In der ZEIT fasst Christiane Gaethgens, bis vor einem Jahr Generalsekretärin der alles bestimmenden Hochschulrektorenkonferenz (HRK), die Entwicklungen der Hochschulen zusammen und plädiert für eine Aufhebung des Unterschieds zwischen Universität und Fachhochschule.

Die Zweiteilung zwischen der forschenden Universität und der praxisbezogenen Fachhochschule sei überholt. Beide Hochschulformen vergeben (zumindest in Deutschland) gleichlautende Abschlüsse, beide müssen inzwischen forschen. In der Spezialisierung entstünden neue Entwicklungschancen auch für die FHs, so Gaethgens.

Promotionsrecht für Fachhochschulen?

Sie stellt auch das derzeitige Privileg universitärer Fakultäten infrage, Doktoranden auszubilden – dies lasse sich nicht länger auf die Zugehörigkeit zu einem Hochschultyp gründen, sondern nur auf die Qualität von Forschung und Betreuung.

Frau Gaethgens plädiert dafür, die Unterscheidung der beiden Systeme Universität und Fachhochschule aufzugeben und sich stattdessen auf die Unterscheidung realer Profile und Leistungen zu konzentrieren.

Das gesamte System ist in Bewegung.

Ein wichtiges Argument ist der Autorin meines Erachtens entgangen. Im „Ländle“ Baden-Württemberg sind die Berufsakademien vor kurzem zum Status der Fachhochschulen aufgestiegen – damit ist den deutlich mehr auf das Betreiben und die Anwendung von Wissenschaft verpflichteten FHs im Grunde der Schlüssel an die Hand gegeben worden, sich dichter an die Seite der Universitäten zu stellen.

Tatsächlich arbeiten an den deutschen FHs – im Unterschied zu Nachbarländern wie Großbritannien, Belgien und Niederlande etc. – überwiegend promovierte Professoren, die ihren Uni-Kollegen in den Anforderungen zur Ernennung und Ausführung des Amtes gleichgestellt sind. Und immer mehr FHs geben ihren Professoren den Raum zur Forschung, etwa durch Halbierung des Lehrdeputats und damit gleichauf mit den Uni-Kollegen.

Frans van Vught (mitte) hat das neue Klassifizierungssystem vorbereitet.

An einem neuen europäischen Klassifizierungssystem, das Abschied nimmt von der überholten Zwei-Klassen-Gesellschaft, wird auf Dauer kein Weg vorbei führen. Dies zeichnete sich bereits vor zwei Jahren ab, mit einer EU-Initiative, über die in diesem Blog seinerzeit ausführlich berichtet worden war.