohnungen hierzulande: Wenn ich eine Hypothek aufnehmen würde, die eine Rate von 2.400 Euro ergäbe, hätte ich vom königlichen Staat der Niederlande allein durch Steuerminderung einen Zuschuss von 1.000 Euro! So etwas kannte man in der guten alten BRD nur bis irgendwann in den 60er Jahren…

Heute freue ich mich jetzt schon auf meine längst gebuchte Florida-Tour im Dezember. Dort wäre mir die Miete für so ein Bötchen sicher zu teuer; toll, dass Bonsai mir diese bunten Seiten des Lebens hier bereits zeigt!
Allerdings ist meine Mini-Yacht eben doch nur eine Nussschale. Und wenn dann am heiligen Sonntag die unheiligen Männekes-Machos auftauchen und mit ihren Speedbooten auf mich zurasen, dann wird mir eher schlecht…

Steil auf. Männchen machen halt…

Auf der Straße ist so etwas nur unangenehm laut, genau wie das absurde Abschieds-Gehupe eines jeden Besuchers. Man lärmt wohl gern herum, stört sich so gar nicht daran, dass man andere nicht stören sollte. (Sonntagsruhe kennen die überwiegend protestantischen Friesen übrigens nicht – an jedem Sonntag brummen hier gnadenlos die Motormäher über den Rasen, man sägt Gehwegplatten und hämmert Grenzpfähle des Grundstücks in die Erde. Am Sonntag ist es seltsamerweise stets lauter als am Samstag.)
Auf dem Wasser erzeugen solche Kindereien unerwartete und intensive Wellen, die weder der Böschung gut tun noch meinem kleinen Bonsai.

Solche Bilder sind hier leider nicht selten. Den ganzen Sonntag über, bis zur Dunkelheit, röhrten sie durch die Inseln…

Ich lege an und freue mich über das ungemein ruhige Kerlchen gleich hinter dem Bootssteg. Nachbars Katze weiß meine Grasinseln zu schätzen und vermutet dort mit unbeirrbarer Nachhaltigkeit fette Mäuse, verbringt daher dort täglich viele Stunden in Wachsamkeit und Jagdbereitschaft.
Wie schön, dass die friesische Sonne und die wunderbare Luft von manchen doch auch ohne lärmendes Männchenmachen genossen werden können…! Am Abend wurde es dann wieder völlig ruhig auf dieser wunderbaren Insel – auch akustisch jede Menge Raum für die Wasserläufer und die Möwen und die Katzen. Und den leisen Wind.
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