Regie – verwirklichte Konzeption.

„Wir amüsieren uns zu Tode“, prognostizierte Neil Postman bereits 1982. In kurzen Häppchen wird demnach medial eingefangenes Geschehen verdaulich, locker, abwechslungsreich feilgeboten – und dadurch heftig banalisiert.

Nicht nur Nachrichten und Dokumentationen werden durch den Rhythmus der Schnitte und Wechsel im Medium Fernsehen auf diese Weise ihrer Brisanz beraubt. Selbst vor dem Sakralen macht diese Entwicklung nicht Halt: sogar Gottesdienstübertragungen werden meist durch eine unklare Mischung aus Show und unbeteiligter Dokumentationswut ihrem Auftrag, die zumeist hoch motivierten Zuschauer mitfeiern zu lassen, entfremdet.

Die Aufgabenstellung einer solchen Sendung muss von der Redaktion getragen und von der Regie dem ganzen Team nachdrücklich vorgetragen werden, damit die Mitwirkenden nicht einfach ihre Routinen „abfahren“.

Wie schwierig das ist, erlebte Martin Gertler als Regisseur verschiedener Live-Sendungen in der ARD. Wenn man erst einmal 6 oder noch mehr Kameras zur Verfügung hat, dazu auch noch Steadicams und Kräne, ist es kaum noch möglich, dem Betteln nach ständigem Bildwechsel zu widerstehen. Redaktion und Produktion glauben halt, den teuren Aufwand durch reichlichen Einsatz begründen zu müssen.

Martin Gertler steht für eine konsequente, an den durchaus nicht unbekannten Erwartungen der Rezipienten orientierte Umsetzung der Konzeption in eine klare Regiearbeit – in Live-Sendungen wie auch in vorproduzierten Features.

Wie sich das am Beispiel jener Gottesdienstübertragungen verwirklichen lässt, hat er in seiner Dissertation und den dort aus dem theoretischen und empirischen Teil abgeleiteten „Zehn Geboten der Regie von Gottesdienstübertragungen“ dargelegt.

In einer eigens entwickelten Konzeptionsmethodik hat er Bausteine entwickelt, die für TV-Produktionen wie auch grundsätzlich für Medienschaffende nutzbar werden können.

zurück