314 | Doha hat so viel Einwohner wie Essen. Etwa eine dreiviertel Million Menschen leben im Sultanat Qatar. Das moslemische Land begrüßt uns mit Freundlichkeit und großer Hitze.

Diederik schaukelt uns mit seinem stählernen Kamel, einem Nissan Patrol Safari, durch die Stadt und zu einem Fischerhafen. Eine gute Gelegenheit, um gleich auch mehr zu erfahren über die Geschichte seiner Hochschule. In diesem aufstrebenden Ambiente sind ihre anwendungsbezogenen Angebote sehr gefragt.

Die Ambitionen auf Olympia 2016 führen zu einem enormen Bedarf an Hotels und Dienstleistungsunternehmen aller Art. Die CHN-Studiengänge kommen daher genau richtig, um dem Land zu helfen, sich professionell den kommenden Herausforderungen zu stellen.

Wir besuchen eine riesige Mall. Es ist Samstag – der Tag, den wir als Sonntag kennen – und natürlich sind hier die Geschäfte nicht geschlossen.
Ein wenig Venedig wurde hier nachgebaut, man kann Bötchen fahren, und ein künstlicher Himmel überspant diese Geschäftswelt. Alles wirkt fast so freundlich wie die echte Welt draußen, aber die Mall lädt ein zum Verweilen, da kräftig gekühlt durch die Klimaanlagen.

Junge Leute flanieren in ihrer Landestracht. Die jungen Mädchen lassen gern mal unter den schwarzen Schleiergewändern eine Jeans sehen, die Kerle tragen ihre langen Kleider in hellen Farbtönen.

Diederik und ich laufen, ebenso wie Sjoerd, dazwischen sehr profan herum. Aber das mache hier nichts aus, erzählt uns Diederik: In Qatar könne eigentlich jeder so leben, wie er will. Nun ja…

Wir genehmigen uns in dieser Kunstwelt der Mall noch einen Cappuccino und reden dabei ausführlich über Module und Zulassungsverfahren und Prüfungsordnungen. Inzwischen kommt es immer mehr darauf an, sich auf international vergleichbare und überall anerkennbare Regelungen einzustellen – darin sind wir uns einig.

Am Abend muss Diederik zu einem offiziellen Empfang von Scheich Feisal. Wir setzen uns derweil mit seinen beiden Mitarbeitern Mick und Otmane zusammen. Das ist eine gute Gelegenheit, mehr über die Erwartungen und Möglichkeiten für die Hochschule in Qatar zu erfahren.

Beim Frühstück am nächsten Morgen strahlt Sjoerd, wie so oft. Nach dem Dinner hatte er sich gleich zurückgezogen, um schon ab 4 Uhr morgens das Erarbeitete in einen Planungsvorschlag umzusetzen.
Ich hatte es vorgezogen, bis 7 Uhr Ortszeit (also 5 Uhr heimischer Zeit) »auszuschlafen«, denn nun begann ein mit Präsentationen und Interviews gespickter Arbeitstag.
Ich muss mich danach, gegen Mitternacht, in den viel zu engen Flieger zwängen, um mich – inkl. erneutem Zwischenstopp in Saudi-Arabien – schlaflos achteinhalb Stunden lang nach Schiphol verfrachten zu lassen und am nächsten Morgen von dort noch zwei Stunden lang nach Leeuwarden zu fahren. Grrr.
An dieser Reise wird mir einmal mehr klar, wie uneffektiv, ja unökonomisch das geschäftliche Reisen in der »Economy« ist: Volle zwei Tage Arbeitszeit vergehen damit, genau nichts arbeiten zu können, weil einfach kein Platz ist fürs Macbook und das erforderliche Überarbeiten der Etats für 2008, ein weiterer Arbeitstag entfällt wegen der notwendigen Regenerierung.
Danach entsteht für hier aber der letzte Beitrag über diese Reise: ein Tag in der CHN University Qatar…
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