Martin Gertler | 7. Dezember 2007, 00:00 Uhr

360 | Dass das journalistische Niveau der Presse in Deutschland fortwährend absinke, beklagen schon seit Jahren viele kritische Mediennutzer. »Die TV-Kritik«, die sich der »Spiegel online« am Nikolaustag leistete, nährt auch meine eigene Kritik am »Spiegel«, der offenbar immer mehr auf Klamauk setzt statt auf das alte Label »Nachrichtenmagazin«.

Diese Zeilen sind ein Erguss, kein Genuss:

Und so weiter und so fort.

Was soll dieser Beitrag bloß noch sein außer dem Elaborat einer selbstverliebten Schreiberclique? Und wie würde jenes Blatt wohl reagieren, wenn man eine Kritik an ihrer albernen Stimmungsmache überschreiben würde mit:

»Schmier-Finken in der Voliere Spiegel«

Mit einer »TV-Kritik« hatte der Beitrag ohnehin nichts zu tun. Kritik ist sachlich und argumentierend.

Doch diese Illustrierte polemisiert lieber – und schmückt sich dabei immer noch, ohne vor Scham zu erröten, mit dem Etikett des Journalismus. (Wie sehr hatte man dort noch vor gut 18 Jahren über Schnitzlers »Schwarzen Kanal« hergezogen…)

Krasses Indiz dieser Fehlentwicklung war bereits die Umgehensweise des »Magazins« vor 5 Jahren, als es wochenlang auf einem angeblich »antiisraelischen Flugblatt« herumritt, das bei näherer Betrachtung dieses Attribut aber gar nicht verdiente, wie seinerzeit die Journalisten der Deutschen Presse-Agentur nach einem entsprechenden Hinweis meinerseits erkannten und daher diese Schmähbehauptung aus ihren Berichten (zugunsten eines »israelkritischen« sowie »umstrittenen« Flugblatts) verbannten.

So die Antwort des Chefs vom Dienst bei der dpa (ebenfalls in Hamburg) am 29.10.2002:

    »Ihre Kritik an der Formulierung ›antiisraelisches Faltblatt‹ von Möllemann hat bei dpa eine Diskussion ausgelöst und zur Konsequenz geführt, dass wir diese Einordnung nicht mehr so verwenden wollen. Sie hatte sich im täglichen Bemühen um eine kurze, griffige Einordnung eingebürgert - wer sie als erster benutzte, kann man kaum mehr nachvollziehen -, ist aber in der Tat nicht korrekt.

    Wer Schröder wegen seiner Haltung zu einem Irak-Krieg kritisiert, ist auch nicht antideutsch. Andererseits müssen wir natürlich verzeichnen, wenn die Aktion als antiisraelisch bewertet wird.

    Solche Fragen beschäftigen uns täglich. Manchmal braucht es aber einen nachdenklichen Zwischenruf wie den Ihren, um sich überspitzter Formulierungen bewusst zu werden.«

Vorderseite des Flugblatts

Rückseite des Flugblatts

Das Hamburger Klamaukblatt, gleichzeitig von mir auf seine gebetsmühlenhaft wiederholte Falschbehauptung aufmerksam gemacht, ignorierte konsequent den Hinweis und Appell an journalistische Redlichkeit, antwortete auf meine Vorhaltungen nicht, nahm meine fristlose Kündigung des Abonnements mit entsprechender Begründung aber klaglos an.

Was die Hetzkampagnen der deutschen Presse im Fall dieses Politikers bewirkten, ist jedem aufmerksamen Beobachter seit Jahren bekannt.

»Öko-Clowns«? – »Schmier-Finken«! :-(

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