»Lernende Firma« nennt sich die niederländische Unternehmensberatung Kessels & Smit. Sie setzt auf echte Konsequenzen, zum Beispiel auf die Abschaffung des Managements. So berichtet „brand eins“ in der Ausgabe 5/2008 mit dem spektakulären Titel „Dummheit gibt’s gratis.“

Vor gut einem Jahr konnte ich bei einem Workshop mit Prof. Dr. Joseph Kessels zusammenarbeiten. Seine Gedanken und Ansätze, von ihm selbst stets sehr zurückhaltend vorgetragen, überzeugten mich bereits damals.

Aus dem Brand eins – Beitrag von Peter Laudenbach:

Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, das Hierarchie durch Kooperation und Eigenverantwortung ersetzt. Und das anderen Firmen das Gleiche empfiehlt, denn es handelt sich um eine Unternehmensberatung. Stellen Sie sich zwei Gründer vor, die ihre gut gehende Firma an ihre Mitarbeiter verkaufen. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, dessen Mitarbeiter sagen: „Für mich geht es vor allem um die persönliche Weiterentwicklung.“ Sie können das laut sagen, weil ihre Kollegen das ebenso sehen. Stellen Sie sich ein Unternehmen vor, in dem alle wissen, was alle anderen verdienen und die Sekretärinnen über ihr Gehalt mit entscheiden. Dieses Unternehmen heißt Kessels & Smit und ist gut im Geschäft.

Joseph Kessels ist ein kultivierter, sehr aufmerksamer Herr mit leiser Stimme und radikalen Ideen. Er und seine Partnerin Cora Smit haben die ungewöhnliche Beratung im niederländischen Utrecht vor drei Jahrzehnten gegründet. Seitdem setzen sie ihre Ideen vom hierarchiefreien Unternehmen in die Praxis um. Kessels: „Niemand kann hier eine Position einnehmen, von der aus er anderen etwas befehlen kann. So etwas wäre für mich unerträglich. Cora und ich sind die Gründer, nicht die Bosse.“

Die 40 Mitarbeiter in den Niederlanden und weitere 20 Kollegen in Dependancen in Belgien, Südafrika und Indien sind auf Personalentwicklung spezialisiert. Zu den Kunden zählen die niederländische Eisenbahn, der Bierbrauer Heineken, der französischamerikanische Telekom-Konzern Alcatel-Lucent, Krankenhäuser, Behörden und Ministerien, aber auch Schifffahrtsunternehmen in Indien oder Entwicklungshilfe-Organisationen in Südafrika. Über ihren Umsatz reden die Berater nicht gern. Er ist niedriger, als bei Unternehmensberatungen ihres Kalibers gewohnt, aber hoch genug, dass alle zufrieden sind.

Joseph Kessels lernte ich im April 2007 beim „Samenscholingsdag“ der CHN Leeuwarden kennen, wir standen gemeinsam im Auditorium vor einigen hundert Dozenten und Mitarbeitern und stellten vor allem Fragen. Joseph ist nicht nur Consultant, sondern auch Professor für Human Resource Development an der Universität Twente.

Menschen wie er geben Impulse und Orientierung. Der Beitrag des führenden Wirtschaftsmagazins »brand eins« resümiert:

In der alten Arbeitswelt gibt sich die Organisation große Mühe, den Menschen als potenzielle Fehlerquelle und Restrisiko ungefährlich zu machen. Er soll auf seine pure Funktion reduziert werden. Er schrumpft zum willenlosen Werkzeug. Die Mittel dazu sind Kontrolle, Disziplin, Reglement.

Die Wissensökonomie kann mit willenlosen Werkzeugen wenig anfangen. Der eigene Wille, Eigeninitiative und Selbstverantwortung sind das Kostbarste, was die Mitarbeiter den Unternehmen geben können. Kessels & Smit zieht daraus die logische Konsequenz. Die Berater arbeiten an der Wiedereinführung des Menschen in die Organisation.

Die komplette Geschichte finden Sie hier. Lesenswert!